Kinder haben Rechte!

Mädchen spielt im Sand
Bild: unsplash.com, Mi Pham

Sommerzeit ist Ferienzeit! Sechs Wochen lang keine Schule, keine Hausaufgaben oder Klassenarbeiten. Kinder und Jugendliche nutzen das und fahren ins Zeltlager oder in die Ferienfreizeit – für viele ein lang ersehnter Termin. Neben der üblichen Vorbereitung sind die Themen Kinderrechte, Jugendschutz und Prävention immer wichtiger geworden. Ein Interview mit Bruno Krenzel, Geschäftsführer des Seelsorgeamtes im Bistum Osnabrück.

Die Themen Prävention, Jugendschutz und Kinderrechte sind in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus gerückt. Auf welche Weise wird das auch in den Ferienfreizeiten und Zeltlagern deutlich?

Bruno Krenzel: Die Vorbereitung auf die Ferienfreizeiten war schon immer gründlich, wenn es um Organisation und Programmplanung ging. In den letzten Jahren sind aber auch Themen wie der Umgang mit auffälligen Kindern, Konflikte von Kindern untereinander, Nähe und Distanz, Hygiene, Mitbestimmung etc. hinzugekommen. Im Vorfeld wird meist auch geregelt, wie z.B. mit Alkohol oder mit Überfällen umgegangen werden soll. In vielen Zeltlagern ist es inzwischen üblich, dass die Gruppenleiter einen Juleica-Kurs vorweisen müssen. Insgesamt nehme ich wahr, dass die Sensibilität der Kirchengemeinden und der durchführenden Leitungsteams um einiges höher geworden ist.

Zelte und Lagerfeuer in der Dämmerung
Das Zeltlager ist für viele Kinder und Jugendliche das Highlight des Sommers. Bild: unsplash.com, Andrew Neel

Welche Kinderrechte stehen im Vordergrund?

Bruno Krenzel: Ganz generell glauben wir, dass durch unsere kinder- und jugendpädagogischen Maßnahmen, also durch Gruppenstunden, Fahrten, Aktionen etc. das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen gestärkt wird und der Blick für die Anderen, das solidarische Miteinander eingeübt wird. Das ist eine gute Grundlage, um in Ferienfreizeiten Kinderrechte im Blick zu behalten. Abstrakt ausgedrückt sind das Rechte wie die körperliche Unversehrtheit, das Recht auf Interessensäußerung, das Recht auf Sicherheit und Hilfe. Für Kinder besser zu verstehen sind allerdings kurze Sätze wie: „Deine Idee zählt“, „Fair geht vor“, „Dein Körper gehört dir“, „Nein heißt nein“, „Hilfe holen ist richtig“.

 

Wie werden die Kinderrechte in den Ferienfreizeiten konkret umgesetzt?

Bruno Krenzel: Da wir etwa 250 Ferienfreizeiten im Bistum haben, kann man das nicht für alle sagen. Sehr weit verbreitet ist aber, dass die Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter eindeutig einer Kindergruppe zugeordnet sind, oft auch mit der Gruppe gemeinsam im Zelt übernachten. Die Kinder wissen also, an wen sie sich konkret wenden können, wenn etwas nicht stimmt oder sie sich Sorgen machen. Sehr weit verbreitet ist auch die Reflexion im Team am Ende des Tages, bei der Probleme besprochen und beraten werden können. In vielen Lagern gibt es Kinderparlamente oder andere Formen der Mitbestimmung. Und natürlich wird im alltäglichen Umgang auf ein faires Miteinander geachtet.

Wie werden die Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter auf die Ferienfreizeiten vorbereitet?

