12

Bild: Bistum Osnabrück

In vielen Familien ist das Aufstellen der Krippe heutzutage ein besonderes Ritual. Aber seit wann hat die Krippe eigentlich Einzug in die Wohnstuben gehalten und warum haben es ausgerechnet Ochs und Esel in die Krippe geschafft?

Den Ursprung der heutigen Weihnachtskrippe vermutet die Volkskunde im zwölften und dreizehnten Jahrhundert. Als die zurückgekehrten Kreuzritter vom Heiligen Land erzählten, von den Orten, an denen Jesus gelebt hatte, da wuchs in Europa der Drang, das weihnachtliche Geschehen in Betlehem auch bildlich darzustellen. Kein Geringerer als der heilige Franz von Assisi wird als der Urvater der Krippe bezeichnet. Er soll 1223 in Greccio (Umbrien) zum ersten Mal eine Krippe mit lebenden Personen arrangiert haben. Damals übrigens der Legende nach noch ohne Josef. Erst später zog der Zimmermann in den Stall ein.

Der Weg in die Wohnstuben

Der – historisch nachvollziehbare – Siegeszug der Weihnachtskrippe beginnt dann in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In der Gegenreformation versuchen die Jesuiten den Menschen wichtige Glaubensinhalte zu vermitteln, sie zu belehren und die katholische Volksfrömmigkeit wiederzubeleben. Mit den gestalteten Weihnachtskrippen wollen sie ihnen die Geburt Jesu vor Augen stellen. Zunächst in Kirchen aufgestellt, bahnen sich die Krippen ihren Weg über die Adelshäuser, um über die Bürgerhäuser (ab dem 17. Jahrhundert) schließlich auch in den Wohnstuben der Landbevölkerung und der Arbeiter ihren Platz zu finden. Als sich das Weihnachtsfest ab dem 18. Jahrhundert zu dem Familienfest entwickelt, das es bis heute geblieben ist, wird die Krippe fester Bestandteil des weihnachtlichen Inventars, genauso wie Adventskranz oder Weihnachtsbaum.

Das Fundament für die Szenerie der Weihnachtskrippe findet sich dabei natürlich in der Bibel. Auch wenn die Weihnachtsgeschichte dort keinen großen Raum einnimmt. Lediglich im Lukasevangelium und noch knapper bei Matthäus wird davon berichtet. „Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“, heißt es bei Lukas.

Weitere Infos

  • Hier erfahren Sie mehr zum Thema Weihnachten in unserem Lexikon des Glaubens.
  • Hier geht es zur aktuellen Krippenausstellung im Diözesanmuseum.

Ochs und Esel in der Krippe

Für mehr Leben in dieser Inszenierung zog im Laufe der Zeit weiteres Personal in den Stall ein. Zum Beispiel Esel und Ochse. Das lag sicherlich auch an dem um 600 entstandenen sogenannten Pseudo-Matthäus-Evangelium. Eine Schrift, die die Geburtsgeschichten des Matthäus- und Lukasevangeliums ausschmückte. Dort heißt es: „Am dritten Tag nach der Geburt des Herrn verließ Maria die Höhle und ging in einen Stall. Sie legte den Knaben in eine Krippe, und ein Ochse und ein Esel beteten ihn an. Da ging in Erfüllung, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist: ‚Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn.‘“

Doch nicht jeder wollte Ochse und Esel in der Krippe sehen. Beim Trienter Konzil (1545–1563) gab es den Versuch, die Tiere doch um der „Wahrheit der Heiligen Schrift“ willen wieder aus der Krippe zu verbannen. Letztlich ohne Erfolg. Überhaupt: Seit jeher hat die Theologie wenig Einfluss auf die Gestaltung der Krippen gehabt. Der Krippenbau unterliegt seit Jahrhundert der Volkskunst. Das macht die Welt der Krippen auch so bunt und faszinierend.

Zurück zum Adventskalender …

… geht es, wenn Sie hier klicken!