Wie machen die das? Täterstrategien

Sexuelle Übergriffe bzw. Gewaltanwendungen finden oft nicht spontan statt, sondern sind „von langer Hand“ geplant. Die Täter knüpfen dabei schon im Vorfeld des Missbrauchs ein immer engeres Beziehungs- und Vertrauensgeflecht zu der/dem späteren Geschädigten, in das auch die Familie, Freunde, Kollegen etc. mit einbezogen werden. Im Schatten dieses Vertrauens wird dann die Nähe zu der für den Übergriff ausgewählte Person gesucht, ohne dabei Misstrauen zu erwecken.

Der beste Schutz für die Täter ist der, wenn sich niemand vorstellen kann, dass gerade dieser sympathische Mann oder diese nette Frau „zu so etwas“ fähig sein soll. Täter tun stets ihr Bestes und manipulieren das beteiligte Umfeld, um ein positives Bild von sich aufzubauen.

Falls ein/-e Betroffene/-er (Opfer) dann doch etwas erzählen sollte, ist die Chance, dass ihr/ihm geglaubt wird, in diesem Fall besonders gering. Viele Täter arbeiten daher auch in sozialen, medizinischen, kirchlichen und in betreuenden Berufen und Einrichtungen, in denen sie ihre berufliche Machtstellung und auch den damit verbundenen Vertrauensvorschuss der Beteiligten ausnutzen.

Die Vorgehensweise der Täter kann im Einzelnen sein:

Beobachten. Täter studieren und beobachten sehr genau das (Freizeit-)Verhalten und die Vorlieben, auch die bevorzugten Aufenthaltsorte und Zeiten der Schutzbefohlenen.

Kontaktaufnahme. Die Täter sprechen die ausgewählten Betroffenen geschickt mit unauffälligen Themen an, z.B. „Kannst Du mir mal beim Versenden einer SMS helfen? Ich habe ein neues Handy und kenne mich damit noch nicht so gut aus.

Beziehungsaufbau nach dem Belohnungsprinzip. Täter locken mit Annehmlichkeiten, wie zum Beispiel mit dem neuesten PC-Spiel, der Möglichkeit zur Nutzung des Internets in der Wohnung des Täters, mit Kino, Hilfe bei den Hausarbeiten, Besorgungen etc. Sie schenken Zeit und Beachtung, die die eigenen Eltern bzw. Bezugspersonen manchmal nicht für ihre Anvertrauten übrig haben.

Isolation. Täter versuchen subtil, die Kinder/Schutzbefohlenen von ihren Familien bzw. Freunden zu trennen. Diese Versuche sind sowohl auf räumliche als auch auf emotionale Trennung ausgelegt und gelingen u.a. durch das Einschleichen in die Familie, durch das Schmieden von Intrigen und durch schrittweise Manipulation der Beziehungsebene zum Betroffenen (Opfer).

Geheimhaltung. Täter versuchen, die betroffene Person (Opfer) mit Geheimnissen durch Komplizenschaft zu erpressen: „Wenn Du sagst, dass Du die Zigaretten/das Handy von mir hast, dann darfst Du nicht mehr zu mir kommen.“ Oder: „Deine Mutter wird ganz krank werden, wenn Du etwas sagst.“ Durch die vorherige Beobachtung weiß der Täter genau um Verletzlichkeiten des Betroffenen (Kindes), zum Beispiel: „Wenn Du etwas sagst, bringe ich Dein Kaninchen um.“

Sexualisierung. Täter versuchen zuerst gezielt, durch „Testrituale“ die Grenzen der betroffenen Person (Opfer) zu überschreiten und dabei ihre Reaktionen zu beobachten. Durch zufällig erscheinende Berührungen, peinliche Witze oder als „Pflege“ oder „Hilfestellung“ getarnte sexuelle Belästigung beim Sport soll herausgefunden werden, welche Kinder/Schutzbefohlene sich am wenigsten wehren können.

Sexuelle Handlungen. Darunter sind zu verstehen: Berühren und Streicheln der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale der/des Betroffenen (Opfers); Penetration mit Geschlechtsorganen bzw. Gegenständen; Vorzeigen von Bildern, Filmen oder realen Situationen zum Zweck der sexuellen Stimulation und/oder der Befriedigung (auch durch anonyme Anrufe sexuellen Inhaltes); Veranlassen von Berührungen am eigenen Körper (mit oder ohne Zwang) zum Zweck der sexuellen Befriedigung; Veranlassen sexueller Handlungen am Körper des Opfers; Fotografieren/Filmen des Opfers in sexualisierter Pose; der Gebrauch sexualisierter Worte, Blicke und Gesten, die das Opfer zum Sexualobjekt herabstufen.

Veranlassen sexueller Handlungen. Darunter ist zu verstehen: Überredung des (kindlichen) Betroffenen (Opfers) z.B. durch Geschenke, Versprechungen etc.; Ausübung von Zwang, z.B. durch Androhung von Bestrafung, Liebesentzug, Heimeinweisung etc.; Vergewaltigung durch Hinwegsetzen über die körperlichen oder verbalen Widerstände des Betroffenen (Opfers); z.B. Kissen auf das Gesicht drücken, Hals abdrücken, Todesängste einjagen; Verzerren der Realität durch gezielte Lügen: „Das machen alle Väter/Männer so“, „Das tut man, wenn man sich lieb hat“.