Frühjahrsmüdigkeit – das große Gähnen
Die Hand vor dem Mund – diese Geste ist derzeit weit verbreitet. Das große Gähnen hat wieder eingesetzt, die Frühjahrsmüdigkeit. Wie man dem entkommt und wach und fit in die Welt hinaus geht, erklärt Ulrich Martin, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie am Marienhospital Ankum-Bersenbrück der Niels-Stensen-Kliniken.
Frühjahrsmüdigkeit zeigt sich oft durch ein ausgeprägtes Gefühl von Erschöpfung und Antriebslosigkeit. „Die Ursachen sind vielfältig und noch nicht abschließend geklärt, aber es gibt mehrere medizinisch anerkannte Faktoren, die eine Rolle spielen“, erklärt Ulrich Martin.
Das Schlafbedürfnis habe unter anderem mit dem veränderten Hormonspiegel zwischen Winter und Frühjahr zu tun. Im Winter wird vermehrt das Schlafhormon Melatonin produziert, das bei Dunkelheit ausgeschüttet wird. Mit den längeren Tagen im Frühling sinkt der Melatoninspiegel, während gleichzeitig die Produktion des „Gute-Laune-Hormons“ Serotonin ansteigt. Diese Umstellung kann den Körper belasten und zu Müdigkeit führen. „Zudem sorgen die wechselhaften Temperaturen im Frühling dazu, dass sich die Blutgefäße weiten, was den Blutdruck sinken lässt. Das löst bei manchen Menschen Müdigkeit, Schwindel und Kreislaufprobleme aus“, sagt Ulrich Martin.
Weil man im Winter weniger dem Sonnenschein ausgesetzt ist, kann es auch zu einem Mangel an Vitamin D kommen, der sich im Frühling noch bemerkbar macht. Der Körper muss sich zudem an die neuen Licht- und Temperaturverhältnisse anpassen, was bei manchen Menschen zu vorübergehender Abgeschlagenheit führen kann. Bei Allergikern kommt die zunehmende Pollenbelastung hinzu.
Einfache und wirksame Maßnahmen gegen die Frühjahrsmüdigkeit
Frühjahrsmüdigkeit lässt sich häufig mit einigen einfachen, aber wirksamen Maßnahmen lindern, die leicht in den Alltag integriert werden können. Ein zentraler Punkt ist der regelmäßige Aufenthalt im Freien, besonders bei Tageslicht. Spaziergänge an der frischen Luft fördern die Produktion von Serotonin und helfen dem Körper, den Melatoninspiegel schneller abzubauen. Schon 20 bis 30 Minuten täglich können einen spürbaren Unterschied machen.
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Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Eine ausgewogene Kost mit viel frischem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten versorgt den Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, die nach dem Winter oft knapp sind. Besonders Vitamin D, B-Vitamine und Magnesium unterstützen die Energiegewinnung und das Wohlbefinden. Ausreichend Flüssigkeit – idealerweise Wasser oder ungesüßte Tees – hält den Kreislauf stabil und beugt Müdigkeit vor.
Bewegung ist ein weiterer Schlüssel, um die Frühjahrsmüdigkeit zu überwinden. Leichte Aktivitäten wie Radfahren, Yoga oder zügiges Gehen regen die Durchblutung an und bringen den Kreislauf in Schwung. Wer sich tagsüber bewegt, schläft nachts oft besser und wacht erholter auf. Auch Wechselduschen oder Kneipp-Anwendungen können den Kreislauf anregen und die Anpassung an die neuen Temperaturen unterstützen.
Regemäßig schlafen und Entspannungstechniken
Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist ebenfalls hilfreich. Wer jeden Tag zur ähnlichen Zeit ins Bett geht und aufsteht, gibt seinem Körper die Möglichkeit, sich schneller an die längeren Tage zu gewöhnen.
Entspannungstechniken, wie progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder Meditation, können helfen, Stress abzubauen und neue Energie zu tanken. Wer sich bewusst kurze Pausen gönnt und auf seinen Körper hört, kommt meist schneller aus dem Frühjahrstief heraus.
Ulrich Martin rät: „Falls die Müdigkeit länger anhält oder besonders stark ausgeprägt ist, sollten andere Ursachen wie Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut oder Depressionen ärztlich abgeklärt werden – besonders bei Vorerkrankungen.“