Bruno Krenzel: Meistens ist es so, dass sich die Teams bereits Monate vor der Ferienfreizeit treffen und erste Absprachen treffen. In der Regel werden sie dabei von hauptamtlichen pastoralen Mitarbeitern in den Kirchengemeinden unterstützt. Viele der Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter haben als Voraussetzung einen Juleica-Kurs abgeschlossen. In ganz Deutschland gilt, dass dieser Kurs mindestens 50 Stunden dauern muss und die Grundlagen der Gruppenpädagogik legt. Im Bistum Osnabrück haben wir für alle Kirchengemeinden und Verbände eine gemeinsame Richtlinie entwickelt. Darüber hinaus bieten wir in den Dekanaten und auf Bistumsebene noch spezielle Lagerleitungsfortbildungen an, die rege genutzt werden. Hier werden die Hauptverantwortlichen noch einmal speziell auf die Besonderheiten von Ferienfreizeiten vorbereitet. Es ist schön zu sehen, dass es bei diesen Schulungen viel gegenseitige Beratung und Bereicherung der Lagerleitungen untereinander gibt.
Schließlich gibt es noch gezielte Schulungsmodule zum Thema „Nähe und Distanz“, die auf die Anforderungen des Bundeskinderschutzgesetzes und das Bischöflichen Gesetz zum Kindeswohl hinweisen. Dabei wird auch geklärt, wer ansprechbar ist, wenn man sich in Bezug auf mögliche Grenzverletzungen Rat holen will.

Kinder am Planschbecken
In der Ferienfreizeit verbringen alle viel Zeit an der frischen Luft. Bild: unsplash.com, Brandon Morgan

Was sind häufige Fragen, die Eltern mit Blick auf das Ferienlager stellen?

Bruno Krenzel: In erster Linie wollen Eltern wissen, welcher Gruppenleiter sich um ihr Kind kümmern wird. Meistens kennen die Eltern die Gruppenleiter, sodass es bereits ein Vertrauensverhältnis gibt. Interessant für Eltern sind natürlich die Unterbringung, die hygienischen Bedingungen, wer sich um das Essen kümmert etc. – also eher die lebenspraktischen Fragen. Viele Eltern wollen aber tatsächlich auch wissen, welche Regeln im Lager gelten und wie reflektiert eine Lagerleitung mit möglichen Konflikt- und Krisensituationen umgehen will.

 

An wen können sich Eltern wenden, die Fragen haben?

Bruno Krenzel: Am besten ist es immer, wenn man sich zunächst an den Gruppenleiter oder die Gruppenleiterin des eigenen Kindes wendet. Natürlich sind auch die jeweiligen Lagerleitungen vor Ort erste Ansprechpartner. Auf Bistumsebene gibt es drei Personen, die gut ansprechbar sind, wenn es um weitergehende Fragen geht. Das sind Kerstin Kerperin, die im Diözesanjugendamt für Kinder- und Jungendpädagogik zuständig ist, Christian Scholüke, der beim BDKJ als Bildungsreferent mit diesen Fragen befasst ist und Hermann Mecklenfeld von der Koordinationsstelle Prävention des Bistums Osnabrück.

Gibt es im Bistum Osnabrück besondere Aktionen oder Programme rund um das Thema Prävention und Kinderrechte?

Bruno Krenzel: Wir haben von allen Hauptberuflichen ein polizeiliches Führungszeugnis vorliegen und von allen Ehrenamtlichen eine Straffreiheitserklärung. Wichtiger scheint mir jedoch zu sein, dass sich die Aktiven, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, mit der Selbstverpflichtungserklärung in unserem Bistum auseinandergesetzt haben. Diese Selbstverpflichtungserklärung formuliert nämlich positiv, wie der respektvolle und sichere Umgang miteinander aussehen soll. Damit setzt sie bei den Haltungen an, die der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zugrunde liegen soll.
Insgesamt muss ich aber sagen, dass wir es bei den rund 5.000 Gruppenleiterinnen und Gruppenleitern, die in unserem Bistum in den Ferienfreizeiten Leitung wahrnehmen, um hoch motivierte und sehr engagierte Leute handelt, die Spaß daran haben, mit Kindern und Jugendlichen eine gute und wertvolle Zeit zu verbringen, die Verantwortung übernehmen und ihre Sache ernst nehmen.