Das Leid der Betroffenen vergegenwärtigt

Gedenken an die Opfer sexualisierter Gewalt im Dom (von links: Inga Schmitt, Friederike Strugholtz, Max Ciolek, Simon Kampe
Gedenken an die Opfer sexualisierter Gewalt im Dom (von links: Inga Schmitt, Friederike Strugholtz, Max Ciolek, Simon Kampe Bild: Bistum Osnabrück

An die Opfer sexualisierter Gewalt wurde bei einer Veranstaltung am vergangenen Sonntag gedacht. In ihr wurde das Leid der Betroffenen vergegenwärtigt und an die Schuld der Kirche als Institution erinnert. Mehr als 100 Menschen kamen dafür in den Osnabrücker Dom.

Max Ciolek, selbst Betroffener von sexualisierter Gewalt durch einen katholischen Priester, gab während des Gedenkens ein Zeugnis, indem er den Brief vorlas, den er vor einigen Jahren an seinen Täter geschrieben hatte. Dort beschrieb er die Folgen des jahrelangen Missbrauchs, die ihn teilweise bis heute betreffen.

Weitere Infos

Für den Gebetstag für die Opfer sexuellen Missbrauchs stehen Materialien auf www.dbk.de bereit. Sie bieten Anregungen und Hilfestellungen für die Gestaltung eines Gottesdienstes, aber auch für Gottesdienstformen wie zum Beispiel eine Gebetsstunde, einen Klage-Weg oder Ähnliches.

Die Teilnehmenden waren eingeladen, sich bei verschiedenen Stationen im Kirchenraum selbst einzubringen. So konnte man sich beispielsweise unter der Überschrift „Ich fühle“ mit den Emotionen auseinandersetzen, die die Konfrontation mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und dessen Folgen auslösten. Die Station „Verletzung“ beschäftigte sich mit den Spuren, die Missbrauch bei Betroffenen und Angehörigen hinterließ – als Zeichen standen dort unter anderem Kerzen zum Anzünden bereit. Unter der Überschrift „Würde“ gab es mit Hilfe eines Spielgels Gelegenheit, die eigene Würde zu reflektieren und sichtbar zu machen. Und bei der Station „Klagemauer“ konnte man seine Klagen und Anklagen niederschreiben und zwischen die Steine heften. Die Stationen selbst werden noch bis Mittwoch, 19. November, abends im Dom aufgestellt sein.

Bischof Dominicus Meier OSB dankte dem Vorbereitungsteam aus Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur des Schutzprozesses im Bistum Osnabrück und dem Betroffenenrat Nord für die Gestaltung. Es brauche Mut, sich diesem Thema in dieser Form zu stellen, sagte er in einer kurzen Begrüßung. Und: „Ich stehe heute hier vorne nicht als einer, der Antworten hat, sondern als einer, der mit Ihnen gemeinsam den Schmerz der Betroffenen anerkennt. Als Bischof nehme ich das, was wir heute hören und spüren, unser Ringen, Suchen und Zweifeln in die weitere Arbeit und Verantwortung mit.“

Unabhängige Ansprechpersonen

  • Weitere Infos zum Schutzprozess gegen sexualisierte Gewalt und geistlichen Missbrauch im Bistum Osnabrück und den unabhängigen Ansprechpersonen finden Sie hier
  • Der Betroffenenrat Nord ist ist unter folgender Adresse zu erreichen: www.betroffenenrat-nord.de

Die Gedenkveranstaltung soll aber nicht ein Schlusspunkt sein, im Gegenteil: „Wir werden aus den Erfahrungen von heute eine Vorlage erstellen, die an die Gemeinden geht. So werden sie befähigt diese Art von Gedenken auch dezentral und an ihren Orten zu begehen“, so Simon Kampe, Ombudsmann für die Betroffenen sexualisierter Gewalt im Bistum.

Das Gedenken fand im Umfeld des Gebetstages für die Opfer sexuellen Missbrauchs am 18. November statt, den der verstorbene Papst Franziskus angeregt hatte. Dies ist zugleich der „Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“.