Fest soll mein Taufbund immer stehen
In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.
Johannes 1,29-34

Hier kommentieren jede Woche Menschen aus dem Bistum Osnabrück eine Bibelstelle aus einer der aktuellen Sonntagslesungen – pointiert, modern und vor allem ganz persönlich.
Haben Sie eine Frage? Eine ganz andere Idee zum Thema? Oder möchten das Bibelfenster als kostenlosen Newsletter abonnieren?
Dann schreiben Sie uns!
An bibelfenster@bistum-os.de
Sofort habe ich das Lied „Fest soll mein Taufbund immer stehen“ im Ohr und erinnere mich an Gänsehautmomente christlicher Verbundenheit. Aus dem Wasser und dem Geist – das ist das
Bemerkenswerte, das Plus, dessen sich Johannes der Täufer im oben stehenden Bibeltext bewusst wird. Er sieht Jesus auf sich zukommen und sagt: „Seht, das Lamm Gottes.“ Alles beginnt mit einer Begegnung, mit einem Entgegenkommen, mit einem Weggefährten. Mit einem, der mir nicht ausweicht, sondern meinen Lebensweg kreuzt und mit mir geht.
Die Taufe im Jordan bringt diese Grundidee göttlichen Mitgehens in ein eindrucksvolles, plastisches Bild. Es wird förmlich spürbar: Jesus macht sich nass, stellt sich hinein in das Wasser – hinein in das Leben der Menschen, in ihre Ängste und Zweifel, in ihre Sehnsucht und Hoffnung. Er steht nicht über den Dingen, sondern mittendrin.
In der Taufe, die meist am Beginn eines neuen Lebens von den Eltern für ihr Kind erbeten wird, verschmelzen Glaube, Liebe und Hoffnung im Sakrament: Mit dir beginnt etwas Neues. Du bist gewollt, beschenkt, gesegnet und angesehen – von uns und von Gott. Möge das Leben es gut mit dir meinen.
Und damit das gelingt, auch wenn das erste Taufwasser längst getrocknet ist, bleibt der Heilige Geist: diese Lebens- und Schaffenskraft. Nicht als kurzer Moment, sondern als bleibende Gegenwart Gottes in allen Phasen des Lebens; nicht als flüchtiger Funke, sondern als wärmende Gewissheit, dass der Schöpfer dich mit allem ausgestattet hat, was du in dieser Welt benötigen wirst.
Vera Jansen