Leckere Schätze im Glas
Wenn die Natur ihre Fülle zeigt und Obst, Gemüse und Kräuter in großen Mengen geerntet werden, erleben die LandFrauen Osnabrück die vielleicht schönste Zeit des Jahres: die Erntezeit. Jetzt wird eingekocht, eingelegt und fermentiert, um die Schätze des Sommers für den Winter zu bewahren.
Zwischen Einmachgläsern, duftenden Früchten und bewährten Familienrezepten verwandeln Ilka Bringewatt, Almut Detert und Maria Große-Schawe die Ernte der Saison in konservierte Köstlichkeiten: fruchtiger Pflaumenlikör, süßer Apfelstrudel-Aufstrich, fermentiertes Gemüse oder gesundheitsfördernder Knoblauch-Honig. Die drei LandFrauen wissen, was sie tun – und haben jede Menge Tipps parat.
Es riecht nach reifen Pflaumen, frischen Äpfeln und Kräutern. In der großen Landhausdiele von Ilka Bringewatt in Belm steht ein drei Meter langer Holztisch voll süßer Schätze: Äpfel, Pflaumen, Gewürze und weitere Zutaten werden heute auf unterschiedliche Art und Weise ihren Weg in die drapierten Gläser und Flaschen finden.
Tipps (für Anfänger) von den Osnabrücker LandFrauen
- Gelierzucker 1:1 statt 1:2 oder 1:3: Die enthalten zwar weniger Zucker, dafür Kaliumsorbat. Außerdem behält das Eingekochte mit 1:1 seine schöne Farbe und ist länger haltbar.
- Twist-off-Gläser nutzen: Es muss nicht immer ein professionelles Einmachglas sein. Gläser sammeln, vor dem Benutzen heiß mit Spülmittel auswaschen, ausspülen und kochend heiß befüllen. Sterilisieren ist für den Privatgebrauch nicht notwendig. Es kann höchstens sein, dass der Deckel nicht mehr ganz in Ordnung ist. Wenn er kein Vakuum zieht: austauschen!
- Aktion „Gelbes Band“: Obstbäume oder Sträucher mit gelbem Band dürfen kostenlos beerntet werden. Augen offen halten beim Spaziergang! Oft gibt es auch Streuobstwiesen, die der Gemeinde gehören.
Ein Nachmittag voller Gläser, Düfte und Geschichten
Doch bevor es losgeht, fachsimpeln die drei Expertinnen für Eingekochtes über ihre Favoriten. „Bei uns gibt es nach Möglichkeit jedes Jahr Brombeeren als Saft“ , erzählt Almut Detert. „Der dient dann als Grundlage für Likör oder Aufstrich.“ Ihre Lieblingsmarmelade: eine Mischung aus Brombeer, Apfel und Holunder.
Maria Große-Schawe schwört dagegen auf eine Beerensymphonie: Himbeer, Erdbeer und Johannisbeere. „Die Lieblingsmarmelade meiner Enkelkinder. Eine andere nehmen die überhaupt nicht.“ Die Ernte dieses Jahres gibt Anlass zur Freude: Zwetschgen in Hülle und Fülle, Äpfel und Birnen in guter Qualität, jede Menge Brombeeren. „Wir hatten wirklich Glück“, sind sich die drei einig – das ist nicht selbstverständlich.“
Besonders beliebt bei ihrer Familie ist Almut Deterts bunter Obstnachtisch aus dem Glas. „Ich mache einen Sud aus Rotwein und Zucker, blanchiere darin die Pflaumen – das bringt eine tolle Farbe. Danach kommen Birnen und Äpfel dazu – und ab ins Weckglas.“ Bis zu 25 Gläser entstehen so, ein Vorrat, der den ganzen Winter Freude bringt.

