Leben – füreinander

Frau läuft unter Menschen im Straßenverkehr
Bild: Canva.com

In jener Zeit begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären: Er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten und Hohepriestern und Schriftgelehrten vieles erleiden, getötet und am dritten Tag auferweckt werden. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen, und sagte: Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen! Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis kann ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Herrlichkeit seines Vaters kommen und dann wird er jedem nach seinen Taten vergelten.

Matthäus 16,21-27

Du Satan? Was ist denn da los? Einem Freund heute solche Worte an den Kopf zu werfen, ist kaum vorstellbar. Natürlich wollte Petrus seinen Freund nicht verlieren und ihn vor dem bewahren, was ihm bevorstand. Seine Absicht war gut – und gerade deshalb ist die Antwort Jesu zunächst so irritierend. Doch Petrus denkt aus menschlicher Perspektive: Er möchte Jesus Leid ersparen. Jesus macht ihm mit seinen Worten knallhart deutlich, dass er seinen Weg nicht nach dem ausrichten kann, was für ihn selbst am sichersten oder angenehmsten wäre.

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Das Wort Satan kommt aus dem Griechischen und meint in diesem Zusammenhang jemanden, der Widerstand leistet, so etwas wie eine (innere oder äußere) Stimme, die uns dazu bringt, etwas zu tun, was eher egoistisch ist oder vermeintlichen gesellschaftlichen Vorgaben entspricht.
Petrus hat genau das hier versucht. Er wollte seinen Freund nicht verlieren. Deshalb hat Jesus ihm mit diesen harten Worten erklärt, dass es hier nicht darum geht, Leid um jeden Preis zu vermeiden. Dass er diesen Weg auf sich nimmt – nicht um seinetwillen, sondern für die Menschen.

Und kann das für uns heute bedeuten?
Wir leben in einer Leistungs- und Optimierungsgesellschaft. Uns wird oft vermittelt: Schau auf dich selbst, deinen Nutzen und vermeide Konflikte. Das kann auch bedeuten, dass wir es als christliche Personen manchmal schwer haben, den Weg auf uns zu nehmen und für die Gerechtigkeit, für benachteiligte Menschen oder für unbequeme Wahrheiten einzustehen. Nicht nur weil die Gesellschaft und andere Menschen das behindern, sondern auch, weil wir uns selbst im Weg stehen. Uns sogar fragen: Wieso und für wen tust du das überhaupt?

Nachfolge bedeutet daher die Hinwendung zu Jesus, sich an ihm auszurichten und uns immer wieder selbst zu fragen, wie wir heute in seinem Sinne handeln können. Sie ist kein Gut, das unser Leben einfach nur ein bisschen netter macht. Nachfolge fordert uns immer wieder heraus. Sich selbst zu verleugnen bedeutet nicht, sich selbst zu zerstören. Es bedeutet, nicht länger egoistisch zu handeln, sondern sich u. a. für benachteiligte Menschen oder für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Das braucht immer wieder Mut und auch Kraft.

Genau das meint Jesus doch damit, wenn er sagt: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“

Wir finden unser Leben eben dann, wenn wir nicht die ganze Zeit nur an uns selbst denken.

Eva Gutschner

Niemals, so lange die Erde besteht, werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören.

1.Mose 8,22