Mutmachgeschichten von der christlichen Ehe

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Ist die Ehe ein Erfolgsmodell oder eine überflüssig gewordene Institution? Und warum überhaupt kirchlich heiraten? Das fragen sich heute viele junge Paare. Rund 400.115 Ehen wurden 2015 in Deutschland geschlossen – etwa 44.000  Paare ließen sich katholisch trauen. Was bewegt diese Paare und welche Erfahrungen haben Paare gemacht, die schon seit vielen Jahren verheiratet sind? Das Bistum Osnabrück hat einen Aufruf gestartet und mit der Aktion Schmetterlinge im Bauch – Segen im Rücken verschiedene Ehegeschichten veröffentlicht.

„Uns haben dabei alle Themen rund um das ‚Herzstück‘ kirchlicher Familienpastoral – die sakramentale Ehe interessiert“, sagt Martina Kreidler-Kos, im Bistum Osnabrück zuständig für die Ehe- und Familienseelsorge. „Wie können Menschen ermutig werden, zu heiraten? Wie können sie erfahren, dass Familie zu leben eine Freude ist? Wie gelingt es, lebenslang zu lieben? Und natürlich auch: Wie finden Menschen, die traurig, verlassen, getrennt und an der Liebe verzweifelt sind in der Kirche Unterstützung?“, erläutert sie weiter. Kirche gerate oft in der Defensive, wenn es um Liebe und Sexualität gehe, „dabei gibt es so viele Schätze gerade im christlichen Eheverständnis zu heben: Treue und Unauflöslichkeit in Beziehungen sind eine große Sehnsucht in unserer Zeit“, ist sich Kreidler-Kos sicher. Deswegen habe das Bistum die Aktion gestartet: „Wir möchten, dass Menschen, die gerne verheiratet sind, uns davon erzählen!“

Ein paar Geschichten lesen Sie im Folgenden – wer inspirieret ist, kann das Buch in gedruckter Form bestellen oder hier herunterladen.

Sonnenstrahlen fallen durch eine Herzschablone, die von zwei Händen gehalten wird
Geschichten rund um das Thema Ehe finden sich in der Broschüre Schmetterlinge im Bauch – Segen im Rücken. Bild: misterqm / photocase

Segen im Rücken 

„Dass wir für immer zusammen gehören, war uns schon nach kurzer Zeit klar: Beide hatten wir zwar auch vorher schon gute Beziehungen gehabt, aber noch nie jemanden getroffen, der so komplett auf der gleichen Wellenlänge tickt und gleichzeitig die beste Ergänzung zur Kompensation eigner Macken ist. Ein paar Jahre hat es trotzdem gedauert, bis wir offiziell ‚Ja‘ zueinander gesagt haben – beim Standesamt, um in Zukunft einen gemeinsamen Nachnamen zu haben, aber vor allem auch in der Kirche. Die Vorstellung, dass nicht mehr zu trennen ist, was Gott einmal verbunden hat, finden wir wunderschön. Daran zu denken, gibt uns immer wieder Ruhe und Kraft und die Gewissheit, dass wir zusammen alles schaffen können.“ Claus und Anna

Ehepaar hält Babyschuhe
Familie gehört zur christlichen Ehe einfach dazu. Bild: pixabay.com/Unsplash

“ Wir dürfen hoffentlich im nächsten Jahr unsere Silberhochzeit feiern. Geplant ist ein großes Fest mit Familie und Freunden. Wichtig ist uns, diesen Tag mit einem Dankgottesdienst zu beginnen. Gerade jetzt, wo die ersten Überlegungen getroffen werden, denke ich oft darüber nach wie dankbar wir sein müssen diesen Tag gemeinsam feiern zu dürfen. Wir hatten mehr gute als schlechte Zeiten in unserer Ehe. Ich habe einen lieben Mann (ich denke mein Mann sieht das umgekehrt auch so), wir haben vier gesunde Kinder die alle ihren beruflichen Weg machen bzw. gemacht haben. Beide sind wir in Berufen tätig die uns ausfüllen. Und da Gesundheit das höchste Gut ist, weiß ich es zu schätzen, dass wir bis jetzt von ernsthaften Krankheiten verschont wurden. Wenn das nicht genug Gründe sind Danke zu sagen! Wir freuen uns auf unseren Tag und werden ihn hoffentlich mit Gottes Segen beginnen.“ Cäcilia

 

„Wir heirateten im August 1964 kirchlich und ein Jahr später – wieder im August – kam unser Sohn auf die Welt. Da wir uns ein Jahr vor der Trauung im August verlobt hatten, war für uns der Wonnemonat natürlich der August! Zwei Jahre später kam ein Töchterchen zur Welt und wieder ein Jahr später das dritte Kind, wieder ein Mädchen. Jetzt waren wir rundum glücklich. Ein gutes Auskommen, eine gesunde Familie. Es dauerte aber nicht lange, da wurde die ältere krank. In acht Jahren qualvoller Nächte, weil immer neue Entzündungen uns das Leben schwermachten, wurde trotz Operation nichts erreicht. Im Gegenteil, es schien immer schlimmer zu werden. ‚Lieber Gott‘, betete ich ‚die Menschen können uns nicht helfen, hilf du uns bitte!‘ Das betete ich immer beim Bügeln und wenn ich sonst mal Zeit fand. Gott meinte es gut mit uns, unsere Tochter wurde gesund. Er schenkte uns noch Zwillinge, ein Pärchen. Nie war ich glücklicher, nie war die Ehe harmonischer. Zu zweit, jeder ein Kind im Arm, haben wir uns an ihrem Lächeln und Hüpfen erfreut. Nach einem halben Jahr lag der Junge plötzlich tot im Bett. Tiefe Trauer – und doch die Gewissheit, ich werde ihn wieder sehen. Leider ist mein Mann nach 22 Ehejahren durch einen Unfall ums Leben gekommen. Nun sind Vater und Sohn in Gott vereint. Eines Tages, wenn Gott will, werde ich sie oder sie mich in die Arme schließen. Ich danke Gott für die schöne Zeit!“ Hannah

drei Schlösser
Die Verbindung mit Gott trägt und hält. Bild: pixabay.com/Antranias

„Die Verbindung mit Gott und die Geschichte, die wir gemeinsam erlebt und bisher recht gut gemeistert haben, das trägt und hält uns. Wer das Evangelium kennt, kennt auch das Schwesternpaar Marta und Maria. Marta war viel besorgt um Vieles, Maria lag Jesus zu Füßen und hörte ihm zu. So ähnlich funktioniert das auch zwischen meiner Frau und mir: Sie ist mehr die Marta und ich mehr die Maria. Und das ist eine großartige Mischung für uns beide! Unser großes Ehe- und Lebensglück liegt nicht so sehr an uns alleine, sondern an unserem Glauben. Andere gehen in den Regenschauern des Lebens ein oder unter. Meine Frau und ich, wir tanzen noch darin …“ Ulrich und  Christina