Einfach mal durchschütteln

Person schüttelt lange Haare
Bild: canva.com

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf. Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen. Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle! Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht: Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren. Da ergriffen die Juden das Wort und sagten zu ihm: Welches Zeichen lässt du uns sehen, dass du dies tun darfst? Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes. Als er von den Toten auferweckt war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

Johannes 2,13-22
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Manchmal habe ich das starke Bedürfnis, mein Gegenüber so richtig durchzuschütteln. Dann, wenn sie oder er einfach nicht checkt, was mir gerade wichtig ist; verbohrt an einer verschrobenen Sicht auf die Dinge festhält oder etwas tut, was mich so richtig zum Kochen bringen. Mit dem Schütteln will ich nicht nur meine Energie und Wut loswerden, sondern hoffe, dass damit alle Verbohrtheit und Blindheit aus der Person herausfällt und sie erkennt, was gerade wichtig ist.

Auch Jesus kennt das Bedürfnis und setzt es in der Erzählung von der Reinigung des Tempels um. Er kommt in den Tempel – den Ort, an dem Menschen Gott begegnen wollen. Anstatt Gottesbegegnung und Gebet findet er Geschäftemacherei und Lärm. Jesus fängt an zu Schütteln: Er wirft Tische um, treibt die Händler fort. Er räumt auf – nicht aus blinder Wut, sondern aus innerer Klarheit. Er vertreibt das Nebensächliche, damit das, was wirklich wichtig ist, seinen Raum bekommt. Jesu Aufräumen im Tempel ist also keine Zerstörung, sondern ein Neuanfang.

Manchmal habe ich das starke Bedürfnis, so richtig durchgeschüttelt zu werden. Dann, wenn mich mein Alltag gefangen nimmt, die ToDo-Liste viel größer ist als die Kraftreserven und ich vor lauter Geschäftigkeit gar nicht mehr sehe, was eigentlich gerade wichtig ist. Ich hoffe, dass dann all die Nebensächlichkeiten herauspurzeln und der Blick aufs Wesentliche frei wird.

Jesus ist so ein Durchschüttler. Wenn ich mich mit ihm auf den Weg mache und mich von seinen Werken und Worten durchschütteln lasse, spüre ich: Ich darf loslassen, was mich festhält. Ich kann neu sortieren, was wichtig ist, und neu beginnen.

Bernd Overhoff