Wir und die anderen

Legofiguren
Bild: unsplash.com, NeONBRAND

Die Samaríterin sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samaríterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samarítern.

Johannes 4,9

Ein Auszug aus einem vielen bekannten Evangelium, das von Jesus und der Samariterin am Jakobsbrunnen und dem lebendigen Wasser erzählt. Aber heute hat mich Vers 9 besonders angesprochen: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samaríterin, um etwas zu trinken bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samarítern.“ (Joh 4,9).
Dieses Abgrenzen von anderen Volksgruppen; von Menschen, die anders heißen, anders aussehen, anders glauben, anders lieben – ist das nicht auch immer der Ursprung von Krieg? Und wäre Krieg, selbst wenn er explizit von Machthaber*innen begonnen wird, überhaupt möglich, wenn wir dieses Ausschließen anderer Menschen einfach nicht leben würden?

rundes Portraitfoto von Eva Schumacher
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Es passierte damals zu Zeiten Jesu und es passiert auch heute noch: Wo Menschen sich von Ärzten oder Pflegepersonal anderer Herkunft nicht behandeln lassen wollen; wo Menschen sich abwenden, weil andere Menschen anders lieben als sie selbst; wo Menschen urteilen, weil andere Menschen scheinbar nicht den gleichen Stand oder Stellenwert haben wie sie selbst; wo Menschen nicht akzeptieren können, dass andere anderes glauben als sie selbst. Ist es Angst, die uns Mauern bauen lässt?

Wann hört das auf, dieses leise Sortieren der Welt in Wir und Die?
Wann hören wir auf, eine Hautfarbe, eine Nationalität oder eine Kultur zu sehen, statt einfach ein Gesicht?
Wann hören wir auf, eine politische Ausrichtung, eine Meinung, einen anders-Denkenden oder anders-Seienden zu sehen, statt einfach einen Menschen mit einem schlagenden Herzen?
Wann hört das auf, dass die Angst vorm Fremden oder Anderen uns vergessen lässt, dass wir uns doch sehr gleichen im Weinen, im Hoffen, im Sterben?
Wann hört all das auf?

Vielleicht, wenn wir damit anfangen: anfangen mit dem Aufhören …

Eva Schumacher

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben.

Römer 15,13