Licht und Frieden

Sonnenaufgang auf einem Deich mit zwei Hunden und einem Mann in der Ferne
Bild: Canva.com

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Mágdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse.

Johannes 20,1-9

Es ist dunkel als Maria von Magdala zum Grab kommt. Dunkel draußen – und vielleicht auch in ihrem Inneren – Trauer, Verwirrung, Leere. Doch genau in diese Dunkelheit hinein geschieht etwas Unerwartetes: Das Grab ist offen. Der Stein ist weggerollt. Was zunächst wie ein weiterer Schock wirkt, wird zum ersten Zeichen eines neuen Anfangs.

Rundes Portraitfoto von Kirsten Ludwig

Wo Licht und Frieden aufscheinen ein Motto, das mich in meiner Arbeit in diesen Tagen beschäftigt. Licht und Frieden entstehen hier, ganz leise. Kein grelles Wunder, kein triumphaler Auftritt. Stattdessen: ein leeres Grab, zurückgelassene Leinentücher und viele Fragen. Petrus und der andere Jünger laufen, suchen, sehen – und beginnen zu glauben, ohne schon alles zu verstehen. „Er sah und glaubte“ (Joh 20,8) – ein kurzer Satz, voller Tiefe. Glauben wächst hier nicht aus Gewissheit, sondern aus einem tastenden Sehen, aus einem offenen Herzen.

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Das Licht der Auferstehung bricht nicht mit einem Schlag über die Welt herein. Es tastet sich vor, so wie der erste Schimmer am frühen Morgen, wenn die Sonne aufgeht. Es zeigt sich in Zeichen, die gedeutet werden wollen. Es lädt ein, den eigenen Weg vom Sehen zum Glauben zu gehen.

Auch in unserem Leben gibt es diese Momente: Zeiten der Dunkelheit, in denen Sicherheiten wegbrechen. Doch gerade dort kann sich etwas öffnen. Ein neuer Blick. Ein leiser Hoffnungsschimmer. Ein Friede, der nicht laut daherkommt, sondern sich vorsichtig Raum schafft.

Der Ostermorgen erzählt davon: Das Licht ist schon da – auch wenn es noch nicht alles erhellt. Der Friede ist möglich – auch wenn noch Fragen bleiben. Wer sich auf den Weg macht, wer hinschaut und sich berühren lässt, kann entdecken: Das Leben ist stärker als der Tod.

Wo Licht und Frieden aufscheinen, da beginnt Auferstehung – mitten im Leben.

Kirsten Ludwig

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben.

Römer 15,13