Doppelpunkt zum Jahr des Aufatmens

Doppelpunkt zum Jahr des Aufatmens
Das Logo zum "Jahr des Aufatmens" im Bistum Osnabrück Bild: Bistum Osnabrück

Am vergangenen Wochenende ist unser Zukunftsgespräch „Damit sie zu Atem kommen“ (Ex 23,12) mit einer Tagung der diözesanen Räte zu Ende gegangen. Im Rückblick auf das „Jahr des Aufatmens“ freue ich mich darüber, dass mir persönlich einige Veränderungen gelungen sind, die mehr und mehr zu Haltungen werden: die bewusstere Gestaltung des Montags, des ,freieren‘ Tages für Seelsorger, vor allem durch mehr kreative Arbeit, durch wirkliche Pausen, durch die abendliche Anbetung im Dom, die ich zusammen mit den Weihbischöfen über das Jahr des ZUGs hinaus weiterführen möchte.

Die Zeiten des Rückzugs in Kloster Nette habe ich erweitert und mein Lese-, Bewegungs- und Kulturprogramm verbessert. Mein fester geistlicher Tagesrhythmus mit Eucharistie, Stundengebet und geistlichem Rückblick auf den Tag und ebenso die regelmäßigen Treffen mit Familien und Freunden sind mir noch mehr zur Hilfe geworden. Die Verpflichtungen außerhalb des Bistums habe ich in den vergangenen Monaten drastisch reduziert und die Abfolge regelmäßiger Treffen weitmaschiger gestrickt.

Ich freue mich über diese Schritte, die auch anderen in meiner Umgebung gut tun können. Und ich bin sehr dankbar, dass wir im Bistum über diese je eigenen Schritte persönlicher ins Gespräch gekommen sind und so eine vertrauensvolle Art des Miteinanders aller Dienste besonders in den Gemeinden gefördert haben. Auch die Bemühungen in den karitativen Einrichtungen haben mich beeindruckt bis hin zu einem Bürgschaftsfonds, aus dem in existenziell bedrohlichen Schuldenfällen geholfen werden kann.

Über den Autor

Franz-Josef Bode ist unser Bischof und Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2010, damals als erster deutscher Bischof, schreibt Bode in unserem Bistumsblog über Begegnungen und Gedanken aus seinem bischöflichen Alltag.

Bei all den guten Erfahrungen fällt es mir immer noch schwer, nachhaltig den gelegentlichen Raubbau an Körper und Seele zu verhindern und gelassener, identischer und authentischer zu werden. Ebenso macht es mir Sorge, dass wir in all den Einrichtungen und Berufen, in denen sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich bis zur Atemlosigkeit für andere Menschen hingeben, nicht aus dem Druck der Ökonomisierung und der Beschleunigung herausfinden. Es macht mir Sorge, dass wir als Kirche in viele gesetzliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen gezwängt sind, die wir nicht einfach kaschieren können und dürfen. Hier bekommt unser Thema eine sehr politische Bedeutung. Unsere Anwaltschaft ist gefragt.

Es macht mir Sorge, dass die karitativen und pastoralen Herausforderungen uns so wenige Spielräume lassen und wir auf diesen Gebieten nur schwer zu neuen Einstellungen und Haltungen finden, zumal das Denken vom Ganzen her vielen zunehmend schwerer fällt im Wettstreit der Einzelinteressen.

All das hindert die meisten nicht, dennoch den Bischof und das Bistum zu ermutigen, an dem Thema des ZUG dran zu bleiben, weil sie spüren: Das ist kein Jahresthema, sondern ein Lebensthema; da kann es keinen Punkt geben als Schlussmarkierung, sondern nur einen Doppelpunkt hin zur Beantwortung der Frage: Was können und sollten wir mitnehmen für den weiteren Weg?

Ich bitte alle, persönlich, in den Gemeinden und Einrichtungen Bilanz zu ziehen, welche Erfahrungen es wert sind, beibehalten und vertieft zu werden, und zwar bis in sehr praktische Bereiche hinein, die auch gute Gewohnheiten werden können. Dann werden Handlungen mehr zu Haltungen und Maßnahmen mehr zu einem neuen Maßnehmen an der Heiligen Schrift, das heißt an Gott und seinem Sohn Jesus Christus. Und die Oberflächlichkeit, so in den Tag hineinzuleben, wird zur sensiblen Unterscheidung, was zu tun und zu lassen ist.

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