Die Lübecker Märtyrer

Bibelfenster zum 14. November 2013:

Es trug sich aber zu, dass auch sieben Brüder und ihre Mutter, die aufgegriffen worden waren, vom König gezwungen werden sollten, von dem verbotenen Schweinefleisch zu essen, unter Misshandlungen mit Peitschen und Riemen. Einer von ihnen, zum Wortführer geworden, entgegnete: „Was willst du erfahren und erforschen an uns? Wir sind bereit zu sterben, statt die Gesetze unserer Vorfahren zu übertreten.“ Als so der Erste gestorben war, führten sie den Zweiten heran, um ihn zu verspotten. Als er seinen letzten Atemzug tat, sprach er: „Du Gottloser, für den Augenblick löschst du unser Leben aus, aber die wahre Macht über die ganze Welt wird uns, die wir um ihrer Gesetze willen gestorben sind, auferstehen lassen zu einem neuen, ewigen Leben.“ Nach diesem wurde auch der Dritte verspottet, aber er streckte, als seine Zunge verlangt wurde, diese sofort heraus und bot auch seine Hände mutig dar. Und tapfer sprach er: „Vom Himmel besitze ich dies; wegen seiner Gesetze achte ich dies gering, und von ihm, hoffe ich, werde ich dies wieder erhalten.“ Und so erschraken selbst der König und seine Leute über den Lebensmut dieses jungen Menschen, der die Schmerzen nicht beachtete. Nachdem dieser gestorben war, folterten und misshandelten sie den Vierten auf die gleiche Weise. Als er dem Sterben nahe war, sprach er: „Es ist gut so, dass diejenigen, die aus der Menschenwelt abscheiden, die Verheißungen Gottes erwarten, dass Gott sie auferstehen lässt. Für dich wird es keine Auferstehung zum Leben geben.“

Bibel in gerechter Sprache, 2 Makkabäer 7,1-2.7a.9-14

Am 10. November 2013 jährt sich der Todestag der seligen Lübecker Märtyrer Hermann Lange, Eduard Müller, Johannes Prassek und des evangelischen Pastors Karl Friedrich Stellbrink zum 70-sten Mal. 1943 wurden die drei katholischen Kapläne und der evangelische Pastor im Hamburger Gefängnis am Holstenglacis mit dem Fallbeil hingerichtet. Sie starben, weil sie den Widerspruch zwischen dem christlichen Glauben und der rassistischen, atheistischen Ideologie des Nationalsozialismus nicht hinnehmen konnten.

Die erste Lesung von diesem Sonntag erzählt von Märtyrern aus längst vergangenen Zeiten, in denen das jüdische Volk unter politischer und religiöser Fremdherrschaft litt. Sieben Brüder sterben unter Folter, weil sie ihren Glauben und ihre Überzeugung nicht aufgeben können. Sie sterben grausam und dennoch zuversichtlich. Unwirklich erscheint die Erzählung, idealisiert, unvorstellbar, dass sie sich in ihrem Widerstand nicht brechen lassen, dass sie hoffnungsstark in den Tod gehen. Dass die Brüder ihr Leben loslassen können, erwächst aus ihrer Hoffnung auf Auferstehung. Ihr Gott, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, wird sie zu neuem Leben auferstehen lassen. Denn dieser Gott „ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig“ (Lukas 20,38).

Das Bibelfenster

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Diese Überzeugung, tiefes Vertrauen in Gott und seine Möglichkeiten über das Leben im Hier und Jetzt hinaus lassen auch die Lübecker Märtyrer im Widerstand stark sein: „Wer sterben kann, wer will den zwingen?“, schreibt Johannes Prassek im Gefängnis in sein Neues Testament. Die schriftlichen Zeugnisse der vier Männer aus ihrer Zeit im Gefängnis bezeugen, dass die Haltung der Brüder aus der Lesung keinesfalls unwirklich und idealisiert ist. Ihre Verbundenheit mit Gott lässt die vier Geistlichen sogar mit ruhiger Zuversicht in den eigenen Tod gehen: „Nun wollen wir den schweren Gang – der menschlichen Natur nach – gehen, und dann ist es aus mit Leid und Schmach, mit Kämpfen und Ringen. […] Im Himmel sehen wir uns wieder.“ (Eduard Müller im Abschiedsbrief an seine Schwester Lisbeth vom 10.11.1943)

Welch ein beeindruckendes Lebens- und vor allemem Glaubenszeugnis! Menschen, von denen wir lernen können!

Inga Schmitt, Pastoralreferentin