Engagement ist Ehrensache

Menschen legen Hände aufeinander
Bild: AdobeStock.com, Lomb

Ein Gedanken-Experiment: Wie sähe Deutschland ohne Ehrenamtliche aus?

Auf jeden Fall ganz anders, denn die Engagierten würden in vielen Bereichen fehlen. Sie arbeiten bei der Freiwilligen Feuerwehr oder in der Trauerbegleitung, veranstalten Pfarrfeste und sorgen dafür, dass die Bücherei vor Ort geöffnet bleibt. Ehrenamtliche helfen bei der Integration und bei Umweltschutzaktionen, trainieren Sportmannschaften und betreuen Ferienfreizeiten. Ohne sie würden keine Blutspende-Termine organisiert und die Kommunalpolitik käme zum Erliegen. Viele Menschen blieben mit ihren Sorgen allein, denn es gäbe deutlich weniger soziale Hilfsangebote. Um es auf den Punkt zu bringen: Deutschland ohne Ehrenamtliche wäre ein ärmeres, ein traurigeres Land.

Doch zum Glück gibt es noch viele Menschen, die sich engagieren: Laut aktuellem deutschen Freiwilligensurvey sind rund 37 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren regelmäßig im Einsatz, knapp 27 Millionen Menschen. Sie setzen sich für die Gesellschaft ein, profitieren aber auch persönlich von ihrem Ehrenamt. Damit das so bleibt und um auf den unschätzbaren Wert des freiwilligen Engagements aufmerksam zu machen, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für den 23. Mai 2026 zu einen bundesweiten Mitmachtag aufgerufen. Er lädt dazu ein, für das Gemeinwohl aktiv zu werden.

Maike Laudenbach
Maike Laudenbach

Auch Maike Laudenbach beschäftigt sich mit diesem Thema. Sie ist beim Caritasverband für die Diözese Osnabrück für die Engagementförderung zuständig, das heißt sie stärkt Netzwerke, damit vor Ort gute Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement geschaffen werden können. Hier im Interview beantwortet sie die wichtigsten Fragen zum Thema Ehrenamt:

Warum sollte ich mich engagieren?

Weil freiwilliges Engagement eine wertvolle Bereicherung ist! Für Engagierte bedeutet es, Sinn im Alltag zu erleben, neue Menschen kennenzulernen, sich zu vernetzen und eigene Fähigkeiten einzubringen oder weiterzuentwickeln. Viele erleben durch das Ehrenamt mehr Gemeinschaft und persönliche Erfüllung, weil es da ein Zughörigkeitsgefühl gibt und die Leute sich auch untereinander an den Einsatzorten einfach gut verstehen. Bei der Caritas sehen wir Engagement als eine Art „Zeit-Spende“: Man schenkt anderen Menschen einen Teil seiner Zeit und tut damit aktiv etwas Gutes für die Gesellschaft – das ist super wichtig und verdient große Wertschätzung! Für die Gesellschaft ist das Engagement unverzichtbar, da es Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützt, soziale Teilhabe ermöglicht und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Wie finde ich ein Ehrenamt, das zu mir passt?

Weitere Infos

  • In der Kirchengemeinde, bei Verbänden, in Kita, Schule oder Nachbarschaft – es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren! Hier finden Sie weitere Ideen und Anlaufstellen.
  • Vielfältige Beispiele für ehrenamtliches Engagement im Bistum Osnabrück gibt es auf dieser Übersichtsseite: https://bistum-osnabrueck.de/engagement
  • Im Bistum Osnabrück wird ehrenamtliches Engagement nicht nur geschätzt, sondern auch prämiert: seit vielen Jahren mit dem Sonnenschein-Preis des Caritasverbands und bald auch mit einem neuen von Bischof Dominicus geplanten Ehrenamtspreis.
  • „Wir stärken Engagement“ lautet einer der Orientierungspunkte für eine künftige Kirche im Bistum Osnabrück. Was das heißt, erklärt Bischof Dominicus hier.
  • Hier gibt es weitere Infos zum bundesweiten Ehrentag am 23. Mai: https://www.ehrentag.de

Zunächst ist es hilfreich, sich zu überlegen, was man gut kann und welche Themen einen persönlich interessieren. Also z.B. wie mobil und flexibel bin ich? Kann ich gut mit Kindern umgehen oder besser mit älteren Menschen? Kann ich gut zuhören? Bin ich handwerklich begabt?  Ebenso wichtig ist die Frage, wie viel Zeit man realistisch für ein Ehrenamt investieren kann. Bei der Caritas begleiten wir Interessierte durch persönliche Gespräche und unterstützen sie dabei, ein passendes Engagement zu finden. Wir achten darauf, dass die Tätigkeit gut zur individuellen Lebenssituation passt und bieten bei Bedarf auch die Möglichkeit, verschiedene Bereiche zunächst unverbindlich auszuprobieren.

