Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte
Bild: Krippenverein Osnabrück-Emsland e.V

Zugegeben – ich weiß nicht, ob sich die folgende Geschichte wirklich so ereignet hat. Erzählt wurde sie mir von einer älteren Ordensschwester im Münsterland jetzt an den Weihnachtstagen – aber sie hat die Geschichte auch nur gehört.

Große Aufregung in einer Pfarrgemeinde, am Nachmittag vom 1. Weihnachtsfeiertag – das Jesuskind war aus der Krippe verschwunden! Eine Frau, die mit ihren beiden Kindern die Krippe anschauen wollte, hatte es zuerst bemerkt und stand nun etwas ratlos vor dem Stall. Andere Besucher kamen dazu, und man überlegte, was zu tun ist. Den Küster informieren? Den Pfarrer anrufen? Vielleicht würden die wissen, was mit dem Jesuskind geschehen ist? Sie waren noch am Beraten, da öffnete sich die Kirchentür, ein kleiner Junge kam mit seinem Roller herein und fuhr stracks bis zur Krippe. Die Erwachsenen wollten schon schimpfen – schließlich fährt man in einer Kirche kein Roller! – da fiel der Blick von einem auf ein Körbchen, das vorne am Roller angebunden war – und darin lag das Jesuskind! „Was hast du denn mit dem Jesuskind gemacht?“, fragte der Mann den kleinen Jungen etwas vorwurfsvoll. Der Junge zuckte leicht zusammen, dann stieß er hervor: „Ich hab’s doch versprochen!“ – „Wie, was hast du versprochen?“ – „Naja, ich hab mir doch vom Jesuskind zu Weihnachten einen Roller gewünscht…“ – „Ja, und?“ – „… und da hab ich ihm versprochen, wenn ich einen Roller von ihm bekomme, dann nehm ich ihn zur ersten Fahrt mit …“

Die Gesichter der Erwachsenen, eben noch ratlos und unmutig, hellten sich auf – und ein Schmunzeln machte sich breit. Der Junge hatte seinen Roller zu Weihnachten bekommen, und er hatte sich an sein Versprechen gehalten und das Jesuskind zur ersten Ausfahrt mitgenommen.

Über die Autorin

Andrea Schwarz ist Schriftstellerin und pastorale Mitarbeiterin im Bistum Osnabrück. Sie ist eine genaue und sensible Beobachterin ihrer Umwelt und der Menschen, denen sie begegnet. In ihren Texten versucht sie, Gott mitten im Alltag zu entdecken und Lust aufs Leben zu machen – nun erstmals auch in Form von Blogbeiträgen!

„Okay“, sagte der Mann und war ein wenig unsicher, ob er den Jungen jetzt loben sollte, weil er sein Versprechen gehalten hatte, oder eher schimpfen sollte, denn man kann doch schließlich nicht so einfach das Jesuskind aus der Krippe mitnehmen. So rettete er sich ins Praktische: „Ich denke, wir sollten das Jesuskind jetzt wieder dort hineinlegen …“ und miteinander, der große Mann und der kleine Junge, nahmen sie behutsam das Kind und betteten es wieder in die Krippe. Und alle standen herum und schauten andächtig dabei zu und hatten irgendwie ein Weihnachtslächeln im Gesicht.

Ich könnte mir vorstellen, dass es dem Jesuskind gefallen hat – dass der Junge sein Versprechen gehalten hat – und möglicherweise auch die Fahrt mit dem Roller. Ist doch mal was Anderes, als immer nur im Stall zu liegen und angeguckt zu werden!

Und ist es jetzt eigentlich noch wichtig, ob sich die Geschichte wirklich so ereignet hat?

8 Kommentare zu “Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

  1. Liebe Frau Schwarz, es ist eine wunderbare Geschichte und es spielt wirklich keine Rolle, ob sie wahr ist. Für mich ist sie – bildlich
    gesehen – zukunftsweisend.
    Dieses Kerlchen hat sein Versprechen gehalten. Er hat Jesus herausgenommen, in seine Welt gebracht um es dann wieder zurückzubringen. Er wird Freude an seinem Roller haben und seine Familie und Freunde an der Freude teilnehmen lassen. Sehr weihnachtlich, oder?