Der Rest der Pflaumen wandert alleine ins Glas: „15 Zwei-Liter-Gläser Pflaumen, das ist schon normal bei uns“, berichtet Almut Detert.
Maria Große-Schawe dagegen schätzt gefrorene Früchte: „Ich habe drei Truhen im Keller. Für einen schnellen Hefekuchen hole ich Pflaumen aus der Truhe – bis der Teig fertig ist, sind sie aufgetaut.“ Ob eingefroren oder eingekocht: Hauptsache, die Früchte des Sommers bleiben erhalten und jetzt geht`s für die drei Landfrauen ans Eingemachte.
Marmelade, Likör und Apfelstrudel im Glas
Weitere Infos
- Nachmachen lohnt sich! Hier gibt es die Rezepte der drei LandFrauen zum Herunterladen.
- Begleitend zur Reportage gibt es auf dem Instagram-Kanal des Bistums ein Video, in dem die Osnabrücker Landfrauen gemeinsam ihre Lieblingsrezepte zubereiten.
Maria Große-Schawe startet mit ihrem Pflaumenlikör. Fachmännisch entsteinen die drei Frauen die Früchte, anschließend erwärmen sie Rotwein, Kandiszucker und Zimtstangen und gießen die Mischung über die Pflaumen. Morgen wird Maria Große-Schawe die Früchte abgießen und zu Kompott weiterverarbeiten. Der Sud wird dann mit Rum zu Pflaumenlikör weiterverarbeitet. Damit sie darauf nicht warten müssen, hat sie schon eine fertige Flasche mitgebracht. Eine Kostprobe davon wird es aber erst nach getaner Arbeit geben. „Schön mild und macht auch keine Kopfschmerzen. Einer sowieso nicht“, erklärt die Expertin.
Jetzt wird Platz gemacht in Ilka Bringewatts Küche für Almut Deterts Apfelstrudel-Aufstrich. Während sie erklärt, packen alle mit an, fachsimpeln, haben Spaß. Hier sind echte Profis am Werk. Kleingeschnittene Äpfel, geröstete Mandeln, Gelierzucker 1:1, Zitronen- und Apfelsaft, eingelegte Rosinen und etwas Zimt werden aufgekocht und durch Ilka Bringewatts neuem Edelstahl-Trichter („Den habe ich mir gegönnt, ist wirklich super und die Ränder bleiben sauber!“) in Gläser abgefüllt – es duftet wie frisch gebackener Apfelstrudel.

Tradition trifft auf Moderne: Fermentieren
Zum Abschluss übernimmt Ilka Bringewatt das Wort. Ihr Herzensthema: Fermentation. Während Marmeladen und Liköre den süßen Teil der Vorratskammer füllen, sorgt sie mit Kräutersirup, Gemüsefermenten oder Knoblauch-Honig für Abwechslung.
„Man darf nicht zu steril arbeiten, sonst zerstört man die Mikroorganismen, die wir eigentlich haben wollen“, erklärt sie. „Das Sauerkraut, das man im Supermarkt kauft, ist erhitzt. Da sind die guten Bakterien schon wieder tot.“

Besonders spannend: ihr Knoblauch-Honig. Die LandFrauen öffnen ein Glas vom letzten Jahr. Ein kräftiger Duft erfüllt die Diele. „Mein lieber Scholli!“, entfährt es Almut Detert. Ilka Bringewatt lacht: „Probiert mal!“ Das Urteil fällt unterschiedlich aus – von „nicht schlecht, lecker“ bis „gewöhnungsbedürftig“. Doch alle wissen: Die Mischung ist gesund für Darm und Immunsystem, vor allem in der Erkältungszeit.
Mehr als Vorrat – ein Lebensgefühl

Für die drei LandFrauen ist das Einmachen mehr als Vorratshaltung. „Wir sind aus einer Generation, die Lebensmittel nicht wegschmeißen kann“, betont Maria Große-Schawe. Almut Detert ergänzt: „Wenn ich die Gläser in den Keller getragen habe, sage ich: Boah, ist das schön! Irgendwas findet man immer.“
Einkochen, Fermentieren, Haltbarmachen – für die LandFrauen ist das Tradition, Nachhaltigkeit und Freude zugleich. Wie Ilka Bringewatt sagt: „Sonst würden wir es ja nicht tun.“ Und die Freude dabei steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Ein schöner und vor allem produktiver Tag geht zu Ende – mit einem „Prost“ und selbstgemachtem Pflaumenlikör.