Ein Trost?!

Bild: pfarrbriefservice.de, tunaolger

„Tröstet, tröstet mein Volk!“, sagt euer Gott. „Sprecht den Leuten aus Jerusalem Mut zu, sagt zu ihnen: ‚Eure Gefangenschaft ist zu Ende! Eure Schuld ist abgebüßt! Ihr habt vom HERRN die volle Strafe für eure Vergehen empfangen; jetzt ist alles beglichen!'“ Hört, jemand ruft: „Bahnt für den HERRN einen Weg durch die Wüste, baut eine Straße für unseren Gott! Füllt die Täler auf, ebnet Berge und Hügel ein, räumt alle Hindernisse aus dem Weg! Der HERR wird kommen in seiner ganzen Herrlichkeit und alle Menschen werden es sehen. Der HERR selbst hat das gesagt.“

Bibel 2000, Jesaja 40, 1-5

 

In der adventlichen Zeit hören wir oft und oft in den Lesungen von der Verzweiflung des Volkes Israel, das seinen Gott anschreit, ihm zu helfen. „O komm, o komm Emmanuel“ oder „O Heiland reiß die Himmel auf!“ Aber auch der Trost wird verkündet, wie in der heutigen Lesung des Jesaja. Ich beginne, die Not der Menschen damals zu verstehen und die Sehnsucht nach Hilfe, nach einem Retter.

Seit gut einem halben Jahr lebt eine junge Frau aus Albanien bei mir. Sie ist erst 24 Jahre alt; doch kennt sie das Leben schon sehr. Sie wurde mit 17 Jahren zwangsverheiratet und ist nach einem Monat, in dem sie von ihrem Mann gequält worden ist, geflohen; sie hat Salzsäure getrunken, um sich das Leben zu nehmen. Das ist ihr – Gott sei Dank – nicht gelungen. Ihr Körper aber ist verwüstet. Und noch mehr ihre Seele.

Das Bibelfenster

Hier kommentieren jede Woche Menschen aus dem Bistum Osnabrück eine Bibelstelle aus einer der aktuellen Sonntagslesungen – pointiert, modern und vor allem ganz persönlich.

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Sie hat unsägliche Schuldgefühle gegen sich selber. Sie hadert mit ihrem Gott: „Was habe ich getan? Warum tust Du mir das an, Gott?“ Sie schreit zu ihm und findet noch keine Antwort. Sie wurde im Marienhospital in Osnabrück ein halbes Jahr stationär und ambulant behandelt – doch der durchschlagende Erfolg blieb bisher aus.

Mit Jesaja möchte ich sagen: „Tröstet, tröstet mein Volk!“, sagt euer Gott. „Sprecht dieser Frau Mut zu, sagt zu ihr: ‚Deine Schuld ist abgebüßt; jetzt ist alles beglichen!““

Unsere Antwort ist im Ankommen des Gottessohnes. Unser Schreien hat sich gelohnt.

Unsere Antwort ist aber auch im Ankommen von Menschen, die in der Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes handeln.

Wir hoffen mit der jungen Frau und beten mit ihr um Antwort in Wort und Tat.

Klaus Warning, Pastor in Teilzeit