Eine Chance zur Neuausrichtung

Waldlichtung
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Sie wurde mit großer Spannung erwartet: Die Enzyklika „Laudato Si – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ von Papst Franziskus. Es handelt sich um eine Premiere im zweifachen Sinne.

Zum einen ist es die erste Enzyklika, die allein Papst Franziskus verfasst hat. Zum anderen ist Franziskus der erste Pontifex, der sich dem Thema Umweltschutz in einer eigenen Enzyklika widmet. Im Bistum Osnabrück wurde die Enzyklika des Papstes mit großer Freude aufgenommen. Bischof Franz-Josef Bode würdigt sie mit den folgenden Worten:

Papst Franziskus macht seinem Namen alle Ehre. Mit den ersten Worten des Sonnengesangs des heiligen Franz von Assisi beginnt er seine Enzyklika, die mutig und eindrucksvoll zentrale Fragen der Menschheit behandelt. Schon der Titel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ ist Programm. Der altgriechische Begriff für „Haus“, „oikos“, ist gleichermaßen in Ökologie, Ökonomie und Ökumene (der bewohnte Erdekreis) enthalten. Nur das tiefe Zusammenspiel dieser drei Größen führt zu einer „ganzheitlichen Ökologie“. Sie ist das Grundanliegen der Enzyklika. Und darum richtet sich das Schreiben auch nicht nur an die Kirche, an die Christen, an die Religionen, sondern an alle Menschen.

Bischof Bode
(Bild: Bistum Osnabrück)

Ohne Scheu prangert der Papst an, was dem Haus der Schöpfung rücksichtslos und ohne Verantwortung vor der Zukunft widerfährt. Die menschlichen Wurzeln der Missstände werden deutlich benannt. Deshalb muss es die Sorge der Kirche und aller Menschen guten Willens sein, die „Mitwelt“, die mehr ist als nur „Umwelt“, die Wirtschaft, das Finanzgebaren, das Sozialwesen, die Kultur, das Alltagsleben generationsübergeifend mit einem neuen Lebensstil zu durchprägen. Der Papst spricht von der ökologischen Umkehr, die für die Zukunft unabdingbar ist. Dafür reicht eine individuelle Umkehr, so wichtig sie ist, nicht aus. Es bedarf der großen Netzwerke der Gemeinschaften, um dem alles beherrschenden technokratischen Ökonomismus zu wehren. Dabei sieht der Papst durchaus die Chance, dass diese Umkehr und Neuausrichtung gelingen kann.

Den Finger in die Wunde gelegt

Die Enzyklika greift die Soziallehre der Kirche auf und legt so den Finger in klaffende Wunden. Die enge Beziehung zwischen der Anfälligkeit unseres Planeten und der Armut und des Elends in der Welt fordert den Papst heraus, die Menschheit auf einen neuen Dialog über die Zukunft einzuschwören. Eine Zukunft, die nicht in weiter Ferne liegt, sondern heute beginnt.
Und so darf auch die Synode im Oktober über die Situation von Ehe und Familie die Sorge um die Menschheitsfamilie und ihr Haus, die Schöpfung, nicht verdrängen. Ehe und Familie sind ja ein wesentlicher Bestandteil der ganzheitlichen Ökologie. Auch das Thema des anstehenden pastoralen Zukunftsgesprächs im Bistum Osnabrück unter dem Leitwort „…damit sie zu Atem kommen“ (Ex 23,12) gehört dazu, denn die ganze Schöpfung soll aufatmen können. Der Schrei der Schwester und Mutter Erde verpflichtet uns dazu.

Enzykliken sind die wichtigsten päpstlichen Schreiben und sollen der Glaubensgemeinschaft als Wegweiser dienen. Im Juli 2013 veröffentlichte Franziskus bereits eine Enzyklika mit dem Titel „Lumen fidei – Licht des Glaubens“ – damals allerdings gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger Papst Benedikt XVI.


Aussagen zum Thema Umweltschutz und Bewahrung der Schöpfung trafen bereits andere Päpste. Schon Johannes Paul II. widmete die Botschaft zum Weltfriedenstag 1990 dem Thema „Friede mit Gott, dem Schöpfer, Friede mit der ganzen Schöpfung“. Auch zwanzig Jahre später äußerte sich Papst Benedikt XVI in seiner Botschaft zu derselben Thematik („Willst du den Frieden fördern, so bewahre die Schöpfung„).