Die Stimme, die dich ruft

blaue geöffnete Holztür
Bild: unsplash.com, Jan Tinneberg

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Johannes 10,1-10

Wer ist dieser Jesus eigentlich? Die Frage steht mitten im Text. Und sie stellt sich bis heute – leise oder laut, suchend oder zweifelnd, immer wieder. Jesus erzählt von etwas Alltäglichem: von Schafen, von einer Tür, von einer Stimme. Bilder, die verstanden werden wollen – mit dem Kopf und mit dem Herzen. Vielleicht beginnt alles genau hier: bei der Stimme. Jesus beschreibt keine anonyme Beziehung. Er sagt: „Er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen.“ Da ist nichts Allgemeines, nichts Austauschbares. Da ist Beziehung. Nähe. Vertrauen.

Und gleichzeitig die Frage an mich: Welche Stimmen bestimmen mein Leben? Wem höre ich zu – wirklich?

Diese Welt ist voller Stimmen. Laut, drängend, widersprüchlich, gleichzeitig.
Manche versprechen viel – und führen doch in die Enge. „Der Dieb kommt, um zu stehlen“ – Worte, die überraschend aktuell klingen.

Jesus setzt einen Kontrapunkt: Nicht Druck. Nicht Zwang. Sondern: Er geht voraus. Jesus läuft nicht hinter dir her und treibt dich. Er geht voran – und schaut, ob du ihm vertraust. Das ist ein anderes Bild von Führung. Eines, das Freiheit lässt. Eines, das Beziehung ernst nimmt. Und dann die Worte: „Ich bin die Tür.“ Keine Mauer. Keine Kontrolle. Eine Tür. Eine Einladung. Eine Möglichkeit, hindurchzugehen – in ein Leben, das größer ist als das, was wir sehen und greifen können.

Portrait von Farina Dierker in rund
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Leben.
Leben in Fülle.
Nicht nur „überleben“. Nicht nur funktionieren. Sondern ein Leben, das trägt – über das Hier und Jetzt hinaus.

Vielleicht ist das die Antwort auf die Frage, wer Jesus ist: Nicht zuerst Lehrer. Nicht nur Prophet. Sondern der, der Zugang eröffnet. Wenn Jesus die Tür ist, dann musst du nicht alles selber schaffen. Dann geht es nicht darum, perfekt zu sein – sondern darum, hindurchzugehen.

Am Ende bleibt eine entscheidende Frage: Erkenne ich seine Stimme? Oder anders: Traue ich mich, ihr zu folgen – auch wenn andere Stimmen lauter sind?

Die Tür
öffnet
seine Stimme,
die ihm gehören.

Er geht voraus,
sie folgen,
kennen seine Stimme.

Einem Fremden
folgen sie nicht.

Ich bin die Tür –
durch mich
wird gerettet.

Ich bin
das Leben
in Fülle.

Farina Dierker

Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herren, deinem Gott, geweiht.

2. Mose 20,10