Versöhnung mit Gott und sich selbst

gefaltete Hände
Bild: medienREHvier.de, Anja Brunsmann

„Beichten – das ist wie TÜV für die Seele“, sagt Domkapitular Alfons Strodt. Auch wenn es dabei natürlich nicht um eine technische Überprüfung gehe, sondern um eine im Hinblick auf Menschliches, auf Beziehungen und Liebe. Strodt ist seit 40 Jahren Priester. Genauso lange nimmt er auch schon Menschen die Beichte ab und spricht sie von ihren Sünden los. „Es ist nicht schlimm, ein Sünder zu sein“, stellt er klar. Es komme darauf an, ob man bereit sei, sich seine Schuld einzugestehen, sich Gott zu öffnen und ihm die eigenen Makel hinzuhalten, bevor man neu anfängt.

„Dafür braucht man zuerst einmal Mut“, weiß Christine. Sie studiert Kultur und Theologie in Osnabrück. Vor drei Jahren ist sie zum katholischen Glauben gekommen und beichtet seitdem regelmäßig ein paar Mal pro Jahr, „immer beim gleichen Priester – einem, dem ich zu 100 Prozent vertraue und zu dem ich einen guten Draht habe“.  Am Anfang stehe dabei jedes Mal das Gefühl: „Irgendwas läuft nicht so, wie es soll.“ Sich das einzugestehen sei schon ein Schritt in die richtige Richtung, ist sich Christine sicher. Dazu brauche es aber Mut zur Selbstreflexion. „Ich habe einen Fehler gemacht“ – das auszusprechen vor sich selbst und anderen, das koste Überwindung. „Aber es lohnt sich“, sagt Christine. „Es ist ein Gefühl der Stärkung und Erleichterung, wenn man eine Schuld wirklich vor Gott bringt. Mir ist es schon oft so gegangen, dass sich dadurch das Problem konkretisiert. Das hat mir geholfen, es besser zu machen.“

Auf der Suche nach Hilfe und Vergebung

gefaltete Hände
Vor der Vergebung stehen Selbstreflexion und Reue Bild: unsplash.com, Ümit Bulut

Wer in der Kirche beichtet, der kann sich in einem geschützten Raum einem Priester öffnen, kann herauslassen, was quält; Scham und Reue über eine Tat preisgeben, aber im diskreten und persönlichen Gespräch. Die Anzahl der Beichtenden mag in den vergangenen Jahren zurückgegangen sein – die Intensität von Schuld und Reue ist es nicht. „Früher gab es vor allem vor Ostern und Weihnachten lange Schlangen vor den Beichtstühlen – weil man das eben so machte, dass man da zur Beichte ging. Wer heute in den Beichtstuhl kommt, der tut das aus einer echten inneren Not heraus, auf der Suche nach Hilfe und Vergebung“, berichtet Domkapitular Strodt aus der Praxis. Die großen Themen seien dabei seit Jahrzehnten gleich geblieben: Lüge, Neid, Verantwortung gegenüber den Kindern bzw. Eltern, Beziehungen zum Nächsten und zu Gott. Hinzu gekommen seien in jüngerer Zeit Themen wie Achtsamkeit – was z.B. ökologisches Bewusstsein und die Bewahrung der Schöpfung angeht – und Fragen, die sich auf aktuelle gesellschaftliche Ereignisse beziehen: Steuerhinterziehung, Arbeitsbelastung und Mobbing beispielsweise. Auch Internet und neue Kommunikationsmittel stellten eine große Versuchung dar, beispielsweise in den Bereichen Pornografie, Gewalt und Spielsucht.

Kinder geben sich die Hand
„Entschuldigung angenommen“ – wer Gott um Vergebung bittet, dem wird verziehen. Bild: Bild: photocase.de, Juttaschnecke