Es geht also nicht danach, wo dringend Ehrenamtliche gesucht werden?

Genau. Viele Angebote im Ehrenamtsbereich leben eben auch davon, dass ein eher längerfristiges Engagement gewünscht ist. Deswegen sagen wir immer: eher klein starten mit etwas, das einem Freude bereitet, ausprobieren, ob das wirklich das Richtige ist, und dann ggf. größer einsteigen, aber auch verlässlich. Dabei ist uns wichtig, dass es vor Ort immer eine feste Ansprechperson für die Engagierten gibt, die im Vorhinein Wünsche und Möglichkeiten klärt, aber auch da ist, wenn es Fragen oder Sorgen gibt.

Wie viel Zeit muss ich denn mitbringen?

Der zeitliche Umfang eines Ehrenamts ist in unseren Verbänden und Einrichtungen sehr flexibel gestaltbar. Je nach Möglichkeit sind feste Termine pro Woche, einzelne Einsätze an bestimmten Tagen oder auch projektbezogenes Engagement denkbar. Die Bereitschaft, sich zu engagieren, hat sich in den vergangenen Jahren verändert, hin zu eher kurzfristigen und unverbindlichen Dingen, kleineren Projekten, an denen sich Menschen beteiligen wollen. Dafür gibt es Möglichkeiten, aber wir brauchen auch weiterhin langfristiges Engagement.

Und welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?

Orientierungspunkt zukünftige Kirche im Bistum Osnabrück

Hintergrund

Mit Blick auf die Zukunft fördert das Bistum Osnabrück unter anderem Projekte, die Engagement und Ehrenamt stärken. Weitere Infos zum Transformationsprozess im Bistum gibt es hier.

Die Möglichkeiten zum Engagement bei der Caritas sind sehr vielfältig, weil sowohl die Caritas-Regionalverbände als auch Fachverbände wie der SKM und der SKF sowie verschiedene Einrichtungen, z.B. in der Altenhilfe, zahlreiche unterschiedliche Tätigkeitsfelder anbieten. Konkrete Einsatzmöglichkeiten sind zum Beispiel die Übernahme von Lernpatenschaften; Besuchsdienste; die Ausgabe von Lebensmitteln bzw. Fahrdienste bei den Tafeln; die Mitarbeit in Sozialen Kaufhäusern oder die Unterstützung der Wohnungslosenhilfe. Seit einigen Jahren versuchen wir auch, mehr junge Menschen für ehrenamtliches Engagement zu begeistern, was total wertvoll ist, um den Austausch zwischen den verschiedenen Generationen zu fördern und die ganze Bandbreite der Gesellschaft dabei zu haben. Da gibt’s zum Beispiel im Emsland das Projekt U25, eine Online-Beratung für suizidgefährdete junge Menschen oder auch Aktionen für mehr Nachhaltigkeit, z.B. Clean-up-Projekte und Kleidertauschpartys.

Welche typischen Ängste oder Vorbehalte begegnen Ihnen?

Viele Interessierte haben zunächst Sorge, etwas falsch zu machen oder den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Manche befürchten auch, emotional überfordert zu werden oder sich zu stark verpflichten zu müssen. Beim Caritasverband und allen dazugehörigen Einrichtungen begegnen wir diesen Ängsten mit guter Einarbeitung und persönlicher Begleitung. Niemand ist allein tätig und jede Person kann ihr Engagement in dem Rahmen gestalten, der zu ihrem Alltag passt.

Wo kann ich mich weiter informieren?

Die besten Informationen gibt es direkt bei den lokalen Caritas-Verbänden, bei den Fachverbänden oder den verschiedenen Einrichtungen vor Ort. Dort stehen auch Ansprechpersonen für persönliche Gespräche zur Verfügung.  

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

1. Korinther 13,13
Kind mit Herz