Auszeiten im Alltag – von Frauen für Frauen
Etwas anders machen, für sich und andere, das wollten Andrea Pruisken, Nicole Wübbels und Silke Köllen schon länger. Bei einem Innovationstraining des Bistums Osnabrück hatten sie dann die zündende Idee: Sie entwickelten eine Projektreihe, die kleine Auszeiten im Alltag schafft – und zwar speziell für Frauen.
Zu erkennen sind die einzelnen Veranstaltungen der Reihe am Bild mit dem großen lachenden Smiley – er symbolisiert das, was die drei Initiatorinnen erreichen wollen: anderen Frauen ein Lächeln ins Gesicht zaubern! „Schließlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Lachen Stress abbaut und für Entspannung sorgt“, sagt Andrea Pruisken. Der Name „smile“ steht auch für „… mitten im Leben, einfach …“, Zielgruppe sind Frauen ab Mitte 40, die viel Care-Arbeit leisten.

Laut Statistischem Bundesamt ist der sogenannte Gender Care Gap hoch: Pro Tag wenden Frauen durchschnittlich rund 43 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit auf, als Männer. Neben der Fürsorgearbeit für die Familie stehen oftmals noch Beruf und ehrenamtliches gesellschaftliches Engagement. „Dadurch sind Frauen hoch gefährdet, sich selbst hintenan zu stellen – wir wollen deswegen die Selbstfürsorge mehr in den Blick nehmen“, erklärt Pruisken. Darüber hinaus geht es bei den Veranstaltungen auch um Vernetzung und ein kreatives, geselliges Beisammensein.
Raus aus dem Kirchenraum, rein in den Alltag

Die erste Aktion fand im Dezember 2023 statt: 20 Frauen erlebten einen entspannten Abend bei einer Klangmeditation auf der Yogamatte. Im Mai 2024 hieß es dann „Smile – einfach schön“: Die Teilnehmerinnen konnten bei diesem Workshop Schminktipps ausprobieren und sich anschließend von einer Hobbyfotografin shooten lassen. Ein Vortrag zum Thema „Mental Load – die ewige To-Do-Liste im Kopf“ rundete das Jahr 2024 ab. Das bisherige Highlight der Veranstaltungsreihe war dann im März 2025 die erste „Ladies Night“ in Freren: „Innerhalb kurzer Zeit waren die Eintrittskarten für diese Tanzveranstaltung ausverkauft und wir durften gut 200 Frauen mit einem Glas Sekt in der Disko Cult begrüßen und gemeinsam eine tolle Party feiern“, erzählt Silke Köllen. Eine Neuauflage dieser „Frauenfeier für Feierfrauen“ ist deshalb bereits geplant: Am 6. März 2026 ab 20 Uhr – Tickets gibt es bereits jetzt zu kaufen.
Party im Club – was hat das denn mit Kirche zu tun? Diese Frage haben die drei Frauen schon häufiger gehört. Als Team mit dem Namen „angeh.dacht“ gehören sie zur Kirchengemeinde St. Vitus Freren und engagieren sich dort bei verschiedenen Gelegenheiten. Lange Jahre haben sie Familiengottesdienste vorbereitet, doch mit der Zeit kamen immer weniger Menschen zum Gottesdienst. Zufällig stießen sie dann auf das Innovationstraining „anders machen“ des Bistums Osnabrück. „Das hat uns sehr deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich immer wieder Gedanken zu machen über die Zielgruppe, die man erreichen will“, sagt Nicole Wübbels und ergänzt: „Wir wollten raus aus dem Kirchenraum, rein in den Alltag. Ganz bewusst an Orte zu gehen, an denen man Kirche nicht vermutet und wo sich dann plötzlich Gespräche entwickeln über Gott und die Welt.“
Weitere Infos
- Im Februar 2026 startet im Bistum wieder ein Innovationstraining mit dem Titel „anders machen“ – für Suchende, Frustrierte und Begeisterte. Weitere Infos dazu gibt es hier.
- Mehr zum Thema Innovation im Bistum Osnabrück erfahren Sie auch hier.
Sie erzählt, dass für Teilnehmende nicht direkt zu erkennen sei, dass die Veranstaltungen von einer Gruppe in der katholischen Kirchengemeinde organisiert sind. Die drei möchten keinen Unterschied machen zwischen Frauen mit und ohne Konfession – es sei einfach jede Frau herzlich willkommen!
Auszeiten ohne Aufwand

„Das Wichtigste an unseren Aktionen ist die Begegnung und die Gemeinschaft, ganz egal, ob 20 oder 200 Frauen dabei sind. Wir möchten, dass Frauen eine gute Zeit haben, gut ins Gespräch kommen und sich Auszeiten nehmen können ohne viel Aufwand,“ fasst Andrea Pruisken zusammen. Beworben werden die Veranstaltungen überwiegend auf Social Media oder über den WhatsApp-Status, die Teilnahme ist niedrigschwellig und mit geringem Aufwand möglich, die Anmeldung unkompliziert, die Angebote sind vor Ort und es braucht keine Zugehörigkeit zu einem Verband, Verein oder einer anderen Gruppe. Außerdem haben sich die drei Frauen Kooperationspartner gesucht, beispielsweise die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Freren, um noch mehr Frauen zu erreichen.

Hintergrund
Mit Blick auf die Zukunft fördert das Bistum Osnabrück unter anderem Projekte, die Kirche vor Ort weiterentwickeln. Weitere Infos zum Transformationsprozess im Bistum gibt es hier.
Und 2026 geht es spannend weiter: „Wir planen eine Infoveranstaltung zum Thema Wechseljahre und wir möchten einen mobilen Begegnungsraum schaffen für Frauen in Freren und Umgebung“, berichtet Silke Köllen. Da letzteres Projekt noch in der Anfangsphase steckt, wollen die drei nicht viel dazu verraten, aber eins ist klar: „Gute Ideen haben wir schon, neugierig bleiben lohnt sich!“