Exerzitienhaus Ahmsen

Labyrinth Exerzitienhaus Ahmsen
Das Buchsbaumlabyrinth beim Exerzitienhaus Ahmsen Bild: Bistum Osnabrück

„In 300 Metern haben Sie ihr Ziel erreicht.“ Wer zum Exerzitienhaus nach Ahmsen kommt, mag den Worten des Navigationssystems kaum trauen. In 300 Metern? Dort, rechts, am Ende des Waldweges? Doch wer dem Befehl folgt, wird nicht enttäuscht. Am Ende des Pfades erwartet den Besucher das ehemalige Maristenkloster – umgeben von sattem Grün. Ein kleiner Teich, Kräutergarten und Buchsbaumlabyrinth laden zum Verweilen ein. Es ist ein wenig so, als tauche man „Am Kloster 8“ in Lähden-Ahmsen in eine andere Welt ein. Es ist Freitagsnachmittag – und trotzdem ist es ruhig. Vom Lärm der angrenzenden Straße ist nichts zu hören. Keine Spur vom Einkaufstrubel so kurz vor dem Wochenende. Kein Feierabendverkehr, kein Hupen, keine Stauwarnungen. Hier ist es still, sehr still.

Kräutergarten und Buchsbaumlabyrinth (Bilder: Katharina Deuling)
Kräutergarten und Buchsbaumlabyrinth: Rund um das Exerzitienhaus Ahmsen gibt es viel zu entdecken Bild: Katharina Deuling

Seit drei Jahren ist das ehemalige Maristenkloster in Ahmsen ein Exerzitienhaus. Ein Begriff, der zunächst kompliziert klingt, lässt sich ganz einfach mit dem Wort „Übungen“ beschreiben. „Exerzitien“ – das sind geistliche Übungen. Sie können eine Form sein, dem Alltag zu entfliehen und gleichzeitig die Beziehung zu Gott zu stärken.

Zu sich kommen und zum Beten finden

Johanna Merkt von der „Gemeinschaft Christlichen Lebens“ (GCL) leitet das Haus in Ahmsen. Träger ist das Bistum Osnabrück. Die Gemeinschaft Christlichen Lebens ist eine weltweite geistliche Gemeinschaft in der katholischen Kirche. Ihre Mitglieder leben aus der Spiritualität des Ignatius von Loyola, dem Mitbegründer des Jesuitenordens. Und genau dieser Geist, diese Spiritualität wird im Exerzitienhaus spürbar. „Unsere Angebote möchten Raum bieten, zu sich zu kommen und neu ins Beten zu finden“, beschreibt Johanna Merkt. Die 60-Jährige denkt an ein Zitat vom Theologen Meister Eckhart: „Es wohnt eine Kraft in meiner Seele, die für Gottes Gegenwart ganz und gar empfänglich ist.“

Geistliche Wochenenden, Leibübungen, liturgisch-meditativer Tanz, Schreibwerkstatt und Einkehrtage – die Angebote in Ahmsen sind vielfältig. Dazu Freizeiten für Alleinerziehende, Familientage und Wochenenden für Ehepaare. „Mein Lieblingsprojekt ist die Werkwoche ‚Einfach anders leben'“, sagt Merkt, „weil die Teilnehmer die Möglichkeit haben, die Lebenswirklichkeit anderer kennen zu lernen.“ So besuchen sie zum Beispiel einen Betrieb mit Massentierhaltung, eine Klinik für Suchtkranke oder die KZ-Gedenkstätte Esterwegen. Am Abend reflektieren die Teilnehmenden ihre Erfahrungen im Austausch und  Gebet – und tun damit, was Ignnatius von Loyola schon empfiehlt: Gott suchen und finden in allen Dingen. Wer lieber praktisch arbeitet, kann sich für das „ora et labora“ – das „Beten und Arbeiten“ anmelden. „In der Küche oder im Garten“, sagt Merkt, „es gibt immer etwas zu tun.“

Kapelle Exerzitienhaus Ahmsen (Bild: Katharina Deuling)
Die Kapelle erinnert an ein Zelt. Die Betenden sind mit Gott unterwegs. In der Hektik des Alltags finden sie hier Ruhe. Bild: Katharina Deuling

Raum für Gott

Ob schweigend oder im Gespräch, allein oder in der Gruppe, im Haus oder unterwegs – Johanna Merkt sieht in allen Angeboten eine große Gemeinsamkeit. „Die Teilnehmer treten in die Beziehung zu Gott, lassen sich stärken, gehen dann wieder raus in die Welt und sind für die Menschen da.“ Das Exerzitienhaus in Ahmsen ist das einzige Exerzitienhaus im Bistum. Ein geistlicher Ort? Johanna Merkt nickt. „Ja. Weil er seit über einem Jahrhundert von den Maristen ‚eingebetet‘ ist“, sagt sie. „Weil er durch die Stille in die eigene Stille führt. Weil er für jeden Raum gibt – für sich und für Gott. Und weil hier Menschen zusammen kommen, die ihrer Sehnsucht folgen.“

Menschen wie Ulrike Lübbers zum Beispiel. Die 40-Jährige kommt häufig nach Ahmsen. „Es fällt schwer, im Alltag Zeit zu finden“, sagt sie, „aber das Programm ist interessant, das sollte man sich viel öfter gönnen.“  Lübbers ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und von Beruf Lehrerin. Ihr Lieblingsort im Exerzitienhaus? „Die Kapelle“, antwortet sie, „weil sie schlicht aber schön ist.“ Der große Raum im Dachgeschoss ist mit Holz ausgebaut. Mit einer Mischung aus Schrägen und großen Fenstern bietet er den Betenden eine wohlige, warme Atmosphäre. Ulrike Lübbers denkt an ein Zelt: „Unter Gottes Zelt – da kann ich ganz still sein. Da kann man Stille hören“, sagt sie.

„Das wolltest du doch schon immer mal machen“

Aus der Tageszeitung hat Lübbers vor zwei Jahren vom Exerzitienhaus erfahren. „Exerzitien im Alltag“ – so das Angebot. Die 40-Jährige fühlte sich gleich angesprochen. „Das wolltest Du doch immer schon mal machen“, erinnert sie sich. „Ich habe einfach angerufen, mich angemeldet und dann war ich da.“ Und davon profitiere sie noch heute. „Die herzliche Atmosphäre hier, die freundlichen Mitarbeiter, Gespräche mit anderen Teilnehmern. Das war ein Gewinn.“ Lübbers beschreibt das Exerzitienhaus als einen spirituellen Ort und mit der Leiterin Johanna Merkt als einen Gewinn für das Bistum. „Zuerst dachte ich, zu solchen Orten könne man nur gehen, wenn man Ahnung hat“, sagt sie und lächelt. Vielen gehe es vielleicht genauso. „Aber hier ist es anders“, betont Lübbers, „Ahmsen ist ein sehr offener Ort, ich komme gern hierher.“