Frankfurt ist mehr als der Hauptbahnhof

Frankfurt Skyline Nachts
Bild: Canva.com

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

Matthäus 5,1-12a

Vor kurzem habe ich in der Bahn einen jungen Studenten kennengelernt. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns über seinen Studierendenort Münster, über Kirche, Politik und vieles mehr. Er erzählte, dass er aus Frankfurt am Main kommt. Ein Satz von ihm ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: „Frankfurt ist mehr als der Hauptbahnhof.“

Cedrik Konzer
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Ich musste darüber etwas schmunzeln. Denn wer Frankfurt nur vom Umsteigen am Hauptbahnhof kennt, sieht vielleicht die Hektik, die vielen unterschiedlichen Reisenden und eventuell bleiben einem auch die starken Gerüche in Erinnerung. Auch wenn man den Hauptbahnhof verlässt, verstärkt sich dieser erste Eindruck. Aber eine Stadt ist mehr als das, was man auf den ersten Blick sieht. Hinter den Hausfassaden und zwischen den Gleisen gibt es Hoffnungen, Sehnsüchte und verschiedenste Lebensgeschichten.

Mit Blick auf das Evangelium von den Seligpreisungen musste ich an diese Begegnung denken. Jesus steigt auf einen Berg, setzt sich und beginnt, zu den Menschen zu sprechen. Er preist diejenigen selig, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zu den Gewinnerinnen und Gewinnern gehören: die Armen, die Trauernden, die Sanftmütigen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen und sich für Frieden einsetzen.

Jesus schaut anders auf die Menschen. Dabei lässt er sich nicht von dem leiten, was offensichtlich ist, was zählt oder was jemand vorzuweisen hat. Jesus macht sich für die Würde von jedem Menschen stark und gibt Hoffnung, die nicht immer sofort erkennbar ist.

Vielleicht gilt das auch für unsere Begegnungen im Alltag. Wie schnell machen wir uns ein Bild von anderen Menschen. Wir sehen eine Herkunft, einen Kleidungstil oder eine bestimmte Überzeugung – und glauben schon zu wissen, wer uns gegenübersteht. Doch jeder Mensch ist mehr als das, was wir auf den ersten Blick wahrnehmen.

Frankfurt ist mehr als der Hauptbahnhof. Und ein Mensch ist mehr als das, was ich auf den ersten Blick von ihm sehe.

Ich weiß nicht, was von unserem Gespräch bei dem jungen Studenten hängen geblieben ist. Bei mir ist es jedenfalls dieser eine Satz. Dieser erinnert mich daran, dass hinter jedem ersten Eindruck viel mehr liegt. 

Vielleicht beginnt genau dort etwas von dem, was Jesus selig nennt: wenn wir einander wirklich wahrnehmen, wenn wir Fragen zulassen und wenn wir dem anderen zutrauen, dass in ihm mehr steckt, als wir zunächst erkennen. Und manchmal ist eine Begegnung in der Bahn ein kleiner Hinweis darauf, wie wichtig es sein kann, einander offen zu begegnen.

Cedrik Konzer

Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.

Psalm 23,4

Schafe, Herde, Nebel