Die Botschaft des Efeus
„Die Gutes getan haben werden auferstehen zum Leben“ (Johannes 5,29) – so heißt es auf dem Stein, der auf der Grabstätte der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut in Bous im Saarland steht. Dort waren die Schwestern über Jahrzehnte hinweg im sozialen Bereich und der Pflege tätig – und wenn ihr Leben zu Ende ging, wurden sie auf dem Friedhof der kleinen Stadt beigesetzt.
Das liest sich jetzt so einfach, aber mit ein wenig Phantasie kann man erahnen, welche menschlichen Geschichten sich dahinter verbergen. Da haben sich vor sechzig oder achtzig Jahren junge Frauen entschieden, in eine Ordensgemeinschaft einzutreten – und ihr Leben in den Dienst Gottes und der Menschen zu stellen. Sie haben ihre Familien, oft ihre Heimat verlassen, um ein neues und anderes Leben zu beginnen, ein Leben ohne Ehepartner, ohne eigene Kinder, in Armut und Gehorsam. Zugegeben, bei mancher mag etwas Abenteuerlust mitgespielt haben – in der Hoffnung, vielleicht auf einer Missionsstation in Afrika eingesetzt zu werden und damit ein wenig aus dem bürgerlichen Leben ausbrechen zu können. Und dann sind sie möglicherweise doch ihr ganzes Leben in Deutschland geblieben und sind ihren alltäglichen Pflichten nachgekommen, haben Kranke gepflegt, Kindern die Nase geputzt, in der Küche Berge von Kartoffeln geschält.
Über die Autorin
Andrea Schwarz ist Schriftstellerin, war lange Jahre pastorale Mitarbeiterin im Bistum Osnabrück und lebt im Emsland. Sie ist eine genaue und sensible Beobachterin ihrer Umwelt und der Menschen, denen sie begegnet. In ihren Texten versucht sie, Gott mitten im Alltag zu entdecken und Lust aufs Leben zu machen – nun erstmals auch in Form von Blogbeiträgen!
Ich habe Hochachtung vor diesen Frauen – auch wenn sie einer Zeitung wohl keine Schlagzeile wert gewesen wären. Aber gerade deshalb haben sie sich ein „Denk-mal“ im wahrsten Sinn des Wortes verdient. Sie haben ihr Leben gegeben, ohne groß nach „work-life-balance“ zu fragen, nach Überstundenausgleich oder Tariferhöhung. Sie haben Hingabe und Liebe gelebt, haben oft genug unauffällig im Hintergrund gewirkt und sich dabei doch mit ganzer Kraft für die Menschen eingesetzt.
Ihnen gilt die Zusage aus dem Johannes-Evangelium: „Die Gutes getan haben werden auferstehen zum Leben“.
Und fast scheint es mir, als ob der Efeu, der an diesem Grabstein empor wächst, genau dafür Zeugnis ablegen will: Das Leben ist stärker als der Tod, das Gute kann den Hass und die Gleichgültigkeit nicht wegnehmen, aber wird sie überwinden, die Liebe kann und wird Dinge, Menschen, Situationen verwandeln … manchmal eher unauffällig, im Hintergrund, langsam, aber beharrlich … daran haben die Ordensschwestern geglaubt – und das ist die Botschaft des Efeus.
Ich danke Ihnen für diese sensible Erinnerungsgeschichte.
Sie ist für mich ein schönes Hoffnungszeichen, um in diesen lauten Zeiten von Performance und Selbstoptimierung daran zu erinnern, welche stilbildende Gestaltungskraft in den leisen, unaufdringlichen, verlässlichen und selbstverständlichen guten Taten liegt, denn: „Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es!“ (Erich Kästner).
Danke für Ihre einfühlsamen Worte! Und ich denke, nach wie vor wird viel Gutes im Stillen und Verborgenen getan, ohne das jemand groß darüber redet. Wer weiß, wie unsere Welt ohne diese Menschen aussehen würde!! Leider schaffen es nur die schlechten Nachrichten auf die 1. Seite…
Liebe Grüße, Andrea Schwarz