Prävention

Prävention
Bild: pixabay.com, condesign

von sexualisierter Gewalt und geistlichem Missbrauch in der katholischen Kirche

Nachdem Ende Januar 2010 bekannt wurde, dass zwei Berliner Jesuitenpatres in den 70er- und 80er-Jahren Dutzende Jugendliche sexuell missbraucht hatten, erschütterten immer neue Vorwürfe von sexuellem Missbrauch bzw. sexualisierter Gewalt die katholische Kirche in Deutschland. Bistümer, Orden und andere kirchliche Einrichtungen erhielten in nicht geahntem Ausmaß Hinweise auf Sexualstraftaten. Betroffene, die teilweise Jahrzehnte lang geschwiegen hatten, wagten jetzt den Schritt an die Öffentlichkeit.

Mit eindringlichen Worten hat sich im Frühjahr 2010 Bischof Franz-Josef Bode an die Gläubigen im Bistum Osnabrück gewandt:

Ich bin bestürzt und sprachlos, voller Scham und Trauer über die schmerzlichen Vorgänge und Vertrauensbrüche in unserer Kirche, die bundesweit aus den letzten Jahren und Jahrzehnten ans Licht kommen. Als Bischof von Osnabrück bitte ich ausdrücklich jene Menschen um Vergebung, die in unserem Bistum durch Priester und andere kirchliche Mitarbeiter Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Jeder Missbrauchsfall ist zuviel, und das Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit muss verstärkt werden, damit diese Krise ein Läuterungsprozess werde für unsere Kirche, aber auch für unsere ganze Gesellschaft.

Im November 2010 brachte Bischof Bode die Schuld der Kirche in einem Bußgottesdienst vor Gott.

Hilfe für Betroffene

Die unabhängigen Ansprechpersonen für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind:

Irmgard Witschen-Hegge

Irmgard Witschen-Hegge
Ansprechperson für Missbrauchsfälle
Wilkenkampstraße 1
49492 Westerkappeln
05404 2012
E-Mail-Kontakt

Antonius Fahnemann

Antonius Fahnemann
Ansprechperson für Missbrauchsfälle
Postfach 1380
49003 Osnabrück
0541 318-800
E-Mail-Kontakt

Die unabhängigen Ansprechpersonen für Missbrauchsfälle im Bistum sind die ersten Kontakte für Betroffene, die durch Kleriker oder andere Mitarbeiter im kirchlichen Dienst sexualisierte Gewalt erfahren haben. Die Beauftragten stehen auch als Ansprechpersonen bei Fragen zu geistlichem Missbrauch zur Verfügung. Neben bedarfsweise therapeutischen und seelsorglichen Hilfsangeboten kann mit ihnen auch geklärt werden, ob materielle Leistungen für die Betroffenen oder für deren Angehörige in Betracht kommen.

Wesentliche Vorschriften und Regelungen

Die Deutsche Bischofskonferenz hat als Reaktion auf die Fälle von sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche in Deutschland  zentrale,  vielfältige und nachhaltige Maßnahmen ergriffen, um das Thema „sexueller Missbrauch“ aktiv aufzuarbeiten und die Präventionsarbeit zu stärken. Zudem hat sie im September 2013 die überarbeiteten Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz und die Rahmenordnung Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz  vorgestellt.

Prävention im Bistum Osnabrück

2011 wurde im Bistum Osnabrück darüber hinaus die Koordinationsstelle zur Prävention von sexuellem Missbrauch zur Unterstützung, Vernetzung und Steuerung der diözesanen Präventionsaktivitäten eingerichtet. Der zuständige Ansprechpartner, Hermann Mecklenfeld, nimmt auch die Funktion der Vertrauensperson wahr und steht zu Fragen von Grenzverletzungen und sexualisierter Gewalt zur unverbindlichen Beratung und Empfehlung der nächsten Handlungsschritte zur Verfügung.

Ansprechpartner für Fragen zur Präventionsarbeit ist:

Hermann Mecklenfeld

Hermann Mecklenfeld
Koordinationsstelle zur Prävention von sexuellem Missbrauch
Detmarstraße 6-8
49074 Osnabrück
0541 326-4774
E-Mail-Kontakt

Neben der Umsetzung und Nachachtung der vorgegebenen Standards bedarf es für die notwendige Sensibilisierung und  Aufmerksamkeit für dieses komplexe Thema zusätzlicher Wissensvermittlung und geeigneter Schulungsmaßnahmen. Daher ist das Thema „Prävention von sexualisierter Gewalt in kirchlichen Einrichtungen“ integraler Bestandteil der Aus- und Fortbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bistums Osnabrück sowie der ehrenamtlich Tätigen. Insbesondere im Bereich der kirchlichen Jugendarbeit, in den katholischen Kindertagesstätten und  in den Schulen  in Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums sind die Themen „Prävention von sexualisierter Gewalt“ und „Professioneller Umgang mit Nähe und Distanz“ schon seit Jahren fest in verpflichtenden Schulungsprogrammen verankert.

Durch strukturelle und personelle Vorgaben soll sowohl die Gefahr von Übergriffen in kirchlichen Einrichtungen minimiert, als auch die notwendige Fachkompetenz im Umgang mit Verdachtsfällen vorgehalten werden.

Weitere Infos

Zum 1. Oktober 2014 trat das Bischöfliche Gesetz zur Vermeidung von sexualisierter Gewalt in kirchlichen Einrichtungen im Bistum Osnabrück (Präventionsordnung) in Kraft, welches das Gesetz zur Vermeidung von Kindeswohlgefährdungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen im Bistum Osnabrück vom 25. August 2010 fortschreibt. Zentraler Inhalt des Bischöflichen Gesetzes ist das institutionelle Schutzkonzept (ISK), das die einschlägigen Maßnahmen zum Schutz der uns anvertrauten Menschen vor Grenzüberschreitung und vor sexualisierter Gewalt festlegt. Alle kirchlichen Einrichtungen und Institutionen im Bistum Osnabrück sind damit beauftragt, ein einrichtungsbezogenes Institutionelles Schutzkonzept zu erstellen.

Erweitertes Konzept 2019

Bischof Franz-Josef Bode hat im Februar 2019 zudem ein erweitertes Konzept vorgestellt, das im Bistum Osnabrück ab sofort für den Umgang mit sexualisierter Gewalt und geistlichem Missbrauch gilt. Das Konzept umfasst fünf Handlungsfelder: die Prävention, die Intervention, die Hilfe für Betroffene, den Umgang mit Beschuldigten und die Sanktionierung von Tätern sowie die Klärung systemischer Grundsatzfragen. Näheres dazu erfahren Sie hier.