    1. Vielen Dank für Ihre schönen Worte! Und vielleicht könnte das wirklich die „weihnachtliche Aufgabe“ für uns sein – sich über das zu freuen, was uns im Leben geschenkt wird. Und: Jesus in die Welt zu bringen….
      Mit herzlichen Grüßen und viel Erfolg bei dieser „Weihnachtsaufgabe“ im Neuen Jahr, Andrea Schwarz

  2. Hallo!
    Die Geschichte ist wahr! Sie hat i.d. 50 er Jahren in Vreden stattgefunden siehe / lade “Vredener Anzeiger v. 27. 12.2017, Seite 1 rechts “Krippe v. Hermann Messe“.
    Das Christian und liegt i.d. Krippe der Stiftskirche Vreden🎄
    LG Bärbel Schlottbom

    1. Danke für den wertvollen Hinweis!!! Das finde ich ja wirklich spannend! Und interessant ist auch, dass im Laufe des Erzählens aus einem kleinen Mädchen ein Junge wird. Das erinnert fast ein bisschen an das Schicksal der Apostelin Junia (Röm 16,7), die im Laufe der Jahrhunderte zum (männlichen) Junias wurde. Jetzt bin ich nur mal neugierig, ob mit zu der Geschichte von dem Esel mit den zu langen Beinen, von der in dem Artikel auch erzählt wird, noch etwas einfällt.
      Danke nochmal und lieben Gruß,
      Andrea Schwarz

  3. Ich bin gerade in Leipzig, wo neben der Nikolaikirche eine Säule steht wie die in der Kirche. Die Säule erinnert daran, dass das, was in dieser Kirche geschah (die Friedensgebete, die zu den Montagsdemonstrationen führten, die dem Fall der Mauer vorausgingen), nach draußen ging: Befreiung und Frieden. Auch wir Erwachsenen sollten öfter mal „das Jesuskind mitnehmen“ – vielleicht könnten wir noch mehr Welt verändern!

    1. Danke für den Gruß aus Leipzig und die Erinnerung daran, was man möglicherweise bewegen kann, wenn man das „Jesuskind“ in die Welt hinausträgt! Das könnte eigentlich ein guter Vorsatz für das neue Jahr sein!
      Ihnen ein gesegnetes 2018 – und ein „Körbchen an Ihrem Tretroller“,
      mit herzlichen Grüßen,
      Andrea Schwarz

  4. Liebe Andrea Schwarz,
    als ich ihre Erzählung lass, wusste ich direkt, das ich die Erzählung aus meinen Kindertagen kenne( ich bin Jahrgang 1956, ich glaube wie Sie auch) . So habe ich heute Nachmittag mein Familienweihnachtsbuch hervorgeholt, und finde dort drin den Zeitungsabschnitt aus der Zeitung( damals GA Wuppertal— gibts schon lange nicht mehr).Die Geschichte stammt von C.Bachem- Tonger.Diese Schriftstellerin wurde nach Internetrecherche( geht ja heute so schnell) 1880 in Bonn geboren und hat dort als Erzählerin und Schriftstellerin gelebt.
    Ihnen herzlichen Dank für Ihre Geschichten, Ihre Lyrik, die mich seit vielen Jahrzehnten begleitet.
    Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch und für 2018 alles erdenklich Gute.
    Liebe Grüße
    Annegret Müller- Henning
    Bad Neuenahr- Ahrweiler

    1. Liebe Frau Müller-Henning,

      danke für Ihre guten Worte! Und danke auch für den Hinweis auf die Schriftstellerin! Das deutet sehr daraufhin, dass die Geschichte wirklich passiert ist – denn auf manche Ideen kommen auch Schriftsteller nicht von alleine – siehe meinen Beitrag.
      Ihnen auch einen herzlichen Gruß und ein gesegnetes 2018,
      Andrea Schwarz

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