Das Meer, die Bibel und das Bistum

Sonnenstrahlen am Strand
Bild: photocase.de, Nordreisender

Die Wellen rauschen, der Blick auf die Weite des Wassers, der Sand unter den Füßen, der salzige Geruch in der Nase, der Wind auf der Haut und dann ein Bad im kühlen Nass.

Millionen Menschen zieht es in den Sommermonaten ans Meer. Vor allem der Adel war es, der im 19. Jahrhundert das Meer – neben dem Hochgebirge – als neues Erholungsziel entdeckte. Aber schon davor übte es eine große Faszination auf die Menschen aus. Woher kommt diese Faszination? Eine religiöse Spurensuche in der Bibel, in den Religionen und auch im Bistum Osnabrück.

Meer und Wasser in der Bibel

In der Bibel beginnt das Leben im Wasser. In der Schöpfungsgeschichte heißt es, dass die Erde zuerst komplett mit Wasser bedeckt war. Erst am dritten Tag erschuf Gott das Land. Die große Bedeutung des Wassers und des Meeres ist in der Bibel an vielen Stellen sichtbar, ob bei Noah, der Flucht der Israeliten durch das Meer oder die Wunder Jesu am See Genezareth.

Baby überm Taufbecken
Im Sakrament der Taufe wird die reinigende Kraft des Wassers offenbar. Bild: pixabay.com, keskieve

Die Begebenheiten in der Bibel spielten auch überwiegend im heutigen Israel, Saudi-Arabien oder Ägypten. Also in sehr trockenen Gebieten und Wüsten. Nicht verwunderlich ist es deshalb, dass das Wasser häufig als Symbol verwendet wird. Eine der wichtigsten Symbolfunktionen ist die reinigende Kraft des Wassers, ob bei der Erzählung über die Sintflut oder auch in den elementaren Handlungen der Taufe.

Das Meer und die großen Religionen

Und nicht nur im Christentum spielen das Wasser und das Meer eine wichtige Rolle. Auch in den anderen Weltreligionen hat die reinigende Kraft des Wassers eine große Bedeutung. Für Hindus gibt es das rituelle Bad im heiligen Ganges. Im Buddhismus spiegelt der Strom des Wassers in einem Fluss das Sinnbild der buddhistischen Lehre wider; von der Meditation bis hin zur Erlangung des Nirvanas.

Im Judentum ist es das Meer, das das jüdische Volk auf seiner Reise von Ägypten nach Israel beschützt. Es verschlingt die Verfolger, als das Rote Meer hinter Moses zusammenstürzt. Gleichzeitig rettet das Wasser in Form des Brunnens von Miriam den Israeliten das Leben, weil der Brunnen sie durch die Wüste begleitet.
Und auch im Islam ist das Wasser Ursymbol des Lebens. Es steht für Schöpfung, Geborgenheit, Reinheit und Heilung. Oft wird auch Allah mit dem grenzenlosen Ozean verglichen, der den Menschen und allen anderen Lebewesen sein Wasser schenkt.

Strandkörbe (Bild: photocase.de, schachspieler_wind)
Voll besetzt sind die Strandkörbe der Nordseeküste in den Sommermonaten. Bild: photocase.de, schachspieler_wind

Das Meer und das Bistum

Das Bistum Osnabrück ist in der buchstäblich glücklichen Lage, am Meer zu liegen. So gehören zum Bistum das wunderbare ostfriesische Festland an der Nordseeküste und sechs der sieben ostfriesischen Inseln. Für diese Region bietet das Bistum die Urlauberseelsorge Seelsorge am Meer an. Die Verantwortlichen organisieren in der Feriensaison für Urlauber, Kurgäste und Einheimische ein abwechslungsreiches Programm, das Zeit zum Durchatmen, Auftanken und viele neue Eindrücke bietet. So viel Meer macht auch das Oberhaupt unseres Bistums zufrieden. „In einem Bistum mit solchen Orten Bischof zu sein, ist eine große Freude“, betont Bischof Franz-Josef Bode.

Der Papst und das Meer

Von der Nordsee zum Mittelmeer und vom Bischof Osnabrücks zum Bischof Roms: Es war im Juni 2013, Papst Franziskus war erst seit wenigen Monat Oberhaupt der katholischen Kirche, da machte er seine erste größere Reise als Papst. Sie führte ihn übers Mittelmeer nach Lampedusa, die italienische Insel, auf der so viele Flüchtlinge das erste Mal europäischen Boden betreten. Bei seiner Predigt geißelte er damals die europäische Flüchtlingspolitik und die ignorante Haltung der Gesellschaft.
Seine Worte von der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ hallten noch lange nach. Bis heute erinnert er immer wieder an das Schicksal der Flüchtlinge, die im Mittelmeer auf ihrem Weg nach Europa sterben. Auch für diese Menschen sollte das Mittelmeer ein Symbol der Hoffnung und des Neuanfangs sein, und nicht ein Symbol für Untergang und Tod.