Verändert bleiben: Wir entwickeln Kirche vor Ort

Das Prozessionskreuz in der Kirche St. Bonifatius in Lingen - im Hintergrund die Roll-ups zu den Orientierungspunkten.
Die Bedeutung von Kirche und Glaube neu zu entdecken ist ein Bestandteil der Dekanatsprozesse im Bistum Osnabrück Bild: Bistum Osnabrück

„Wir können auch Kirche, Gemeinde sein, wenn wir nicht an jedem Ort ein Kirchgebäude haben“, davon ist Bischof Dominicus überzeugt. Er lässt sich vom fünften Orientierungspunkt für eine künftige Kirche im Bistum zu Gedanken darüber inspirieren, wie Kirche auch ohne Kirchtürme lebendig bleibt:  

Der fünfte Orientierungspunkt trägt die Überschrift „Wir entwickeln Kirche vor Ort“. Der Orientierungspunkt selber ist so knapp, dass ich ihn ganz wiedergeben kann: „Kirche soll als Heimat erlebt werden. Entscheidungen sind besonders wirksam, wenn sie in der Region getroffen werden und viele Menschen daran beteiligt sind.“

Das klingt so selbstverständlich und hat doch eine Spannung, die in dieser Zeit der Veränderung größer wird, denn „Kirche vor Ort“ heißt nicht mehr immer „Kirchturm vor Ort“. Dieser Orientierungspunkt fordert uns heraus, darüber nachzudenken, was „Kirche“ ist und wie wir „Gemeinde“ verstehen.

„Gemeinde“, das ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die zusammenkommt, um zu feiern, zu beten, Gemeinsames zu tun, weil wir Christinnen und Christen sind. Bisher geschah das oft in der Kirche am Ort oder im Pfarrheim. Was aber ist, wenn wir Kirchen schließen müssen oder Pfarrheime verkaufen? Hört Kirche dann auf, „vor Ort“ zu sein?

Orientierungspunkt zukünftige Kirche im Bistum Osnabrück

Nein, ganz sicher nicht. Wir können auch Kirche, Gemeinde sein, wenn wir nicht an jedem Ort ein Kirchgebäude haben. Bereits heute haben viele Pfarrgemeinden Erfahrungen damit, dass sie nicht alles selber und allein machen müssen, sondern in den Pfarreigemeinschaften und Kirchspielen Aufgaben teilen. In unserem Diaspora-Bistum wissen viele Gläubige, was es bedeutet, für die Eucharistiefeier recht weite Strecken zu fahren. Wir haben Erfahrungsschätze im Bistum zur Frage, wie Kirche auch ohne Kirchtürme lebendig ist.  

Weitere Infos

Hinzu kommt die zweite Dimension, die der Orientierungspunkt anspricht: Die Beteiligung vieler Menschen. In den Regionen gibt es eine Vielfalt von Ideen. Es gibt unterschiedliche Traditionen und Bräuche, die weiterentwickelt werden können oder aus denen Neues hervorgehen kann. Das Wissen darum liegt vor Ort. Ideen und Entscheidungen, die aus diesem Wissen getroffen werden, im Dialog mit dem Bischof, haben auch eine viel größere Akzeptanz als Vorgaben „aus Osnabrück“. Konkret wird das vor allem in den Dekanatsprozessen.

Ich schreibe diesen Text wenige Tage nach Pfingsten. Wir feiern dieses Fest auch als Geburtsfest der Kirche. Wir dürfen darauf vertrauen, dass der Heilige Geist auch heute Kirche immer neu im Wortsinn inspiriert – wenn wir uns für ihn öffnen, wie es die Jüngerinnen und Jünger Jesu getan haben. Dass das bisweilen zu ganz neuen und unerwarteten Perspektiven führt, gehört zu jedem Pfingstereignis. Haben Sie Mut!

Heiterkeit des Herzens ist
Leben für den Menschen

Jesus Sirach 30,22
Sommer, Sonnenuntergang, Meer, lächeln