Dem Stern von Bethlehem auf der Spur

Ist das der Stern von Bethlehem?
Ist das der Stern von Bethlehem? Bild: Bistum Osnabrück

Weihnachten steht seit jeher unter einem guten Stern – dem von Bethlehem. Er führte die Sterndeuter zur Krippe, wie die Bibel erzählt. Im Planetarium in Osnabrück kann man sich das Firmament dieser Zeit anschauen – ob sich der Stern dort finden lässt?

Mesopotamien am 27. Mai, im Jahr 7 vor Christus, früher Morgen. Wenn die Sterndeuter damals einen klaren Himmel gehabt haben, sahen sie es überall glitzern und blinken – zumindest, wenn man der Projektion im Osnabrücker Planetarium glaubt. Lautlos strahlt das Gerät Sterne und Planeten an die gewölbte Kuppel. Andreas Hänel deutet auf zwei dicht beieinanderstehende Lichtpunkte: „Das ist die dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild Fische“, erklärt der frühere Leiter des Planetariums. Sein Nachfolger, Thorsten Ratzka, lenkt derweil vom Pult aus die Himmelskörper. Der Mond flitzt schnell am künstlichen Firmament, jeder Durchgang entspricht einem Monat. Einige Male geht das so: Die Planten fliegen zusammen und wieder auseinander. Diesem Spiel also könnten die Sterndeuter bis nach Bethlehem gefolgt sein.

Gehen mit auf die Spur des Weihnachtssterns: Andreas Hänel (links) und Thorsten Ratzka
Gehen mit auf die Suche nach dem Weihnachtsstern: Andreas Hänel (links) und Thorsten Ratzka

Konjunktion, das bezeichnet die scheinbare Begegnung zweier Himmelskörper am Sternenhimmel. Damals, 7 vor Christus, war dies drei Mal zu sehen. Dieses Rendezvous konnten die alten Babylonier schon vorausberechnen, weil sie über große astronomische Erkenntnisse verfügten, so Andreas Hänel. Dass die Planeten sich gleich drei Mal innerhalb von Monaten begegnen, die sogenannte „Größte Konjunktion“, tritt in unregelmäßigen Abständen auf. 1981 war das bisher letzte Mal, das nächste Ereignis ist für 2238/39 berechnet.

„Diese Planetenkonstellation wurde immer wieder auch symbolisch gedeutet: Jupiter gilt ja als Königsplanet und Saturn als der Planet Israels. Das Sternbild Fische steht für Palästina,“ fügt Thorsten Ratzka hinter seinem Pult noch an.

Kein Komet in Sicht

Die Planeten und ihre Laufbahnen projiziert an die Kuppel des Planetariums in Osnabrück
Die Planeten und ihre Laufbahnen projiziert an die Kuppel des Planetariums in Osnabrück

Eine andere Erklärung wäre die Konjunktion von Venus und Jupiter im Sternbild Löwen. Das geschah im Jahr 2 vor Christus. Die beiden hellsten Planeten wären damals für die Menschen, die ja nicht über ein Fernrohr verfügten, nicht mehr zu trennen gewesen. Einen Kometen als Stern von Bethlehem schließt Andreas Hänel aber aus: Dies sei zwar immer wieder gemutmaßt worden. „Aber es wurde in den schriftlichen Quellen kein Komet gefunden, der rund um Christi Geburt am Himmel gesehen werden konnte“, erzählt er. Das Bild sei vor allem durch die Darstellung des mittelalterlichen Künstlers Giotto aufgekommen. Dieser hatte – inspiriert von der Sichtung des Halley’schen Kometen – die Anbetung der König gemalt und den Himmelskörper darauf verewigt.

Außerdem fragt sich der Astronom, ob es dieses Himmelszeichen überhaupt gegeben hat. „Das Problem beim Stern von Bethlehem ist ja die Frage, ob es wirklich ein wissenschaftliches Phänomen war“, sagt Andreas Hänel. Der Evangelist Matthäus, der in der Bibel davon erzählt, bringt hier kein Licht ins Dunkle, sondern spricht nur von einem Stern, dem die Sterndeuter gefolgt sind. Möglich ist, dass er den Stern vor allem als Symbol meinte: Mit Christus tritt das Licht in die Welt.

Sternenhimmel in Gefahr

Andreas Hänel und Thorsten Ratzka sind natürlich begeistert von ihrer Sache: „Vom Himmel geht eine Faszination aus“, sagen sie. Das sei heute so und früher sicher noch mehr. „Es ist schon wahnsinnig, wenn man in einen dunkeln Himmel sieht“, findet Andreas Hänel. Deshalb engagiert er sich seit seiner Pensionierung 2019 noch stärker als früher gegen Lichtverschmutzung. Das meint, dass es bei Nacht durch künstliches Licht immer heller wird. Es sei zwar weiter möglich, Sterne zu beobachten. Das viele Licht in der Nacht bedrohe allerdings den Sternenhimmel massiv: Es reduziere den Kontrast zum natürlichen Sternenlicht, so dass weniger helle Objekte wie schwächere Sterne, Sternhaufen und Galaxien unsichtbar werden. „In Großstädten sind mitunter nur noch ganz wenige Sterne sichtbar“, ergänzt Thorsten Ratzka.

Weitere Infos

  • Das Planetarium in Osnabrück ist ein Teil des Museums am Schölerberg (Klaus-Strick-Weg 10, 49082 Osnabrück, Telefon: 0541 323-7000). Es zeigt verschiedene Shows für Kinder und Erwachsene. Eine Übersicht zum Programm gibt es hier.
  • Sterne und was für eine Symbolik sie haben können – dazu kann man hier mehr erfahren.

Massiv seien die Auswirkungen auf Natur und Umwelt. „Ich habe selbst mal gemessen, wieviel Licht von einer Lichterkette ausgeht, die um einen Baum gebunden ist. Das sind bis zu 3000 Lux, viel mehr als von einer Straßenlaterne“, erzählt er. Das mute man dann den Insekten zu, die in der Rinde leben. „Das ist wie ein Scheinwerfer im Schlafzimmer: Bei der Lichtstärke helfen auch keine Jalousien mehr“, sagt er.

Allerdings: Die Sterndeuter im alten Babylon hätten ihre dreifache Konjunktion auch mit der heutigen Lichtverschmutzung gesehen: „Die Planeten strahlten hell genug“, sagt Hänel.

Wer nicht liebhat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.

1. Johannes 4,8
Blumen, pink