Hoffen und hüpfen – Tipps für mehr Zuversicht im Alltag

Mädchen springt Hüpfkästchen
Bild: AdobeStock.com, iuricazac

Ostern, ein Fest der Hoffnung! Aber wie steht es um unsere Hoffnung angesichts der Weltlage, mit Blick auf Kriege und Umweltkatastrophen, auf gesellschaftliche Spannungen und Spaltung, auf Stress, Streit, Krankheit und persönliches Unglück? Experte Martin Splett erzählt hier, warum er als Christ die Hoffnung nicht verliert und welche Alltagstipps auch Ihnen helfen können, zuversichtlicher durchs Leben zu gehen.

Hoffnung, was ist das eigentlich? Hoffen, wie geht das? Diese Fragen interessieren Martin Splett nicht nur philosophisch und persönlich, sondern sie begegnen ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen ganz konkret, beispielsweise in der Klinik-, Gefängnis- und Notfallseelsorge oder in der Trauerbegleitung. Splett ist im Seelsorgeamt des Bistums für die sogenannte „diakonische Pastoral“ verantwortlich, also für die seelsorgliche Unterstützung von Menschen mit Sorgen und Problemen, mit Schwächen und Beeinträchtigungen. Für ihn ist Hoffnung eine Haltung, mit der Menschen auf eine Sehnsucht oder eine Bedürftigkeit reagieren können – manchmal fröhlich, voll Zuversicht, und manchmal eher im Sinne eines trotzigen „Dennoch“.

Martin Splett
Martin Splett

Der Hoffnung sei schon eine gewisse Zuversicht eigen, meint Splett. Zugleich dürfe sie nicht mit positivem Denken oder simplem Optimismus gleichgesetzt werden; sie sei immer ein Wagnis und brauche Vertrauen, um inneren Halt und Mut zum Handeln zu geben. Gerne zitiert Splett in diesem Zusammenhang den tschechischen Schriftsteller und ehemaligen Staatspräsidenten Václav Havel: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“ Wer hofft, legt mit dieser Einstellung nicht wartend die Hände in den Schoß, sondern kann Herausforderungen und Krisen engagiert, beherzt angehen.

Mit Blick auf die vielen Freuden und Leiden des Lebens betont Splett, dass Hoffnung nicht leichtfertig zu haben sei. Hoffnung lasse und brauche sogar mitunter Raum für Trauer, Angst oder auch Wut, ja paradoxerweise selbst für Resignation und Hoffnungslosigkeit. In Anlehnung an Abraham spricht etwa Paulus im Römerbrief von der Hoffnung der Christen als einer „Hoffnung wider alle Hoffnung“ (Römer 4,18).

Hoffnung als Anker und Auftrag

Ostereier auf einer Wiese
Ostereier gelten im christlichen Glauben als Symbol für das Leben.

Ihren Ausgangs- und Höhepunkt hat diese Hoffnung im Osterereignis, in der Auferstehung des gekreuzigten Jesus: Nicht am Tod vorbei, sondern durch den Tod hindurch und über den Tod hinaus zeige sich die frohe Botschaft vom Gott des Lebens, die Splett in einen Slogan packt: „Licht gewinnt! Liebe gewinnt! Leben gewinnt!“ Der Auferstandene werde damit zum Anker christlicher Hoffnung. Wer glaubt, hofft darauf, dass im Letzten nicht Unrecht, Leid und Tod die Oberhand behalten. Deswegen lohne es sich, zu leben, zu lieben und gegen Leiden anzugehen.  

Für Christinnen und Christen sei die Hoffnung von Ostern nicht nur die Grundlage ihres eigenen Glaubens, sondern enthalte auch einen Auftrag für die Welt, die Hoffnung dringend nötig habe, so Splett: „Wir sollen ja Salz der Erde sein, Licht der Welt; mit Hoffnung das Leben würzen und Hoffnung ausstrahlen, damit auch andere neue Hoffnung schöpfen können.“

Dabei sei klar: Hoffnung kann nicht einfach gespendet oder weitergereicht werden. Schon gar nicht sei sie billiger Trost gegen die Trauer. Wer Hoffnung bezeugen und ausstrahlen will, muss das Leben und Leiden von Menschen ernst nehmen und teilen; dazu zitiert Splett noch einmal Paulus: „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden.“ (Römer 12,15)

Weitere Infos

Wie geht hoffen nun ganz praktisch? Splett hat dafür ein einprägsames Bild: „Hoffen heißt hüpfen! Die zwei Worte haben den gleichen Ursprung: das mittelalterliche Wort „hopen“, das früher verwendet wurde, wenn jemand vor Erwartung ganz zappelig war.“

Hoffen hat also etwas Passives, Erwartungsvolles und ist zugleich etwa Aktives: „Hoffnung braucht Bewegung und setzt in Bewegung. Man kann sie nicht machen, aber man kann sie einüben, sich auf sie einlassen. Und zum Hoffen gehört sowohl, Altes loszulassen, als auch, Neues zuzulassen“, erläutert Splett.

Konkrete Tipps für mehr Zuversicht im Alltag gibt es in der folgenden Liste – zum Lesen einfach draufklicken:

„Binde deinen Karren an einen Stern“ – dieser Rat wird Leonardo da Vinci zugeschrieben. Er bedeutet: Schauen Sie nicht nur auf das, was Sie im Alltag beschäftigt und bindet, vielleicht sogar belastet. Schauen Sie auf zum Himmel, wagen Sie zu träumen, Visionen zu haben; lassen Sie sich von einem höheren Ziel leiten. Was inspiriert Sie? Wo zieht es Sie hin? Was sagt Ihr Bauchgefühl, was Ihr Herz? Diese Fragen können helfen, der Sehnsucht auf die Spur zu kommen, sie zuzulassen – und ihr zu folgen! Mehr dazu in Punkt 3 zum Thema Mut.

