Schaut den Regenbogen an

Regenbogen
Bild: unsplash.com, Annie Spratt Public Domain

Dass Farben die Stimmung heben können, ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen: Blau wirkt auf viele Menschen beruhigend, Rot anregend, Grün beruhigend und Gelb macht fröhlich. Auch die liturgischen Farben in der Kirche haben eine wichtige Bedeutung. Welche eigentlich?

Viele Bereiche des täglichen Lebens machen sich die Wirkung von Farben zunutze, zum Beispiel in der Psychologie und Architektur, oder in der Mode, Kunst und Werbung. Auch in der katholischen Kirche haben Farben eine wichtige Bedeutung. Es gibt spezielle liturgische Farben, die im Laufe des Kirchenjahres immer wieder auftauchen: in der Kleidung der Geistlichen oder bei der Dekoration zu bestimmten kirchlichen Festen. Im Wesentlichen sind das: weiß, grün, violett, rot und schwarz.

10.000 Schnecken für ein Gramm Purpur

Im frühen Christentum gab es für liturgische Kleidung keine bestimmten Farbvorschriften. Als teuerstes Färbeverfahren galt jedoch die Färbung von Stoffen mit dem Sekret der Purpurschnecke. Für ein Gramm Purpursekret braucht es rund 10.000 Schnecken! Kein Wunder, dass die Purpurfärbung von Stoffen kostbar und teuer war. Schwarz als besonders dunkles Purpur war aus diesem Grund lange keine Trauerfarbe, sondern die Farbe besonders festlicher Kleidung. Weiter ging die Abstufung über lila und rot bis zu rosa. So, wie Purpur in der säkularen Welt Kaisern und großen Feldherren vorbehalten war, durften in der Kirche zunächst nur der Papst, später dann auch Kardinäle diese Farbe tragen. Gleichzeitig wurde jedoch auch in vielen Zusammenhängen Weiß als liturgische Farbe bevorzugt: in Erinnerung an die Taufe und die Reinheit des Glaubens.

Ein Papst und der liturgische Farbkanon

Taufe, Bild: fotolia.de, b_sonders
Bei der Taufe tragen sowohl der Priester als auch der Täufling Weiß Bild: fotolia.de, b_sonders

Im 12. Jahrhundert entstand unter Papst Innozenz III. ein liturgischer Farbkanon, der bis heute weitgehend seine Geltung behalten hat. Das Pastoralliturgische Handlexikon fasst die heutige Regelung zusammen: „Weiß für Oster- und Weihnachtszeit, Feste des Herrn, Marias, der Engel und jener Heiligen, die nicht Märtyrer sind. Rot für Palmsonntag, Karfreitag und Kreuzerhöhung, Pfingsten, Apostel- und Märtyrerfeste. Grün für die allgemeine Kirchenjahreszeit. Violett für Advents- und Fastenzeit, möglich auch bei der Liturgie für Verstorbene, für die aber auch weiterhin Schwarz verwendet werden kann. Rosa an Gaudete (3. Advents- sonntag) und Laetare (4. Sonntag der Fastenzeit).“

Eine Farbe für die Kraft, eine Farbe für die Umkehr

Dabei erinnert das Weiß der Oster- und Weihnachtszeit an das Kommen des Lichts der Welt und die Überwindung der Finsternis des Todes. Weiß ist die Farbe der Unschuld und Reinheit, die Farbe der Taufe. Rot ist die Farbe des Feuers und des Blutes, Ausdruck von Leben, Kraft und Leidenschaft. Es wird am Karfreitag und an den Märtyrerfesten verwendet, um an das für Gott vergossene Blut zu erinnern – an Pfingsten steht es für das Feuer des Heiligen Geistes. Grün ist als Farbe zwischen dem Blau des Himmels und dem Rot der Hölle eine mittlere, menschliche Farbe. Sie ist außerdem die Farbe der Kardinalstugend Hoffnung und des Paradieses. Violett steht für Mäßigung, Buße und Umkehr – vor allem in der Advents- und Fastenzeit.

Die Bibel erzählt in ihrem ersten Buch, dass Gott nach der Sintflut den Regenbogen als Zeichen des Bundes zwischen ihm und Noach als Stammvater für die neue Erdenbevölkerung gesetzt hat (1. Moses 9, 8-17). Wenn sich in Kirchen, im Gottesdienst, die Farben zu einem bunten Regenbogen vereinen, dann erinnern wir Christen uns an diesen Bund und haben allen Grund zum Jubeln: „Schau den Regenbogen an und preise seinen Schöpfer; denn überaus schön und herrlich ist er.“ (Jesus Sirach 43, 11)