Ja zum neuen Jahr!

Luftballon-Buchstaben Yeah
Bild: AdobeStock.com, nito

Das neue Jahr ist gerade angebrochen, was es bringt, ist noch ungewiss. Glück und Gesundheit oder Streit und Verlust? Bereichernde Begegnungen und neue Leidenschaften oder Einsamkeit und Stress? Alles ist möglich Anfang 2026 – das kann befreien und motivieren, aber auch ängstlich machen – vor allem mit Blick auf die allgemeine Weltlage und all die Baustellen, die jede und jeder Einzelne aus dem vergangenen Jahr mit ins neue genommen hat.

Wer eher verzagt nach vorne schaut, für den gibt es auf dieser Seite einige Tipps von Diakon Alexander Rolfes. Er leitet das Referat Glaubenskommunikation in der Abteilung Seelsorge – und ist in seiner Freizeit ein bekennender Fan des Improvisationstheaters. Warum das seine Einstellung zum Leben positiv beeinflusst und mit welchen drei Ideen auch Sie in kürzester Zeit optimistischer aufs neue Jahr blicken können, das erfahren Sie hier.

Impuls und Improvisation

Improvisationstheater, kurz: Improtheater, ist eine lebendige Theaterform, die ohne Drehbuch auskommt. Professionelle Gruppen füllen Bühnen und Fernsehstudios – und begeistern ihr Publikum mit etwas ganz Besonderem: Geschichten, die im Moment entstehen. Das Prinzip ist einfach: Das Publikum gibt Impulse – ein Wort, einen Ort, ein Gefühl – und auf dieser Grundlage entwickelt sich spontan eine Szene.

Alexander Rolfes
Alexander Rolfes

Damit dieses spontane Miteinander gelingt, braucht es wenige, aber entscheidende Regeln. Sie halten die Szene im Fluss, geben Orientierung und sorgen dafür, dass aus losen Ideen echte Geschichten werden. „Drei dieser Regeln haben für mich eine besondere Bedeutung – nicht nur im Theater, sondern auch für das Leben und meinen Glauben“, sagt Rolfes.

1. Sagen Sie: „Ja, und …“

Die erste lautet: Sagen Sie „Ja, und …“! Denn es gibt beim Improvisationstheater kein Skript, keine Requisiten, keinen doppelten Boden. Alles entsteht im Augenblick. Und nur, wenn die Idee der anderen angenommen und weitergeführt wird, kann Neues entstehen. Ein „Nein“ blockiert, ein „Vielleicht“ verzögert, ein „Ja, aber …“ bremst. Nur ein „Ja, und …“ trägt weiter, macht offen für das, was entsteht, und schafft den Mut, ins Ungewisse zu gehen.

Weitere Infos

Alexander Rolfes beschreibt es so: „Im Improtheater verändern sich Räume, Rollen und Geschichten im Sekundentakt, das macht es so spannend und herausfordernd. Im Leben ist es genauso: Auch hier verändert sich die Situation ständig, durch neue Anforderungen, Begegnungen mit Menschen, äußere Umstände, wie die Weltlage oder ganz einfach das Wetter. Ein „Ja, und …“ lädt ein, diese Veränderungen kreativ zu gestalten, statt sie zu beklagen.“

2. Retten ist Pflicht

„Eine weitere Regel, die aus christlicher Perspektive kaum einer Erklärung bedarf, lautet: Retten ist Pflicht“, so Rolfes. Im Improvisationstheater ist damit der Anspruch gemeint, sich nicht im Stich zu lassen, wenn eine Idee nicht zündet oder jemand ins Stocken gerät. Die Zusage der Mitspielenden, dass immer jemand zur Rettung eilt, wenn etwas nicht gut läuft, ist das Sicherheitsnetz im Spiel.

Aber auch im Leben: Wer sich darauf verlassen kann, nie ganz allein da zu stehen, der kann mutig etwas ausprobieren und leichter akzeptieren, wenn mal etwas nicht (sofort) klappt. Umgekehrt: Wer sich immer wieder bewusst macht, dass er in Gemeinschaft lebt und handelt, der übt, sich in Andere hinein zu versetzen, ihre Perspektive zu sehen und entsprechend empathisch zu (re)agieren.

3. Räume nutzen

Zur Vorbereitung auf eine Show gehört beim Improvisationstheater eine Begehung des Raums, in dem gespielt werden soll. Wo sind die Wände? Gibt es verschiedene Ebenen? Wie breit und tief ist der Spielraum? Manche Räume fühlen sich direkt wohlig und heimisch an, manche kalt und unbehaglich, zu groß oder zu klein, irgendetwas stört. „Diese inneren Resonanzen wahrzunehmen und auszusprechen, ist unerlässlich“, sagt Rolfes. „Denn räumliche Gegebenheiten sind Tatsachen, mit denen man umgehen muss – am besten sensibel und kreativ!“

Buchcover gib dem Leben eine Chance

Buchtipp

Gerade neu erschienen ist ein Buch der im Bistum Osnabrück lebenden Autorin Andrea Schwarz. Es enthält Geschichten, Gedichte und Impulse über das, was das Leben immer wieder und trotz allem bunt und reich macht. Das Buch wird von der Verlagsgruppe Patmos herausgegeben und kostet 20 Euro.

Glücklicherweise, so Rolfes, spiele man Improvisationstheater nie allein. Gemeinsam werden Lösungen gesucht, um zum Beispiel eine zuvor als störend empfundene Säule im Raum als antikes Tempelelement oder unendlich langen Giraffenhals in den Mittelpunkt der Szene zu rücken. Rolfes erläutert: „So bleiben Grenzen eines Raumes genau das und nicht mehr: Sie bilden den Rahmen, schaffen Orientierung. Das Neue, das Besondere und die Geschichten entstehen dazwischen, im Kontakt der Menschen untereinander, im Austausch, in der gemeinsam gestalteten Weiterentwicklung innerhalb des strukturellen Rahmens.“

Diese Möglichkeit bleibe auch bestehen, wenn Szenen sich verändern, sagt Rolfes – und meint damit nicht nur das Theaterspiel, sondern auch Räume im Alltag, sowohl Orte daheim und im Büro, als auch im übertragenen Sinne: „Wenn Räume sich verändern, bricht manches Altbekannte weg. Frühere Sicherheiten verschwinden, Rollen ändern sich, aber die Möglichkeit zum Spiel bleibt!“, ist sich Rolfes sicher. Er ermutigt dazu, mit Blick aufs neue Jahr nicht verzagt in Unsicherheit zu verharren, sondern zu erkennen: Ich kann die Zeit, die auf mich zukommt und den Raum, der mich umgibt, aktiv mitgestalten. „Auch eine unvorbereitete oder noch unbekannte Szene kann beginnen mit einem „Ja, und …“, so Rolfes. „Ich kann Grenzen wahrnehmen, aber souverän mit ihnen umgehen und neue Rollen mit Leben füllen. Und das Beste daran: Ich muss das nicht alleine tun.“

Denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.

Jeremia 29,11