Freiwillige Alltagshelden

Freiwillige, Noah Schnarre, Freiwilligendienst
Bild: Bistum Osnabrück, Katharina Leuck

Jedes Jahr engagieren sich im Bistum Osnabrück bis zu 400 Jugendliche sowie junge und nicht mehr ganz so junge Erwachsene ab 16 Jahren freiwillig. Ob im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes oder eines Freiwilligen Sozialen Jahrs zur Berufsorientierung, ob in Schulen, Kitas, Krankenhäusern oder Altenheimen, die Freiwilligen sind in den Einsatzstellen im Bistum wahre Alltagshelden. Denn ohne sie würde der Alltag in vielen Einrichtungen schnell ins Stocken geraten.

Einer dieser Alltagshelden ist Noah Schnarre aus Osnabrück. Der 19-Jährige arbeitet seit August 2017 als „FSJler“ an der Horst-Koesling-Schule. Die Ganztagsschule der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück vermittelt Schülerinnern und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf Kompetenzen für ein selbstbestimmtes Leben innerhalb der Gesellschaft. Noah selbst hat direkt nach dem Abitur noch nicht gewusst, was er nach der Schule machen sollte und sich daher beim Bistum als Freiwilliger beworben. „Mir war dabei aber schon klar, dass ich gerne mit behinderten Menschen zusammenarbeiten möchte,“ erklärt er. Jetzt begleitet Noah hier eine Klasse aus insgesamt acht Jugendlichen durch ihren individuellen Schulalltag.

Zwischen Werkstattarbeit und Schwimmbad

„Los geht es für mich morgens um 7:30 Uhr. Dann heißt es Wasser und Kaffee kochen, die Klasse vorbereiten und den Stundenplan aufhängen,“ erzählt Noah. „Um 8 Uhr geht der Tag für die Schüler mit den sogenannten Startkisten los.“ Dabei handelt es sich um Holzkisten, die mal mit Holzformen oder mal mit Metallstücken gefüllt sind, die die Schüler entweder richtig einsortieren oder wie auf vorgelegten Bildern richtig zusammenstecken müssen. „Das stärkt die motorischen Fähigkeiten und soll auf die Arbeit in den Werkstätten vorbereiten,“ erklärt Noah. „Anschließend frühstücken wir gemeinsam und danach geht es für die Schüler in ihre jeweiligen Kurse, zum Beispiel Logopädie oder Ergotherapie.“

Einmal die Woche haben einige Schüler der Klasse auch Schwimmen im schuleigenen Schwimmbad. „Da gehe ich auch oft mit. Oder ich helfe einzelnen Schülern beim Einkaufen für das Mittagessen oder Busfahrtraining in der Stadt“, erzählt Noah. „Das Bushaltestelle wiederfinden klappt nur noch nicht immer ganz so gut“, lacht er, „aber wir arbeiten dran.“ Allgemein versucht Noah so gut wie möglich eigenverantwortlich Aufgaben zu übernehmen. „Nur mit dem pflegerischen Bereich habe ich nichts zu tun. Ich muss zum Beispiel keine Schüler wickeln.“ Je nach Wochentag endet Noahs Einsatz zwischen 15 und 17 Uhr.

Eine große Bereicherung

Am meisten Spaß macht es ihm, wenn er mit den Schülern „richtig“ etwas unternehmen kann und für Abwechslung im Alltag gesorgt ist. „Freitags kochen wir immer gemeinsam oder machen zusammen Musik. Das ist richtig cool!“, freut sich Noah, der in seiner Freizeit gerne Klavier spielt. Seine persönlichen Highlights waren bisher die gemeinsamen Ausflüge mit den Schülern ins Kino oder den Freizeitpark. „Aber natürlich gibt es auch Sachen, die nicht ganz so toll sind“, gibt der angehende Student zu bedenken. „Einige Schüler haben keine Lust, zu arbeiten und sie tagtäglich trotzdem dazu zu motivieren und zu animieren, kann schon ganz schön mühselig werden.“

Für Noah persönlich ist die Arbeit als Freiwilliger eine große Bereicherung: „Ich bin inzwischen anderen Menschen gegenüber viel offener geworden und mir fällt es wesentlich leichter, auf andere zuzugehen als noch vor einem halben Jahr.“ Sowohl die Seminare mit den anderen Freiwilligen als auch die Erfahrungen in der Schule haben dazu beigetragen.

Anfangs sei der Dienst für ihn schon eine große Umstellung gewesen: „An meiner Schule war die Schülerschaft sehr homogen. Dort gab es keine wirklichen Migrationshintergründe und ebenso wenig Menschen mit echten körperlichen Einschränkungen. Vor meinem FSJ hatte ich kaum Kontakt zu Menschen mit Behinderung oder zu sozial schwachen Familien“, erinnert sich Noah. Dazu habe er zu Beginn schon Bedenken gehabt, ob er überhaupt eine Beziehung zu den Schülern aufbauen können würde, die teilweise in einem ähnlichen Alter sind wie er. „Aber durch die Musik und das gemeinsame Kochen hat das gut geklappt,“ freut Noah sich.

Den Beweis dafür gab es, als Noah einmal drei Tage lang krank war und nicht zur Arbeit kommen konnte: „Als ich wiederkam, erzählte mir meine Anleiterin, dass ein Schüler der Klasse ganz bitterlich geweint habe, weil ich nicht da war.“ So eine Wertschätzung, die man da erfährt, sei wirklich etwas Besonderes, findet Noah.

Die Welt ein bisschen besser machen

Weitere Alltagshelden gesucht!

Auch in diesem Jahr sucht das Bistum Osnabrück wieder neue Freiwillige. Infos zu den unterschiedlichen Dienstmöglichkeiten und zur Bewerbung gibt es hier. Erster Bewerbungsschluss ist der 1. März 2018. Auch danach werden aber noch weitere Bewerbungen entgegengenommen und bearbeitet.

Hier geht es zu einer weiteren spannenden Geschichte eines Alltagshelden.

Warum macht Noah das überhaupt? „Generell finde ich es wichtig, anderen Menschen zu helfen und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Besonders, wenn man von Haus aus so viele Chancen mitgegeben bekommt, die andere Menschen nicht haben,“ erklärt Noah und hofft: „Das mag sehr idealistisch klingen, aber vielleicht kann ich so meinen Beitrag dazu leisten, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.“

Was würde Noah anderen FSJ-Interessenten empfehlen? Er resümiert: „Einfach machen. Informiert Euch am besten schon vorher über die Einsatzstellen, damit ihr nicht mit falschen Erwartungen antretet und im Zweifel abbrecht. Lasst Euch von anderen FSJlern berichten, denn sich für ein Jahr zu verpflichten, kann auch schon eine Herausforderung sein. Gerade der Schritt von der Schule in die Arbeit ist eine große Umstellung. Aber es wird alles von Tag zu Tag immer besser, besonders wenn Ihr Euch von Anfang an klarmacht, dass ihr jetzt Teil eines Teams seid und nicht nur der außenstehende FSJler, der eh nach einem Jahr wieder geht.“ Nach kurzem Überlegen fügt Noah noch grinsend hinzu: „Und freut Euch auf die Seminare. Die sind richtig gut, man lernt tolle Leute kennen und kann für sich persönlich richtig viel mitnehmen.“