Gemeinsam durch die Trauer

Hände halten sich gegenseitig
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Wenn ein geliebter Mensch stirbt, verändert sich das Leben unwiederbringlich. Manche Trauernde finden in Familie und Freundeskreis ausreichend Halt, um mit dieser Herausforderung umzugehen. Andere fühlen sich allein und merken, dass sie zusätzliche Unterstützung brauchen. Für sie gibt es im Bistum Osnabrück verschiedene Angebote der Begleitung.

Monika Walbaum ist Gemeindereferentin in der Kirchengemeinde St. Matthäus Melle und seit rund zehn Jahren als Trauerbegleiterin tätig. Sie hilft Menschen, mit ihrem Verlust leben zu lernen. „Ich kann die Trauer nicht nehmen“, sagt sie, „Aber ich kann den Weg mitgehen, zuhören, vielleicht mal in den Arm nehmen, trösten und kleine Dinge an die Hand geben, um den Alltag neu zu ordnen.“

Monika Walbaum
Monika Walbaum

Dieses Angebot ist nicht nur für Menschen gedacht, deren Angehörige erst vor Kurzem gestorben sind. „Trauer kann man nicht an einer Zeitskala festmachen“, betont Walbaum. Nach dem Tod eines Angehörigen erwarten viele, irgendwann wieder funktionieren zu müssen. Aber immer wieder begegnet die Trauerbegleiterin Menschen, die erst nach Jahren merken, dass sie mit ihrem Verlust noch nicht im Reinen sind. Besonders schmerzhaft sei es dann, wenn jemand Sätze sagt wie: „Jetzt hast du aber lange genug getrauert, das Leben geht weiter. Du musst auch mal nach vorne schauen!“ Gerade wenn das Verständnis im Umfeld fehlt, kann es helfen, sich in einer der Trauergruppen auszutauschen, die an vielen Orten im Bistum stattfinden. Willkommen sind alle, die einen Verlust erlitten haben, unabhängig von der Religionszugehörigkeit.

Weitere Infos

Neue Perspektiven im Trauerseminar

Auch Monika Walbaum bietet seit mehreren Jahren regelmäßig Trauerseminare an. Sie verbindet bei den Treffen Gespräche und inhaltliche Impulse, zum Beispiel zum Führen eines Trauertagebuchs und zu Themen, die viele Betroffene beschäftigen: Erinnerung, Schmerz, Sehnsucht. „Was ich immer wichtig finde, ist, dass die Menschen merken, dass es vollkommen normal ist, wie sie sich fühlen“, sagt Walbaum. Oft helfen da schon kleine Rückmeldungen aus der Gruppe: Jemand kennt ähnliche Situationen oder hat einen Weg gefunden, mit schwierigen Momenten umzugehen. Dabei geht es nicht darum, anderen zu sagen, wie sie zu trauern haben, sondern darum, neue Perspektiven zu entdecken.

„Wenn man in so einem Tunnel der Trauer ist, dann fällt es einem häufig schwer, rechts und links überhaupt noch etwas wahrzunehmen“, beobachtet Walbaum immer wieder. Der Austausch mit anderen könne dabei helfen, langsam wieder nach vorne zu schauen und auch sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren.

Lichtblicke am Sonntag

Aus diesem Gedanken heraus ist das Programm „Lichtblicke“ entstanden: Eine offene Veranstaltungsreihe mit Freizeitangeboten für Trauernde, immer an Sonntagnachmittagen. Gespräche und Geschichten, Wandern, Musik oder Handwerken – die Inhalte wechseln und Menschen können ganz unverbindlich vorbeikommen, wenn etwas sie anspricht. „Die Idee dazu ist bei einem Trauerseminar entstanden, weil gerade bei denen, die ihren Partner verloren haben, die Sonntagnachmittage oft die einsamsten Tage in der ganzen Woche sind“, erzählt Walbaum. Sie findet es großartig, dass sich ein Team von Ehrenamtlichen in ihrer Gemeinde gefunden hat, das inzwischen ein regelmäßiges Sonntagsprogramm aufstellt und so Trauernden eine Alternative zum Alleinsein bietet.

Orientierungspunkt zukünftige Kirche im Bistum Osnabrück

Hintergrund

Mit Blick auf die Zukunft fördert das Bistum Osnabrück Projekte, die Menschen in Krisen begleiten. Weitere Beispiele dafür sind hier zu finden. Mehr Infos zum Transformationsprozess gibt es hier.

„Manche fühlen sich erst schuldig, wenn sie wieder lachen oder etwas Schönes erleben“, erzählt Walbaum. Dabei gehe es doch genau darum: wieder am Leben teilzunehmen. Denn: Mit der Trauer leben zu lernen, bedeute nicht, den Verstorbenen zu vergessen. Die Trauer bleibe Teil des Lebens, aber sie müsse eben nicht den gesamten Raum einnehmen. Walbaum beschreibt es mit einem Bild: Der Verlust eines geliebten Menschen reiße eine tiefe Wunde im Herzen und wenn diese Wunde heilt, bleibt eine Narbe. „Jeder, der eine Narbe hat, kennt das: Die zwickt immer mal wieder. Das ist mit der Trauer genauso und das ist auch ok. Ich darf leben, ich darf Freude haben. Und trotzdem vergesse ich nicht den, den ich so sehr vermisse.“

Er heilt, die gebrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden. 

Psalm 147,3

Herbst, Pfütze