Was uns zusammenhält

Was uns zusammenhält
Bild: Adobe Stock, TIMDAVIDCOLLECTION

Wenn es also eine Ermahnung in Christus gibt, einen Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, ein Erbarmen und Mitgefühl, dann macht meine Freude vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig, einträchtig, dass ihr nichts aus Streitsucht und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.

Philipper 2,1-5

Die Worte des Apostel Paulus an die Gemeinde in Philippi haben eine starke Brisanz für unsere gesellschaftliche wie kirchliche Wirklichkeit. Die mahnenden und eindringlichen Worte von Paulus waren sicherlich nicht nur damals notwendig, sondern sind es auch heute.

Paulus fordert die junge Gemeinde in Philippi zu einem gemeinschaftlichen Leben auf, das dem Leben und dem Geiste Jesu entspricht. Ein Leben, eine Haltung, die sich auf die Quelle des authentischen Vorbildes Jesu zurückbesinnt. Auf den Zuspruch Jesu gegenüber jede und jeden, der in der göttlichen Liebe wurzelt. Auf die Gemeinschaft, die durch den Geist Jesu bewirkt wird und dessen Früchte Erbarmen, Mitgefühl, Demut, Einmütig- und Einträchtigkeit sind. Dass diese Rückbesinnung auf den Geist Jesu und das gemeinschaftliche Leben aus diesem auch den frühen Christ*innen nicht leicht viel, dafür stehen diese mahnenden Worte von Paulus.

Hermann Steinkamp
Das Bibelfenster

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„Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.“ Für mich ist dieser Satz eine Mahnung an uns heute. Angesichts der Kräfte, die in unserer Gesellschaft nur sich selbst, die eigene soziale Gruppe im Blick haben, die Freiheit ausschließlich als die eigene, individuelle Freiheit erachten, die den Blick auf die anderen gesellschaftlichen Gruppen und auf die Allgemeinheit als persönliche Gängelung ansehen, braucht es eine Stimme, die sich stark macht für das, was existentielle Marker für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft sind: Gemeinsinn und Gemeinwohl. Dass unsere Gesellschaft hier in eine Schieflage gekommen ist, davon zeugen auch die auffällig vielen Buchtitel, die mit den Begriffen wie Gemeinsinn, Zusammenhalten, Zusammenhaltestelle u. a. im Titel aufwarten.

Aus der Gesellschaft und Politik wird mit Blick auf die Kirchen immer mal wieder gefragt, was diese angesichts der Krise des gesellschaftlichen Zusammenhaltens anzubieten hätten. Und wir als Kirchen hätten mit dem Verweis auf Paulus und diese Stelle im Philipperbrief auch durchaus etwas anzubieten. Denn das Gemeinwohl gehört zu den ureigenen Zielperspektiven christlichen Handelns. Christlicher Glaube erschöpft sich eben nicht im Blick auf das eigene Leben oder das persönliche Heil. Christlicher Glaube fragt danach, was dem Leben aller dient.

Die Kirchen weltweit und auch in Deutschland sind, angestoßen durch Papst Franziskus, gemeinsam unterwegs, um miteinander zu klären, wie die Kirche noch besser im Geist Jesu, im Geist von Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit und Gemeinwohl auf dem Weg sein kann. Und dies nicht nur als Selbstzweck für die Kirche, sondern für alle Menschen im Sozialraum vor Ort und darüber hinaus.

Dieses gemeinsame kirchliche Unterwegssein heißt Synodalität. Gemeinwohl und Synodalität gehören dabei eng zusammen. Gemeinwohl fragt danach, was dem Wohl aller dient. Und die Synodalität: Wie kommen wir gemeinsam zu Entscheidungen, die dem Wohl aller dienen? Synodalität fördert dabei eine Haltung, die Solidarität statt Einzelinteressen stärkt, Dialog statt Ausgrenzung und Verantwortung statt Gleichgültigkeit.

Hermann Steinkamp

Mit ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit.

Sprüche 3,5