„Friede sei mit dir!“

„Manche fallen sofort mit der Tür ins Haus, so groß sind ihre Sorgen“, erzählt Strodt. „Andere arbeiten sich nach einem bestimmten Muster ab, mit Hilfe eines Beichtspiegels oder der Zehn Gebote.“ Im Grunde sei die äußere Form bei der Beichte aber nicht so wichtig: „Bei der Erforschung des Gewissens geht es nicht nur um  Taten oder Unterlassungen, sondern um die Haltung, die ihnen zugrunde liegen. All das hat Platz im Bekenntnis. Es geht dabei nicht um die pingelige Auflistung aller kleinen Sachen, sondern darum, dass man die wirklich wichtigen Dinge benennt.  Ein Bekenntnis, bei dem man die entscheidenden Dinge ausspart, ist sinnlos und wird keinen Frieden wirken.“ Und Frieden – darum soll es doch gehen, beim Sakrament der Beichte, das auch „Sakrament der Buße“ und „Sakrament der  Versöhnung“ genannt wird. All diese Namen bezeichnen verschiedene Aspekte des einen Sakraments: die Beichte, also das Bekenntnis von Schuld. Die Buße, also den Versuch, Schuld wieder gut zu machen. Und die Versöhnung: die Zusage Gottes, dass dem Sünder vergeben wird.
Letzteres macht die Beichte für Domkapitular Alfons Strodt zu einer zentralen Erfahrung des Glaubens: „Im Sakrament der Beichte erfahren wir ausdrücklich Begnadigung: Du bist angenommen mit deinen Grenzen und Schwächen. Die Schuld ist dir vergeben. Du musst nicht mehr daran hängen, sie muss nicht mehr an dir kleben. Gott sagt: Du darfst aufatmen und wieder lachen, es gibt einen neuen Anfang, eine neue Chance, es besser zu machen. Friede sei mit dir!“

So geht Beichte

  • Vor der Beichte geht es darum, das eigene Gewissen zu prüfen: Wie habe ich mich verhalten? Wie entwickle ich mich? Lasse ich in meinem Leben Platz für Gott und den Nächsten oder kreise ich nur um mich? Weitere Anregungen zur Gewissenserforschung gibt es zum Beispiel im Gotteslob, das in jeder Kirche ausliegt.
  • In vielen Kirchen gibt es feste Beichtzeiten, die Sie bei der jeweiligen Kirchengemeinde erfragen können. Außerdem gibt es Bußgottesdienste, bei denen alle Teilnehmenden gemeinsam bekennen, dass sie gesündigt haben. Die Beichte im Beichtstuhl ist grundsätzlich anonym, auf Anfrage sind viele Priester aber auch zu einem persönlichen Beichtgespräch bereit.
  • Die Beichte beginnt mit dem Kreuzzeichen des Beichtenden und dem Segen des Priesters. Danach stellt sich der Beichtende kurz vor („Ich bin … Jahre alt, verheiratet/allein lebend … und habe vor … zum letzten Mal gebeichtet“) und erzählt dann, was ihn belastet. Wichtig: alles, was in einem Beichtgespräch gesagt wird, unterliegt der Schweigepflicht des Priesters. Er hört zu, stellt ggf. Nachfragen oder gibt Hinweise und Ratschläge.
  • Am Ende der Beichte drückt der Beichtende seine Reue aus und bittet Gott um Vergebung.  Der Priester erlegt ihm eine Buße auf, die z.B. im Gebet oder einer guten Tat bestehen kann. Dann spricht der Priester den Beichtenden von seiner Schuld frei, so dass er in Frieden mit Gott gehen kann, denn seine Sünden sind ihm vergeben.

Auch Maria kennt diese Zusage. Sie ist 25 Jahre alt und studiert Ökotrophologie. Seit der Erstkommunion geht sie regelmäßig zur Beichte, meist außerhalb des normalen Gemeindelebens, wenn sich die Gelegenheit bei besonderen Angeboten ergibt. Zuletzt hat sie am „Schlüsseldienst“ der Katholischen Hochschulgemeinde im Osnabrücker Dom teilgenommen – einer gemeinsamen Bußfeier mit anschließender Beichtmöglichkeit. „Natürlich habe ich auch Freunde, mit denen ich über viele Dinge reden kann, aber es ist einfach noch mal etwas anderes, mit jemandem über Sachen zu sprechen, die einen belasten, der einen ganz anderen Blickwinkel hat und der am Ende auch sagen kann: Deckel drauf, jetzt ist es gut, du kannst es nicht mehr ändern, aber es nächstes Mal besser machen.“ Dabei gehe es von ihrem Gefühl her weniger um Buße oder Strafe, sondern eher um ganz praktische Lebenshilfe.

Domkapitular Alfons Strodt formuliert es so: „Mit der Versöhnung durch die Beichte steht auch eine Bewährung aus: Die Vergebung ist Verpflichtung, das Unrecht, so gut es geht, wieder gut zu machen. Schaden zu beheben. Neue Beziehungen aufzubauen. Aus der Schuld ein Doppeltes lernen: mehr Liebe zu Gott und zu den Menschen.“

Beichten für Anfänger

Die Video-Serie „Katholisch für Anfänger“ der Internetseite katholisch.de erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um die Beichte und ihre Bedeutung im christlichen Glauben.