Kräftiger Anstoß zu einer neuen Kirche
Es war ein kräftiger Anstoß für einen Prozess, der in die Zukunft weist: Im Dekanat Emsland-Süd hat der Dekanatsprozess begonnen. Es ist mittlerweile das sechste Dekanat im Bistum Osnabrück, das sich auf diesen Weg macht. Mehr als 300 Interessierte kamen zum „Kick-off“ und gingen gut informiert und mit neuen Ideen wieder nach Hause.
„Ich freue mich, dass so viele da sind – das ist ungefähr so wie sonntags.“ Tatsächlich blickte Dechant Thomas Burke an einem Dienstagabend in mehr als 300 erwartungsvolle Gesichter in der St. Bonifatiuskirche in Lingen, dazu kamen noch 180 Menschen im Livestream. Es war der Auftakt des Dekanatsprozesses im Dekanat Emsland-Süd. Eines Prozesses, der dort die Grundlagen für die Zukunft der Kirche in der Region legen wird. Die Teilnehmenden kamen aus unterschiedlichsten Gruppen, von den Gemeindegremien bis hin zu Gästen aus der Ökumene und den Kommunen. Sie erwartete Infos zu den künftigen pastoralen, finanziellen und personellen Rahmenbedingungen im Dekanat.
Die Grundlagen
Weitere Infos
- Weitere Informationen zum Dekanatsprozess sind auf der Internetseite des Dekanats Emsland-Süd abrufbar.
- Grundlage des weiteren Dekanatsprozesses ist unter anderem eine Umfrage, an der man bis zum 31. Mai auch online teilnehmen kann. Sie ist hier zu finden.
- Derzeit laufen die Dekanatsprozesse im Dekanat Twistringen, in der Grafschaft Bentheim, in Bremen, Ostfriesland, in den Dekanaten Osnabrück-Nord, -Süd und -Stadt sowie in Emsland-Süd. Die Dekanate Emsland-Mitte und Emsland-Nord steigen im Herbst 2026 in den Prozess ein. Wie ein Dekanatsprozess im Detail abläuft, können Sie hier am Beispiel des Dekanats Bentheim lesen.
Zwei bunte Rollups waren links und rechts im Altarraum aufgestellt. Acht Sätze standen darauf: „Wir stärken das Engagement“, zum Beispiel oder „Wir entwickeln Kirche vor Ort“. Es sind die Orientierungspunkte, die das inhaltliche Gerüst des Transformationsprozesses „verändert bleiben“ im Bistum Osnabrück bilden. „Transformation schaut nicht auf den Abbau, sondern sie schaut nach vorne“, sagte Fabian Sandkühler aus der Abteilung Seelsorge im Bistum Osnabrück.
Wobei er nicht verschwieg, dass die Zahlen nach unten gehen: Alle Prognosen bescheinigen dem Bistum unter anderem weniger Mitglieder. Aber dieser Rückgang sei nicht das Entscheidende, sondern das Schwinden der Verbundenheit, so Sandkühler. „Religiosität ist kein Bedürfnis mehr, sie wird von vielen Menschen nicht mehr verstanden. Unsere Angebote werden nicht mehr angenommen.“ Auch das solle im Dekanatsprozess besprochen werden: Wie kann man künftig als Kirche attraktiv für die Menschen sein? Die Orientierungspunkte gäben eine Richtung vor.

Die Rahmenbedingungen
Die Transformation muss mit weniger Ressourcen gelingen. Zwar bleiben die Kirchensteuereinnahmen voraussichtlich bis 2040 stabil – „Wir haben kein Einnahmeproblem“, sagte Timo Brunsmann, Leiter der Abteilung Kirchengemeinden im BGV. Doch die Ausgaben steigen: Personal- und Energiekosten belasten den Haushalt. Im Bistum klafft eine Finanzierungslücke. Abhilfe soll unter anderem ein neues Projekt schaffen: Es zielt darauf ab, die Verwaltung vor Ort zu verschlanken, zu modernisieren und zu professionalisieren.
Auch beim pastoralen Personal wird es Einschnitte geben. Yvonne von Wulfen, die bischöfliche Personalreferentin, erklärte, dass ab 2030 im Dekanat Emsland-Süd fast die Hälfte der Stellen wegfallen wird. Das liege nicht nur an den begrenzten Finanzmitteln, sondern auch daran, dass immer weniger Menschen diese Berufe ergreifen. Doch auch hier baue man weiter an der Zukunft: Es sollen Entwicklungs- und Innovationsstellen entstehen, um pastorale Aufgabenfelder weiterzuentwickeln und neue Ansätze jenseits der bisherigen Arbeit zu erproben.

Der Ablauf
Und wie jetzt „verändert bleiben“? Natalia Löster vom Team Gemeindeentwicklung und Organisationsberatung, die den Prozess mit Dekanatsreferent Holger Berentzen begleitet, stellte den Ablauf des Dekanatsprozesses vor. Von der Initiierung und Sondierung bis hin zur finalen Umsetzung reicht der Weg. „Alle Schritte gehen nur gemeinsam“, sagte Natalia Löster und lud zur Mitarbeit ein: „Sie sind alle Expert*innen.“ Es seien alle Interessierte gefragt, sich zu engagieren. Die erste Möglichkeit sei eine Umfrage, die die Grundlage für den Prozess bildet und die online und offline – mittels Fragebogen in den Kirchen – angeboten wird.
Die Reaktionen
Die Veranstaltung war dialogisch angelegt, mit Raum für Nachfragen. Diskutiert wurden Themen wie die künftigen Kirchensteuereinnahmen, die Aufgabenverteilung der Priester, die Unterstützung der Gemeindeteams vor Ort und die Rolle der Verbände im Prozess. Eine Stimme mahnte, klare Rahmenbedingungen zu schaffen: „Sonst bauen wir Luftschlösser, die später nicht umsetzbar sind. “
Das Fazit eines Kirchenvorstands aus dem Dekanat fiel positiv aus: „Der Abend war informativ, mit viel Input, den wir jetzt verarbeiten müssen. Wichtig ist, dass wir den Dekanatsprozess in die Gemeinde tragen und die Mitglieder mitnehmen. “

Dechant Thomas Burke blickt nach diesem Abend optimistisch auf den Dekanatsprozess: „Der Abend war sehr ermutigend“, sagte er und blickt voraus: „Wer sich an diesem Prozess beteiligt, wird seine Berufung als Christ vertiefen und möglicherweise neu entdecken. Und vielleicht führt uns der Prozess auch zu Menschen, die von Christus noch nichts gehört haben.“