Klimaschutz in Bistum Osnabrück

Bild: fotolia.de, Luiz

Das Bistum Osnabrück hat in den vergangenen Jahren ein umfassendes Klimaschutzkonzept erarbeitet. Das Projekt kostete rund 150.000 Euro und wurde mit 100.000 Euro durch das Bundesumweltministerium gefördert. „Als Christen fühlen wir uns in besonderer Weise der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet“, sagt Generalvikar Theo Paul.

Deswegen bezieht inzwischen schon etwa ein Drittel der Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen im Bistum Öko-Strom. Zusammen mit den Einrichtungen des Diözesan-Caritasverbandes und weiteren kirchlichen Einrichtungen werden mittlerweile rund 400 Abnahmestellen mit Strom aus regenerativen Energiequellen statt mit Atomstrom beliefert. Außerdem sind oder werden auf vielen kirchlichen Gebäuden Solaranlagen installiert, um einen Teil des Stroms selbst zu produzieren. Bereits vor fünf Jahren wurde außerdem eine „Energieoffensive“ im Bistum gestartet, bei der es auch um die Einsparung von Energiekosten geht.

Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung auf dem Dach der katholischen Kirche St. Ansgar in Osnabrück-Nahne, Bild: Bistum Osnabrück
Energie vom Kirchendach: Auf zahlreichen Gebäuden im Bistum Osnabrück gibt es Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung – wie hier auf dem Dach der katholischen Kirche St. Ansgar in Nahne (Bild: Bistum Osnabrück)

Nach bisherigen Schätzungen werden in den rund 230 Kirchengemeinden des Bistums bislang jährlich mehr als sieben Millionen Euro für die Energieversorgung aufgewendet. In einem breit angelegten Beteiligungsprozess wurden alle klimarelevanten Bereiche wie zum Beispiel die Energieeffizienz der über 1.300 kirchlichen Gebäude untersucht, aber auch die Beschaffung von Energie, Lebensmitteln oder Büromaterial in den Kirchengemeinden und Einrichtungen sowie das Mobilitätsverhalten.
Ziel des Klimaschutzkonzeptes ist die Umsetzung eines Leitbildes zur Klimaneutralität und die Erstellung einer CO2-Bilanz. Um den Energieverbrauch zu senken und den Anteil der erneuerbaren Energien zu steigern, gibt es verschiedene Maßnahmen, beispielsweise den vermehrten Einbau von Photovoltaikanlagen, zusätzliche Wärmedämmung und die Modernisierung von Heizungsanlagen. Das Konzept wurde in enger Zusammenarbeit mit den Pfarrgemeinden und kirchlichen Einrichtungen und einem Osnabrücker Ingenieurbüro erstellt. Das Bistum hat in den Haushaltplänen von 2007 bis 2015 insgesamt 4,5 Millionen Euro für energetische Baumaßnahmen eingesetzt.

Domdechant Heinrich Plock (r.) und Fritz Brickwedde, Präsident der Deutschen Bundesstiftung Umwelt vor der Erdwärmeheizung für den Osnabrücker Dom, Bild: Bistum Osnabrück
Der damalige Domdechant Heinrich Plock (r.) als Bauherr und Fritz Brickwedde, Präsident der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als Zuschussgeber, nahmen 2008 symbolisch die Erdwärmeheizung für Dom und Nachbargebäude in Betrieb (Bild: Bistum Osnabrück)

Modellprojekte und mehr

Vorreiter war hier zum Beispiel der Osnabrücker Dom St. Petrus. Schon seit Anfang 2008 wird knapp ein Viertel des Wärmebedarfs für den Dom und die umliegenden Gebäude mit Hilfe einer Erdwärmeheizung gewonnen. Im Sommer können die Bauten mit der gleichen Technik gekühlt werden. Fritz Brickwedde, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die den Bau der Heizung unterstützt hat, ist vom Nutzen der Anlage überzeugt: „Die Investition von 400 000 Euro hat sich spätestens nach 15 Jahren amortisiert. Für eine 2000 Jahre alte Kirche ist das doch gar nichts!“

Aber auch in anderen Kirchengemeinden tut sich etwas: So wird in Bramsche derzeit ein neues Pfarrheim errichtet, das als Passivhaus gebaut wird. In Bremen wird für die St.-Marien-Gemeinde am Standort von St. Nikolaus ein Kindergarten in Passivhausbauweise gebaut. Für die Kirchengemeinde Börgerwald, die die Heizung in der Kirche erneuern muss, wurde ein neues Heizkonzept erstellt: Damit zum Beispiel für Werktagsmessen nicht immer der gesamte Kirchenraum erwärmt werden muss, wird eine Fußbodenheizung im Chorraum installiert, die vorderen Sitzbänke werden mit einer Strahlenheizung ausgestattet. Das Gemeindehaus von St. Vitus in Meppen wurde aufwendig energetisch saniert. Technisches Herzstück des Hauses ist jetzt eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die Erkenntnisse aus diesen Modellprojekten werden ausgewertet und dokumentiert, um sie in Zukunft an weiteren Stellen einzubringen.

Kinder vor der
An der „Öko-Butze“ der Angelaschule können Schülerinnen und Schüler Produkte aus umweltverträglichem Material kaufen, zum Beispiel bunte Pappmappen (Bild: kirchenbote.de)

Umweltschutz macht Schule

Das Gymnasium Angelaschule in Osnabrück, dessen Träger die Schulstiftung Osnabrück ist, geht noch einige Schritte weiter: es wird zur „umweltverträglichen Schule“. Ein Projekt, das vom Bundesumweltministerium und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützt wird. Im Rahmen der umweltverträglichen Maßnahmen wurde z.B. der Klassentrakt CO2-neutral gedämmt, erhielt neue Fenster und wurde mit modernster Belüftungstechnik ausgestattet. Geheizt wird mit Erdwärme, allerdings ist das kaum nötig, denn zusätzliche Wärme braucht die Schule dank des ausgeklügelten Belüftungssystems erst ab minus 12 Grad Außentemperatur. Die Beleuchtung wird abhängig vom einfallenden Tageslicht geregelt. Ist im Klassenraum niemand anwesend, schaltet sich das Licht aus.

Auch die anderen Gebäude der Schule wurden in den vergangenen Jahren unter energetischen Gesichtspunkten saniert. Aber die Vorgabe, eine umweltverträgliche Schule zu schaffen, beschränken sich nicht auf bauliche Maßnahmen. Ziel ist auch, das Thema Klimawandel und Umweltschutz im Unterricht zu behandeln und in den Alltag zu integrieren. Ein ganz besonderer Lernort für die Schülerinnen und Schüler der Angelaschule ist der benachbarte Park, der von der Schule genutzt wird. Hier gibt es beispielsweise ein Bienen-Hotel und einen Teich mit Fischen, die schon auf der Liste der bedrohten Arten standen. Betreut wird er von Jugendlichen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Bistum absolvieren. Sie helfen auch den jüngeren Schülern bei der Pflege der Schulhofbeete und verkaufen umweltverträgliche Produkte in der „Öko-Butze“, einem ökologischen Kiosk.