Erster Dekanatsprozess im Bistum Osnabrück geht in die Umsetzung

In Twistringen unterzeichneten Vertreter von Gemeinden und Bistum die Abschlussvereinbarung

Vertreterinnen und Vertreter aus dem Dekanat Twistringen und dem Bistum Osnabrück haben am Sonntag, 28. Juni, in Twistringen die Abschlussvereinbarung des Dekanatsprozesses unterzeichnet. Damit geht der erste von zehn Dekanatsprozessen im Bistum Osnabrück jetzt in die Umsetzung der Beschlüsse.

Die Dekanatsprozesse entwickeln Wege, wie Kirche vor Ort angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und schwindender Ressourcen fit für die Zukunft gemacht werden kann. Das Bistum gibt dazu Rahmendaten zu Stellenbesetzung und Finanzen vor. Die Planung geht beispielsweise im Dekanat Twistringen davon aus, dass sich alle pastoralen Mitarbeitenden im Jahr 2030 noch elf Vollzeitstellen teilen, statt etwas mehr als 16 heute.

Im Dekanat Twistringen begann der Prozess im November 2023. Insgesamt nahmen mehr als 60 Personen daran teil. Die Haupt- und Ehrenamtlichen haben als Ergebnis erarbeitet, dass die Seelsorge künftig nicht mehr nur von den Pfarrgemeinden, sondern von einer größeren Ebene aus gedacht wird. In einer ersten Phase bilden sich dazu drei Regionen, in denen gemeindeübergreifende Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Bereiche wie die Trauerpastoral oder die Firmvorbereitung zuständig sind. Beschlossen wurde zudem, wieviel Personal in welcher Region eingesetzt wird und wo sich die künftigen Bürostandorte befinden. Auch werden die Gottesdienstzeiten in den drei Regionen abgestimmt. In einer zweiten Phase sollen diese Beschlüsse für das gesamte Dekanat übernommen werden.

Weiterentwickeln will das Dekanat zwei Bereiche: Zum einen die Digitalisierung. Dabei wird nicht nur die digitale Präsenz des Dekanats gesteigert, sondern Ideen gefunden, wie mit der Digitalisierung eine größere Lebenszufriedenheit einhergehen kann. Ein zweiter innovativer Schwerpunkt liegt auf dem Thema „Ganzheitliche Gesundheit“. Dabei werden verstärkt Angebote für Menschen auf der Sinn- und Identitätssuche gemacht oder die Brüche und Meilensteine im Leben erfahren, wie Familiengründung oder den Renteneintritt.

„Die Vereinbarung ist kein Schlusspunkt. Es geht im Grunde erst los“, so Dechant Joachim Kieslich aus Twistringen. Die Zusammenarbeit in den drei Regionen sei notwendig: „Allein in den Gemeinden werden wir es auf Dauer nicht schaffen, das hat der Prozess gezeigt.“ Dekanatsreferentin Jutta Sievers lobte die gute Zusammenarbeit – auch wenn heikle Fragen besprochen wurden: „Es sind Freundschaften über Gemeindegrenzen hinweg entstanden.“ Anke Lührsen aus der Steuerungsgruppe ergänzte: „Gerade auf der großen Fläche des Dekanats ist es wichtig, dass wir uns vernetzen. Wir brauchen als Kirche vor Ort ein Gesicht und die Zusammenarbeit im Dekanat.“

Nach der Unterzeichnung der Abschlussvereinbarung (von links) Peter Grundwaldt, stellvertretender Dechant, Joachim Kieslich, Dechant, Stephan Unland, Bischöfliches Personalreferat, Karin Vornhülz, Abteilung Kirchengemeinden, Simon Fübekker, Referat Gemeindeentwicklung und Organisationsberatung, Anke Lührsen, Steuerungsgruppe, Jutta Sievers, Dekanatsreferentin.
Nach der Unterzeichnung der Abschlussvereinbarung (von links) Peter Grundwaldt, stellvertretender Dechant, Joachim Kieslich, Dechant, Stephan Unland, Bischöfliches Personalreferat, Karin Vornhülz, Abteilung Kirchengemeinden, Simon Fübbeker, Referat Gemeindeentwicklung Organisationsberatung, Anke Lührsen, Steuerungsgruppe, Jutta Sievers, Dekanatsreferentin.

Stephan Unland vom Bischöflichen Personalreferat in Osnabrück wies auf den richtungsweisenden Charakter der Vereinbarung hin: „Sie haben als erste im Bistum mit einem solchen Prozess begonnen und vieles von dem, was sie hier gemacht haben, ist auch in den folgenden Dekanatsprozessen aufgenommen worden. Das ist Pionierarbeit.“ Der Prozess habe für Haupt- und Ehrenamtliche viel Arbeit bedeutet. „Aber sie hatten ein Ziel, für das sich die Mühe lohnte: dass Kirche und Glaube vor Ort weiter erfahrbar bleiben.“ Den Blick in die Zukunft richtete Karin Vornhülz von der Abteilung Kirchengemeinden im Generalvikariat. Sie sicherte Unterstützung bei der Umsetzung der Beschlüsse zu. „Denn jetzt warten noch viele praktische Fragen.“

Im Dekanat Twistringen leben insgesamt 22.250 Katholikinnen und Katholiken. Es umfasst große Teile des Landkreises Diepholz und einen Teil des Kreises Nienburg (Weser).

Die Dekanatsprozesse im Bistum Osnabrück sind unterschiedlich weit fortgeschritten. Die Dekanate Bremen und Grafschaft Bentheim sind derzeit in der Arbeitsphase, ebenso das Dekanat Osnabrück-Nord. In Ostfriesland sind die ersten Vorbereitungen abgeschlossen. Die Dekanate Osnabrück-Süd, Osnabrück-Stadt und Emsland-Süd haben vor Kurzem mit dem Prozess begonnen. Emsland-Mitte und Emsland-Nord werden in den kommenden Monaten starten. Die Dekanatsprozesse sind Teil der Transformation im Bistum Osnabrück unter dem Leitwort „verändert bleiben“.

Und nun, wenn man das Licht nicht sieht, ist es verdunkelt durch die Wolken, ein Wind bläst und fegt sie weg. 

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