Gott sei Dank

Äpfel in einem Korb
Bild: medienREHvier.de, Helga Brunsmann

„Lieber Gott. Wir danken dir für gar nichts – wir haben alles selbst bezahlt. Amen.“ Vielleicht kennen Sie die Simpsons, die Zeichentrickserie aus den USA?! Sohn Bart Simpson spricht dort dieses kleine Gebet vor dem Mittagessen – und macht damit seinem frechen Ruf alle Ehre.

Auch wenn man hier eher schmunzelt, zeigt diese Szenen doch, dass das Danken heutzutage keine besonders weit verbreitete Tugend mehr ist. Immer weniger Menschen kennen und feiern noch Erntedank als Fest des Dankens. Schade, findet Bischof Franz-Josef Bode, denn: „Wir haben allen Grund, Dank zu sagen für die Gaben der Schöpfung und für alles, was wir in unserem Leben ernten dürfen. Oft genug ist es nicht aus unserer eigenen Leistung erwachsen.“

Das Erntedankfest ist eines der ältesten Feste überhaupt. Es war schon vor Christus bekannt und wurde vermutlich im dritten Jahrhundert in das Brauchtum der römischen Kirche übernommen. Ein einheitlicher, weltweiter Erntedanktag war wegen der verschiedenen Klimazonen unmöglich. In der katholischen Kirche feiert man Erntedank heute meist am ersten Sonntag im Oktober. Ein traditioneller Tag also – und doch auch sehr modern, denn Fragen der Nachhaltigkeit und die Sorge um knappe Ressourcen sind aktueller denn je!

leerer TellerUnser tägliches Brot gib uns heute

Weltweit hungern über eine Milliarde Menschen. Das Essen, das wir in Europa wegwerfen, würde zwei Mal ausreichen, um die Hungernden dieser Welt zu ernähren. Dabei geht es für uns nicht einmal um Verzicht, sondern lediglich um mehr Effizienz und ein Bewusstsein dafür, dass die Verschwendung von Essen eine Verschwendung von kostbaren menschlichen und natürlichen Ressourcen ist. Ein Drittel der weltweit für den menschlichen Verzehr geernteten und produzierten Lebensmittel landet auf dem Müll, Schätzungen für die Industrieländer gehen sogar von der Hälfte aus.

„Unser tägliches Brot gib uns heute“, beten wir im „Vaterunser“ – doch was machen wir damit? 500.000 Tonnen Brot werden jährlich allein in Deutschland weggeworfen; ganz Niedersachsen könnte damit ein Jahr versorgt werden. „Hier wird schmerzlich bewusst, wie ausbeuterisch mit der Schöpfung umgegangen wird, als hätten wir noch eine zweite“, kritisiert Bischof Bode.

Es geht uns eindeutig zu gut: Wenn alles immer zur Verfügung steht, wenn man nicht selbst ernten, den Acker bearbeiten, backen und schlachten muss, wenn nicht Dürre oder verregnete Sommer darüber bestimmen, ob wir etwas zu essen bekommen, sondern allein die Ladenöffnungszeiten, dann geht die Achtung verloren vor dem, was Gottes Schöpfung hervorbringt. „Gott sei Dank!“ sagt man manchmal eher beiläufig, ohne näher darüber nachzudenken. Das Erntedankfest ist eine gute Gelegenheit, diese Worte mal wieder ganz bewusst zu sagen und sich daran zu erinnern, dass  wir nur eine Erde haben und dass sie nicht allein denen gehört, die ihr Essen jederzeit problemlos im Supermarkt kaufen können.