Mal nichts wissen, nichts erwarten, offen für wirklich Neues sein – auch das kann helfen, die Sehnsucht wahrzunehmen. Ist allerdings leichter gesagt als getan. Vielen Situationen begegnen wir mit bewährten Verhaltensweisen, das ist ganz natürlich. Aber für manche Lebenslagen funktionieren Strategien aus der Vergangenheit einfach nicht. Statt zu verzweifeln, machen Sie sich frei von Erwartungen und Denkmustern und versuchen Sie, das Leben unvoreingenommen zu betrachten. Wer das schafft, wird entlastet und kann vielleicht überraschende Hoffnungsschimmer und ganz neue Wege entdecken.

Eins vorweg: Es muss nicht immer alles klappen. Hört sich banal an, ist aber eine wichtige Erkenntnis, wenn man mutig sein will. Nicht alles planen und organisieren; etwas Neues beginnen; etwas Bewährtes lassen; einen Weg einschlagen, ohne genau zu wissen, wohin er führt; etwas ganz anders machen, als alle anderen – all das sind Wagnisse, zu denen man sich im Wissen, dass man auch scheitern kann, immer wieder neu überwinden kann. Tipp: Fangen Sie mit kleinen Taten an: Heute mal einen anderen Weg zur Arbeit nehmen; etwas essen, das Sie noch nie probiert haben. Mut kann man trainieren – und gleichzeitig Hoffnung einüben.

Ein kleiner Test: Bevor Sie weiterlesen, schauen Sie sich zunächst die folgende Grafik an. Was sehen Sie?

Die meisten Menschen fokussieren sich bei der Beschreibung des Bildes auf den schwarzen Bereich – auf den Riss bzw. das, was sie dort sehen. Wir sind geneigt, zuerst das Dunkle zu sehen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Ein Vorschlag: einfach mal die Perspektive wechseln, das viele Weiß sehen, das bunt bemalt werden könnte; also die vielen Möglichkeiten, die noch gestaltet werden könnten. Nach dem Hellen und Bunten Ausschau halten, statt nur aufs Dunkle zu starren.

Auch hier geht es nicht darum, das Dunkle zu verneinen; es geht aber darum, das Helle zu bejahen. Drei Dinge, für die Sie dankbar sind, am Morgen oder Abend benannt, bestenfalls sogar aufgeschrieben, helfen nicht nur, das Helle zu sehen, sondern auch, das Gute in Erinnerung zu rufen. Wer ein Tagebuch oder ein Marmeladenglas voll Dankbarkeitsmomenten besitzt, kann in harten Zeiten, in denen das Hoffen schwerfällt, zurückblättern und sich erinnern, dass das Leben zwar nicht immer leicht ist, aber auch nur selten völlig hoffnungslos.

Es kann nicht immer alles gut sein – wer das akzeptiert, lebt befreiter. Das ist leichter gesagt als verinnerlicht: helle und dunkle Zeiten, leichte und schwierige Tage gehören zum Leben dazu. Wer Wut, Enttäuschung, Angst oder Traurigkeit spürt, kann auch Hoffnung, Freude und Glück schätzen. Zugleich bleibt wichtig: Was hässlich ist, darf und soll nicht schön geredet werden.

Der jüdische Psychiater Victor Frankl überlebte mehrere Konzentrationslager, weil er trotz großen Leidens an der Sinnhaftigkeit seines Lebens festhielt. Aufgrund seiner Erfahrungen entwickelte er die sogenannte Logotherapie, nach dem Motto: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Er war überzeugt davon, dass ein starker Lebenssinn oder ein konkretes Ziel Menschen befähigt, extreme Schwierigkeiten zu überwinden. Denn auch in schlimmen Situationen besitze der Mensch die letzte Freiheit, eine innere Haltung gegenüber den äußeren Umständen einzunehmen, dem Erlebten eine eigene Bedeutung zu geben und Sinnperspektiven zu entwickeln. Das bedeutet nicht, Übles gut zu nennen, sondern zu versuchen, in sinnlos erscheinenden Situationen Sinn zu gestalten.

Egal ob Klage oder Bitte – im Gespräch mit Gott kann man Hoffnung schöpfen oder zumindest Hoffnungslosigkeit abladen. Keine Ahnung, wie das gehen soll? Hier auf der Übersichtsseite gibt es hilfreiche Tipps: https://bistum-osnabrueck.de/beten

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Dieser Satz des brasilianischen Schriftstellers Fernando Sabino wurde inzwischen auf so viele Postkarten, Kalender und T-Shirts gedruckt, dass er vielen nur noch banal erscheint. Aber das ist er nicht! Seine Aussage geht in die Tiefe und zeugt von unendlichem Vertrauen in das Gute. Wer es schafft, sich an diesem Gedanken zu orientieren und sein Leben danach auszurichten, ist auf jeden Fall mit Hoffnung unterwegs. Und wer an den Gott glaubt, der Jesus vom Tod auferweckt hat, hat für diese Hoffnung einen guten Grund. Die österliche Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod kann auch schon unser Leben vor dem Tod verändern.

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben.

Römer 15,13