Vorbereitung ist das A und O

Füße des Brautpaares
Bild: unsplash.com, Gianni Scognamiglio

Lucia und Anton Reinert sind gute Vorbilder. Die beiden sind seit 37 Jahren verheiratet. Glücklich verheiratet. Und seit 25 Jahren bieten die beiden Ehevorbereitungskurse an. Sie wissen also, wovon sie sprechen. 

Wir ein Vorbild? Anton Reinert schaut seine Frau Lucia an, schmunzelt sachte und legt ihr den Arm um die Schultern.  Das ist dem 66-jährigen Diakon im Ruhestand fast zu viel der Ehre. Aber es stimmt. 37 Jahre sind die zwei miteinander verheiratet. „Immer noch sehr glücklich“, sagt er. Gern erzählen beide, wie sie sich als junge Erwachsene in der katholischen Jugendarbeit kennengelernt haben. „Bei einem Zeltlager hat es dann gefunkt.“ Drei Söhne haben sie bekommen, gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt. „Jede Beziehung ist Arbeit und nicht immer nur Sonnenschein“, sagt Lucia Reinert. Das ist nur eine der Erfahrungen, die das langjährige Ehepaar weitergeben möchte.

Seit 1991 bieten sie für die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im mittleren Emsland Ehevorbereitungskurse an: zwei- bis dreimal im  Jahr, an zwei Abenden in der Woche in Meppen. „Wir haben selbst vor unserer Trauung einen Kurs besucht. Das war ein wunderbares Wochenende “, sagt Lucia Reinert lächelnd. Und die 58-jährige KEB-Dozentin hofft, dass die Paare das in den Seminaren auch so erleben. Als ganz bewusste (Aus)Zeit – für sich, den Partner oder die Partnerin, für alle Wünsche und Fragen. Ihr Mann nickt lebhaft. „Am Ende strahlen alle und wollen gar nicht weg. Sie gehen verändert und beseelt nach Hause.“

Das Image der Vorbereitungskurse ist nicht das beste

Seit 25 Jahren bietet das Ehepaar Reinert Ehevorbereitungskurse an. Bild: Kirchenbote

Von solchen Reaktionen hat auch Martina Kreidler-Kos schon gehört. Sie arbeitet als Diözesanreferentin für Ehe- und Familienpastoral im Bistum Osnabrück. Aber sie weiß: Das Image der Ehevorbereitungskurse ist nicht das beste. Der Name klingt ein bisschen verstaubt, es gibt falsche Vorstellungen, die künftigen Eheleute finden nur schwer den Weg dorthin. „Daran müssen wir arbeiten“, sagt die Theologin. Wie? „Wir müssen uns mehr an der Lebenswelt der Paare orientieren. Der Termin muss stimmen, die Atmosphäre muss stimmen, die Qualität muss stimmen.“ Den Stuhlkreis mit gestalteter Mitte meint sie nicht damit. Sondern eine Wohlfühlatmosphäre: ein bisschen wie im Urlaub, falls nötig auch mit Kinderbetreuung. Und: „Wir müssen die Trauung, das Sakrament und die Ehe einfacher erklären. Es muss viel deutlicher werden, dass solch ein Kurs eine Investition in die Partnerschaft ist.“ Die neue Broschüre des Bistums „Segen geschenkt“ macht das deutlich.

Über die wunderbare Chance, zusammen alt zu werden

Dass die kirchliche Trauung ein Geschenk ist, davon sind Anton und Lucia Reinert überzeugt. Das strahlen sie aus, das macht sie in ihrer Arbeit so authentisch und glaubwürdig. Was in ihrem Kurs passiert? Jedenfalls kein Frontalunterricht mit dicken Büchern und Stapeln von Papier, sagen beide. Sie sehen die Seminare eher als großes Forum an – in dem die Paare reden, diskutieren, fragen, sich austauschen können. Über die Partnerschaft und wie das Leben zu zweit sein wird. Über Konflikte und wie man sie bewältigen kann. Über Kinder und die Verantwortung dafür. Über die wunderbare Chance, zusammen alt zu werden. Und fast immer stellt sich eine große Offenheit im Gespräch ein. „Wenn man in einer solchen Gruppe zusammensitzt, werden Dinge angesprochen, die man zu Hause am Küchentisch nicht angerührt hätte“, sagt Anton Reinert.

Die Ehe als Sakrament

Weitere Infos

  • Im Bistum gibt es zahlreiche Ehevorbereitungskurse. Die Paare werden aber nicht nur vor der Ehe begleitet, auch nach der Hochzeit gibt es an vielen Orten Angebote für Ehepaare. Hier finden Sie die Broschüre dazu!
  • Ein besonderes Angebot für Paare gibt es im Januar 2018 im Bistum Osnabrück: Der mehrtägige Kurs „Herzenssache“ richtet sich an Paare, die sich füreinander Zeit nehmen wollen – kurz vor oder kurz nach ihrer Hochzeit. Im Flyer finden Sie weitere Infos.
  • Aus der Arbeit mit Ehepaaren ist auch die Broschüre „Schmetterlinge im Bauch“ entstanden. Hier erzählen Paare, warum sie gerne verheiratet sind.

Aber es geht bei den Reinerts nicht nur um Kommunikation und Partnerschaft, sondern auch um die Ehe als Sakrament. Was das heißt? Wenn Menschen in Liebe ein Leben lang zueinander stehen wollen, wird darin Gottes Liebe sichtbar. Beide wissen: Das ist ein sperriges Thema. Sie sprechen über Symbole, die die Paare für ihre Beziehung auswählen, über das Ehegelöbnis und was es bedeutet. „Die Bereitschaft, vor Gott „Ja“ zu sagen – das ist doch das schönste Versprechen, was man sich geben kann“, sagt Anton Reinert begeistert. „Diese Worte haben so eine Wucht.“ Das gilt auch für den Ehesegen, mit dem die Brautleute die Zusage Gottes erhalten: Ich werde euch begleiten, durch euer ganzes gemeinsames Leben.

„So eine kirchliche Trauung ist ein heiliger Moment“, sagt der Diakon. „Gott hilft mit, darauf kann man bauen und vertrauen. Das gibt der Beziehung eine ganz andere Tiefe.“ Den Reinerts hat diese Tiefe immer viel bedeutet. Davon erzählen sie in ihren Kursen, davon geben sie Zeugnis, für diese Tiefe der Beziehung werben sie. „Es ist doch schön, so lange verheiratet zu sein.“ Und wie haben sie das eigentlich geschafft? Wieder schauen sich beide an und lächeln. Sie haben kein Patentrezept, kein Wundermittel, sondern nur ein paar einfache Ratschläge. Miteinander reden. Aufeinander achten. Sich vertrauen. Sich Rituale und Zeitinseln schaffen. Und niemals im Streit aus dem Haus gehen.