Globale Nachbarn

Caritas-Jahreskampagne 2014

Der Müll, den wir hier wegwerfen, taucht anderswo wieder auf. Wenn wir mehr Wasser verbrauchen, haben andere dadurch weniger. Und nur weil anderswo auf der Welt Menschen für viel zu geringe Löhne viel zu lange schuften, können wir hier Massen günstiger Kleidung kaufen. Diese und andere weltweite Zusammenhänge thematisiert die Caritas in ihrer aktuellen Jahreskampagne. „Die Welt ist ein globales Dorf geworden und mit unserem Verhalten beeinflussen wir die Lebensbedingungen in anderen Ländern. Deshalb müssen wir die Augen öffnen für die Nöte unserer Mitmenschen“, mit diesen Worten eröffnete Franz Loth, Caritasdirektor im Bistum Osnabrück die Kampagne „Globale Nachbarn“. Globale Verantwortung und weltweite Solidarität stehen im Fokus. Unter dem Slogan „Weit weg ist näher, als du denkst“ will das Hilfswerk auf die Folgen des Verhaltens reicher Länder für die armen Regionen dieser Welt aufmerksam machen. Zugleich soll die Kampagne zeigen, wie jeder Einzelne mithelfen kann, fatale Kreisläufe zu durchbrechen. Im Zentrum der Kampagne stehen die Themen Klimawandel, Konflikte um Rohstoffe, Flucht und Vertreibung sowie Migration und Integration.

Ein Motiv der Caritas Jahreskampagne 2014, Bild: Caritas
Ein Motiv der Caritas Jahreskampagne 2014 (Bild: Caritas)

Mit einer Serie zweigeteilter Plakate verdeutlicht die Caritas verschiedene Alltagssituationen, die in ihrer Normalität weltumspannende Folgen haben können: Überfluss und Verschwendung prägen den westlichen Lebensstil. Doch Ressourcen sind endlich und unser Konsumverhalten hat Auswirkungen auf das Leben anderer Menschen und auf die Natur. Schon heute sorgt der Klimawandel für mehr wetterbedingte Krisen, in Zukunft wird er Kriege und Fluchtbewegungen auslösen. Vor allem die Menschen in den ärmeren Regionen der Welt stehen vor kaum zu bewältigende Herausforderungen. Und wie rechtfertigen wir eigentlich, dass wir die grenzenlose Mobilität von Kapital, Waren und Touristen als selbstverständlich erachten, Migranten und Flüchtlingen dagegen immer neue Grenzen und Hürden auferlegen?
Auch die „Globalen Nachbarn“ in unserem Land benötigen unsere Solidarität. Die Caritas setzt sich für einen fairen und solidarischen Umgang mit allen Migrantinnen und Migranten ein. „Wir müssen Anwaltschaft für Flüchtlinge übernehmen und aktiv für die Personen eintreten, die nach Europa kommen“, sagt der Caritsavorsitzende Gerrit Schulte. Dafür sei eine Willkommenskultur nötig. Gemeinsam müsse mit den Flüchtlingen nach Perspektiven gesucht werden. Die Caritas wolle allen Menschen unabhängig von Geschlecht, Religion und Herkunft in Würde begegnen und ihnen zu einem guten Leben verhelfen. Dazu dienen Beratung, Ausbildung und lebenspraktische Begleitung. Mit dem Projekt „ProFil – Für Chancengleichheit und Partizipation – Sprache als Schlüssel zur Bildung“ setzt sich die Caritas genau dafür ein. „Kinder kommen mit ihren Eltern in ein fremdes Land, mit fremder Sprache und haben oft eine schwierige Fluchtgeschichte hinter sich“, erklärt Carmen Guerra, Leiterin des Projekts ProFil, die Situation der Kinder. Die Mitarbeiter des Projekts unterstützten beim Zugang zu Bildungsangeboten. „Für schulpflichtige Kinder und Jugendliche baut das Projekt Förderangebote, wie etwa zusätzlichen Nachhilfe- und Sprachunterricht durch ehrenamtliche Lernpaten auf“. Ergänzt werde das Angebot durch individuelle Beratung, Unterstützung und Begleitung, so Guerra.
Auch im Hinblick auf den Klimawandel setzt die Caritas im Bistum Osnabrück ein klares Zeichen: „Wir müssen Verantwortung für die Schöpfung übernehmen“, sagt Franz Loth. Mit dem Projekt „Zukunft einkaufen“, das zusammen mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) durchgeführt wird, setzt sich der Verband für die Verbesserung des Einkaufs in Einrichtungen der stationären Altenhilfe sowie der Kinder-/Jugend- und Behindertenhilfe ein. „So können gleichzeitig der Ressourcenverbrauch in den Einrichtungen gesenkt und nachhaltige Standards eingeführt werden“, sagt Loth. Ein ganz praktisches Beispiel der Auszubildenden ist der „Eine Welt Kiosk“. Er steht für bewusstes Einkaufen, nachhaltigen Konsum und vor allem für Fairen Handel. Im Rahmen der Kampagne wird er das Jahr über in den Einrichtungen der Caritas unterwegs sein. Durch den Verkauf der Produkte wie Schokoriegel, Kekse, Kaffee und Tee bekommen nicht nur Kleinbauern in Lateinamerika einen gerechten Preis für ihre Produkte. Der Erlös der hier verkauften Produkte geht an die Russlandhilfe der Caritas „Eine Kuh für Marx“.
Die Kampagne will aber nicht nur die ganz großen Zusammenhänge zeigen – sie schafft auch Beziehungen zu konkreten Menschen, ihren Geschichten und ihren Projekten. Zu Eddy Yamwenziyo zum Beispiel. Er ist Nothilfekoordinator der Caritas Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, wenn es darum geht, Flüchtlingen im Land beizustehen. Oder Solter Yevhenia Romanivna aus der Ukraine, die zwölf Jahre als Pflegemigrantin in Italien gelebt und gearbeitet hat. Oder Dennis, der als Stromsparhelfer für die Caritas Berlin unterwegs ist. Sie alle erzählen ihre spannenden, aufrüttelnden Geschichten und laden ein zum Mitmachen. Denn „Globale Nachbarn“ ist eine Mitmach-Kampagne: Auf der zugehörigen Internetseite finden sich viele Vorschläge für Anknüpfungspunkte: Handys in der CaritasBox sammeln, Upcycling in Sozialkaufhäusern, Engagement für Flüchtlinge, Spenden und Petitionen sind nur einige davon.

Der Spot zur Kampagne

Der TV-Spot zur Caritaskampagne 2014 zeigt eindrucksvoll, wie sich unser Handeln auf das Leben von Menschen auswirkt, die (nur) scheinbar weit weg sind…

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