„Es ist immer ein schöner Nachmittag“
In fast jeder Pfarrgemeinde im Bistum Osnabrück gibt es einen Besuchsdienst, mehrere hundert Menschen engagieren sich hier. Eine von ihnen ist Maria Frommeyer. Das Ehrenamt ist für sie eine Win-Win-Situation: „Ich habe Spaß daran, anderen eine Freude zu machen“.
Skip-Bo ist ein Kartenspiel. Ziel ist, als erster die Karten seines Stapels in der Reihenfolge eins bis zwölf abzulegen. Maria Frommeyer spielt es öfters. „Die Frauen machen das fürchterlich gerne“, lacht sie. Mit Frauen sind diejenigen gemeint, die sie regelmäßig über den Besuchsdienst von St. Pius trifft, der zur Pfarrgemeinde St. Johann in Osnabrück gehört.
Derzeit freut sich eine 93-jährigen Frau jeden Dienstagnachmittag, wenn Maria Frommeyer an der Tür klingelt. Die alte Dame geht nicht oft aus dem Haus, erzählt Maria Frommeyer, und so ist der Besuch eine willkommene Abwechslung. Auf dem Programm steht immer erstmal Kaffeetrinken, ein Schwätzchen über den Alltag oder über gemeinsame Bekannte: „Die Welt ist ja ein Dorf“, sagt die Frau mit den mittellangen, schlohweißen Haaren. So haben sie festgestellt, dass ihr Bruder aus Hildesheim den Sohn der alten Dame kennt. Oder es geht um Erinnerungen aus der Vergangenheit – schöne und vielleicht nicht so schöne, wenn das Gespräch auf die Fluchtgeschichte der alten Dame nach dem Zweiten Weltkrieg kommt.
Weitere Infos
- Wer sich im Besuchsdienst engagieren möchte, kann sich entweder an seine Pfarrgemeinde wenden oder an den CKD im Bistum Osnabrück.
- Der CKD hat mit „Die Türöffner“ auch ein Projekt gestartet, um neue Wege für ein Miteinander in Gemeinden oder caritativen Einrichtungen zu ebnen. Mit der daraus entstanden Arbeitshilfe können bestehende Besuchsdienste weiterentwickelt oder neue Strukturen in diesem Bereich aufgebaut werden. Weitere Infos hier
So wie Maria Frommeyer sind mehrere Hundert Ehrenamtliche im Bistum Osnabrück in den Besuchsdiensten unterwegs, schätzt Monika Sewöster-Lumme vom „CKD – Das Netzwerk von Ehrenamtlichen“, einem Fachverband der Caritas. In dieser Aufgabe begleitet sie Ehrenamtliche, die in Kirchengemeinden, Altenhilfeeinrichtungen und Krankenhäusern caritativ tätig sind. „Es gibt fast in jeder Pfarrgemeinde im Bistum einen Besuchsdienst. Manche kommen zu Seniorinnen und Senioren, manche zu den Neuzugezogenen oder gehen ins Krankenhaus.“ Für die Referentin ist der Besuchsdienst eine „Win-Win-Situation“: Er sei nicht nur für diejenigen wichtig, die besucht werden. „Auch die Besuchenden spüren: Sie werden gebraucht, ihre Hilfe wird geschätzt. Der Menschen haben eben auch das Bedürfnis aufeinander zuzugehen und gesehen zu werden.“
Das kann Maria Frommeyer bestätigen: „Ich habe Spaß daran, anderen eine Freude zu machen“, bringt sie es auf den Punkt. „Es ist immer ein schöner Nachmittag.“

Im Besuchsdienst engagiert sie sich seit knapp fünf Jahren. Darauf aufmerksam wurde sie durch einen Flyer in St. Pius. Sie hatte Lust darauf und wandte sich dann an die Sozialpädagogin im Gemeindedienst, Anja Höge.
Eine Rolle spielte dabei auch das „Vorleben“ von Maria Frommeyer: Bis zur Rente hatte die gelernte Erzieherin und Heilpädagogin an einer Schule für Körperbehinderte als Kommunikationstrainerin gearbeitet. „Da hätte ich mich auch getraut, Menschen zu besuchen, die ein Handicap haben“, sagt sie. Auf alle Fälle helfen ihr heute diese Ausbildungen für ihr Ehrenamt.
Auf die eigenen Grenzen achten
Allerdings könne man im Besuchsdienst auch mitmachen, wenn man keine pädagogischen Kenntnisse hat. Es gibt in St. Johann jeden Monat ein Treffen mit allen, die in der Pfarrei tätig sind. Die Gruppenmitglieder sind alle im Rentenalter, mit 77 Jahren ist sie eine der älteren. „Und es ist kein Mann dabei – obwohl das nicht schlecht wäre“, sagte sie. Bei den Treffen können sie über ihre Besuche sprechen, sich Rat einholen, wenn eine Frage auftaucht. Der Austausch sei gut, um sich bewusst zu werden, wo die eigenen Grenzen sind. Denn als Besuchsdienst seien sie keine Therapeuten. „Und man muss schon auch auf sich achten, darf sich nicht selbst überfordern und überfordern lassen“, sagt sie.
Oder, wie es Monika Sewöster-Lumme von der Caritas formuliert: „Was einen guten Besuch kennzeichnet ist: Dasein, anbieten ohne zu fordern, zu überfordern.“ Das gelte für beide Seiten. „Besuchsdienst ist ein Dienst, bei dem das Bewusstsein über Nähe und Distanz sehr gut ausgeprägt sein sollte.“ Deshalb biete auch der CKD, für den Sewöster-Lumme tätig ist, hier Fortbildungen an.
Überhaupt sei es wichtig, dass die Chemie stimme zwischen demjenigen der besucht und dem, der besucht wird, ist Maria Frommeyer überzeugt. Sonst geht es nicht, man muss sich ja auf die Termine freuen. Sie habe das schon anders erlebt, da sei der Kontakt schnell wieder abgebrochen. Auch ist der Rahmen der Kontakte unterschiedlich. Nicht immer gebe es Kaffee und Kuchen – in einem Fall sei sie beispielsweise nur selten in die Wohnung gekommen. Da seien vor allem Spaziergänge „um den Block“ oder der Gang zur Apotheke auf dem Plan gestanden.
Mit ihrem Besuchspensum ist Maria Frommmeyer sehr zufrieden. Neben der 93-jährigen ist sie auch hin und wieder bei einer anderen Frau. „Ihr bringe ich immer die kfd-Zeitung mit“ sagt sie. Und dann ergebe sich oftmals ein längeres Gespräch.