Jeremia – ein Prophet der Hoffnung

Titelbild Blogbeitrag Jeremia
Bild: Bistum Osnabrück

Eine Reihe über „Pilger der Hoffnung“ mit dem Propheten Jeremia beenden zu lassen, ist ein gewagtes Unterfangen. Denn Jeremia lebte in einer Zeit, die ganz und gar nicht von Hoffnung geprägt war. Seine Aufgabe war es, den Menschen Umkehr und Buße zu predigen und ihnen als Prophet das drohende Strafgericht Gottes anzukündigen. Nach der Wahrnehmung Israels trat das mit dem Babylonischen Exil im Jahr 587 v.Chr. auch ein.

Jeremia ist ein Prophet, der mit seinem Schicksal hadert. Von ihm sind ergreifende Klagelieder überliefert, in denen er mit Gott ringt. Denn die Menschen lehnen Jeremia ab, hören nicht auf ihn, verspotten und verfolgen ihn sogar. Jeremia ist am absoluten Tiefpunkt seiner Karriere angekommen.

Jeremia – ein Pilger der Hoffnung?

Trotz aller Turbulenzen und Schicksalsschläge lässt er doch nicht von seinem Gott ab. Er hält an ihm fest – gerade indem er Gott all sein Leid klagt, ja ihn anklagt. Und so klingt in seiner Verkündigung jenseits aller Unheilsprophetien doch auch eine Ahnung von zukünftigem Heil an, von Hoffnung inmitten der Verzweiflung, eine Prophetie, die wir sicher am Ende des Jahres 2025 dringend nötig haben:

Siehe, Tage kommen – Spruch des Herrn –,
da erfülle ich das Heilswort,
das ich über das Haus Israel
und über das Haus Juda gesprochen habe.
In jenen Tagen und zu jener Zeit
werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen.
Er wird Recht und Gerechtigkeit wirken im Land.
In jenen Tagen wird Juda gerettet werden,
Jerusalem kann in Sicherheit wohnen.
Man wird ihm den Namen geben:
Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.

Jeremia 33,14-16

Vielleicht kann uns als Kirche von Osnabrück die vor uns liegende Adventszeit eine Ahnung dieser Hoffnung vermitteln – gerade in den turbulenten Zeiten, in denen wir leben.

Über den Autor

Bischof Dominicus Meier OSB ist Mitglied des Benediktinerordens und leitet das Bistum Osnabrück seit September 2024. Im Heiligen Jahr 2025 stellt er als Blog-Autor regelmäßig Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung vor.

Als Kirche von Osnabrück lasst uns Räume schaffen, in denen das Leid nicht verdrängt oder mundtot gemacht, sondern laut herausgerufen wird. Als Kirche von Osnabrück lasst uns dann den Hoffnungsvisionen eines Jeremia trauen und mit Vertrauen und Zuversicht in das Neue Jahr 2026 gehen.

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