Was kostet der Geist?
Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus. Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat. Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Verkrüppelte wurden geheilt. So herrschte große Freude in jener Stadt. (V.5-8)
Ein Mann namens Simon hatte schon länger in der Stadt Zauberei getrieben und das Volk von Samarien in Staunen versetzt; er gab sich als etwas Großes aus. Alle achteten auf ihn, Klein und Groß, und sie sagten: Dieser ist die Kraft Gottes, die man die Große nennt. Sie achteten aber deshalb auf ihn, weil er sie lange Zeit durch Zaubereien in Staunen versetzt hatte. Als sie jedoch dem Philippus Glauben schenkten, der das Evangelium vom Reich Gottes und vom Namen Jesu Christi verkündete, ließen sie sich taufen, Männer und Frauen. Auch Simon wurde gläubig, ließ sich taufen und schloss sich dem Philippus an; und als er die großen Zeichen und Machttaten sah, geriet er außer sich vor Staunen. (V.9-13)
Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn. Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist. (V.14-17)
Als Simon sah, dass durch die Handauflegung der Apostel der Geist verliehen wird, brachte er ihnen Geld und sagte: Gebt auch mir diese Vollmacht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfängt! Petrus aber sagte zu ihm: Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, wenn du meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Geld kaufen. Du hast weder einen Anteil daran noch ein Recht darauf, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Wende dich von deiner Bosheit ab und bitte den Herrn, dass dir das Ansinnen deines Herzens vergeben werde! Denn ich sehe dich voll bitterer Galle und in Unrecht verstrickt. Da antwortete Simon: Betet ihr für mich zum Herrn, damit mich nichts von dem trifft, was ihr gesagt habt! Nachdem sie so das Wort des Herrn bezeugt und verkündet hatten, machten sie sich auf den Weg zurück nach Jerusalem und verkündeten in vielen Dörfern der Samariter das Evangelium. (V.18-25)
Apostelgeschichte 8, 5–25

Hier kommentieren jede Woche Menschen aus dem Bistum Osnabrück eine Bibelstelle aus einer der aktuellen Sonntagslesungen – pointiert, modern und vor allem ganz persönlich.
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Manchmal liest sich die Sonntagslesung wie eine sehr nüchterne, sachliche und lineare Berichterstattung – wie zum Beispiel der heutige Abschnitt aus der Apostelgeschichte: Ein Jünger Jesu missioniert erfolgreich in Samarien, die Vertreter der Apostel in Jerusalem – also „die Autorität“ – schicken zwei Abgesandte; diese stellen fest, dass noch etwas fehlt, und zwar der Heilige Geist. Durch ihr Gebet wird diese Gabe den Getauften in Samarien gewährt.
Man versteht das Ziel der Redaktion des Lektionars: vor Pfingsten auf die fehlende, vollendende Präsenz des Heiligen Geistes hinweisen. Klingt pädagogisch sauber aufbereitet, zu sauber – möchte man sagen.
Liest man den gesamten Textauszug aus der Apostelgeschichte kommt Spannung hinein: viel Bewegung, Kontraste, Meinungsunterschiede. Es geht in den Versen 9-13 und 18-25 um einen Simon, ein Zauberer aus Samarien, der nach dem Wirken Philippus auch gläubig wird. Dieser Mann schaut Petrus und Johannes zu, sieht, wie der Heilige Geist über die Menschen kommt, und sein erster Gedanke ist: Das muss ich haben – was kostet das?
Ja, Sie haben es richtig gelesen. Er will sich eine geistliche Gabe, den Heiligen Geist kaufen. Mit Geld. Wie klingt es bei Ihnen? Einige mögen an Episoden aus der Kirchengeschichte denken, wo Machtgier und entsprechende Geldflüsse eine Rolle spielen – siehe z.B. der jüngste Vorfall um Kardinal Becciu im Vatikan. Einige werden daran denken, dass mentale Gesundheit und Wellbeing Angebote durchaus mit Geld zu haben sind. Einige werden daran denken, dass gesellschaftliche Macht über Stimmungsmache auf den Social Media-Kanälen käuflich scheint.
Aber der Text betont: Der heilige Geist lässt sich nicht kaufen. Es ist eine Gnade, den heiligen Geist empfangen zu dürfen. Oder anders formuliert: Es ist ein Geschenk, von der heiligen Geisteskraft durchströmt zu werden.
Warum wurde dieser spannungsreiche Abschnitt aus der liturgischen Lesung rausgeschnitten? Die Pragmatiker werden wohl sagen: Die Lesung wäre zu lang, man muss sich auf das Wesentliche konzentrieren. Aber was das Wesentliche ist, ist eine Entscheidungsfrage. Mir geben die ausgelassenen Zeilen einen realistischeren Einblick in die Urkirche – mit allen Spannungen, Missverständnissen und Konflikten und mitten darin die wesentliche Botschaft: Geisteskraft ist nicht käuflich.
Dieser Simon wirkt übrigens am Ende auch sympathisch, wenn man den ganzen Abschnitt liest: Nachdem Petrus ihn verdammt hat – „Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, wenn du meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Geld kaufen“ bittet Simon demütig um sein Gebet, um diese harte Konsequenz zu vermeiden. Er scheint etwas verstanden zu haben.Mein Tipp: Wer sich nicht mit geschönten und glattgebügelten Texten zufriedengeben will, sollte sich die Mühe machen und die Bibel zur Hand nehmen. Es lohnt sich – garantiert.
Roberto Piani