Ein Segen: „Da reichen einfach du und ich“
Ein Segen ist mehr als ein freundliches Wort. Er macht Mut, vermittelt das Gefühl, nicht allein zu sein und kann in unterschiedlichen Lebensmomenten Kraft schenken. Im Interview erklärt Gemeindereferentin Annegret Krampe aus der Pfarreiengemeinschaft Glandorf-Schwege, warum jeder Mensch segnen kann, welche Kraft darin steckt und weshalb sie selbst beim Segnen immer wieder berührende Erfahrungen macht.
Was ist überhaupt ein Segen?
Ein Segen ist erstmal ein Zuspruch: dass ich jemandem etwas Gutes wünsche, etwas Gutes zusage und ihn dadurch stärke. Letztendlich spreche ich Gottes Segen zu und Gottes gute Wünsche.
Was unterscheidet einen Segen von einem Sakrament?
Ein Sakrament wird gespendet durch eine geweihte Person und ist gebunden an eine Form, an bestimmte Worte. Das ist festgelegt auf sieben Situationen im Leben, zum Beispiel die Taufe oder Hochzeit. Ein Segen ist umfassender. Den kann ich jederzeit und überall spenden und brauche dafür keine Form einzuhalten. Da reichen einfach du und ich.
Kann jeder Mensch einen Segen aussprechen?
Nach meinem Verständnis sind wir Gottes Geschöpfe. Und durch seine Schöpfung, letztendlich auch durch die Taufe, sind wir mit Gott verbunden. Wir haben etwas Göttliches, eine Seele in uns. Und daraus kann jeder segnen. Das reicht. Es ist so einfach, einen Segen zu spenden. Und es kann so heilsam sein.

Was erleben Sie, wenn Sie Menschen segnen?
Wenn ich jemanden segne, entsteht etwas ganz Besonderes. Das ist immer ein bewegender, ein berührender Moment: Er geht von Herz zu Herz, von Seele zu Seele, von Mensch zu Mensch. Dieser Mensch fühlt sich in dem Moment gesehen, geliebt, angenommen. Das sehe ich in den Gesichtern der Menschen. Auch bei Kindern. Wenn die das so annehmen, dann sind die selig.
Was ist denn der Unterschied zwischen einem Segen und etwas Nettem, das man einem Menschen sagt?
Wenn ich ein gutes Gespräch führe, kann das segensreich sein, heilsam sein, ein guter Zuspruch sein. Aber das würde ich noch nicht unbedingt Segen nennen. Ein konkreter Segen ist dann wirklich, dass ich jemandem etwas zuspreche: „Du bist geliebt. Du bist geliebtes Kind Gottes.“ Oder: „Gott segne dich. Gott behüte dich.“
Was gibt es für Anlässe, Menschen zu segnen?
Man kann immer segnen: In Alltagssituationen, wenn die Kinder morgens aus dem Haus gehen. Letzte Woche war ich bei einer Frau, die lag im Sterben. Die Frau hat das gar nicht mehr richtig mitbekommen. Aber die Angehörigen, die dabei waren, für die war das wichtig. Oder ein Paar, das standesamtlich geheiratet hatte: Die junge Frau wollte aber irgendwie doch etwas mehr haben. Dann haben wir direkt nach der standesamtlichen Trauung eine Segensfeier gemacht. Draußen im Garten unter einem großen Kirschbaum. Wir haben gebetet, wir haben den Gottesbeistand zugesprochen. Und das hat die beiden schon sehr berührt. Das war eine schöne Feier. Dadurch wurde das für das junge Paar eine runde Sache. Aber keinem wurde etwas übergestülpt.
Sie sagen, ein Segen kann Menschen stärken. Wie meinen Sie das?
Weitere Infos
Am 7. November 2026 findet im Ludwig-Windthorst-Haus ein kostenloser Workshoptag für Segensrituale in der Praxis satt. Eine Anmeldung ist noch bis Anfang Oktober möglich. Hier gibt es Informationen zu Inhalt und Anmeldung.
Mit dem Segen ist immer verbunden, den Menschen zuzusagen: Du bist nicht allein hier auf der Welt, sondern Gott geht mit. Wenn ich ins Krankenhaus muss und mich dann noch ein Familienangehöriger segnet und sagt: „Gottes Segen sei mit dir“, dann wird mir bewusst: Ich gehe diesen Weg nicht allein. Ich muss auch nicht alles allein schaffen. Sondern ich bin begleitet, in Gottes Hand.
Wie spendet man denn einen Segen?
Durch die Worte, die man wählt. Man kann ein Kreuzzeichen machen. Man kann einen Menschen auf der Stirn segnen. Man kann die Arme ausbreiten, so dass die Menschen sich geschützt fühlen. Da gibt es keine einheitliche Form.
Gibt es einen Segen, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Wir hatten „Segen to go“ in Glandorf auf dem Kürbismarkt. Die Menschen kamen in die Kirche, wir haben uns erst ein bisschen unterhalten. Manche kannte ich, andere waren fremd. Und wenn ich die Menschen dann gesegnet habe, waren es nicht wenige, die Tränen in den Augen hatten. Weil die so berührt waren von diesem Zuspruch. Beispielsweise ein wiederverheiratet-geschiedenes Paar. Die hatten keine guten Erfahrungen gemacht mit der Kirche. Hinterher haben sie gesagt: „Sie hat gar nicht gefragt, ob wir katholisch oder evangelisch sind. Sie hat nicht gefragt, ob wir geschieden sind. Sie hat uns einfach gesegnet.“ Und das hatte für dieses Paar etwas Heilendes.
Gibt es Situationen, in denen ein Segen nicht angemessen wäre?
Ja. Bei Zwang auf gar keinen Fall: wenn die Freiheit und die Freiwilligkeit nicht da sind. Denn nur wenn sich niemand dazu gezwungen fühlt, kann ein Segen etwas sehr Schönes sein.