Blick für die Hoffnung
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern! Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen des Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Matthäus 10,26-3,3
Vor ein paar Tagen las ich in der Neuen Osnabrück Zeitung (NOZ) einen Artikel über einen Jugendlichen, der sich für das öffentliche Bild seines Osnabrücker Stadtteils stark machte. Dieser Stadtteil war im NOZ-Check auf den letzten Platz gelandet. Das konnte und wollte der Jugendliche nicht so stehen lassen. Er hat einen anderen, positiven Blick auf seinen Stadtteil. Hier erlebt er eine engagierte kirchliche Jugendarbeit, den Vorteil der Stadtrandlage, mit der Nähe zum Zentrum, aber auch das erholsame Erleben der nahen Natur. In gewisser Weise waren seine positiven Wahrnehmungen und Aussagen ein eindeutiges Bekenntnis zu seinem Stadtteil. Sein Bekenntnis ist ein „liebevoller Widerstand“ gegen ein gewisses öffentliches Image seines Stadtteils. Natürlich stimmen die Aspekte einer fehlenden Infrastruktur. Aber der Jugendliche weitet seinen Blick und sieht mehr sowie die schönen Seiten seines Stadtteils und setzt sich dafür ein.

Hier kommentieren jede Woche Menschen aus dem Bistum Osnabrück eine Bibelstelle aus einer der aktuellen Sonntagslesungen – pointiert, modern und vor allem ganz persönlich.
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Beim Lesen des Artikels fragte ich mich: Wie schaue ich auf die Welt? Was nehme ich wahr und was nicht? Wovon lass ich meine Sichtweise auf die Welt im Kleinen und im Großen bestimmen? Und: Wozu würde ich mich bekennen?
Fürchtet euch nicht – die eindeutige und mehrfache Aufforderung Jesu an seine Jünger*innen im heutigen Evangelium. Und ich höre daraus: Fürchtet euch nicht vor den Menschen, die nur den Untergang sehen und predigen. Schließt euch nicht ihrer Sichtweise an. Macht euch nicht eng und hartherzig im Denken und Fühlen. Bewahrt euch ein weites Herz und einen wachen Blick für das Gute und Hoffnungsvolle in der Welt und bei den Menschen.
Jesus lädt mich ein, ja, spricht mich an, mich persönlich zu ihm zu bekennen. Ein Bekenntnis zu ihm, der Hoffnung, Vertrauen und Liebe ist – für die Menschen, für diese Welt.
„Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!“ (Mt 10,27). Ist es nicht so, dass da eine Stimme in uns ist, ein leises Flüstern, das sich mit dem Abgesang nicht zufriedengeben will? Das sich kraftvoll regt, und laut in die Welt bekennen will: „Herr, du bist die Hoffnung, wo Leben verdorrt“ (Lied im Gotteslob: Herr, du bist die Hoffnung/Und ein neuer Morgen).
Ähnlich wie der Jugendliche in Pye möchte ich mir den Blick bewahren für die Hoffnungszeichen in meiner nahen Umwelt und von diesen auch erzählen. Denn „Hoffnung gibt es nur, wenn wir sie nach draußen tragen und in die Tat umsetzen.“ (aus dem Buch „Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen“ von Julien Gupta)
Hermann Steinkamp