Frühlingsmaus

Maus
Bild: Andrea Schwarz

Es war einer der ersten warmen Tage im April. Ich hatte gelbe, orange, blaue Stiefmütterchen gepflanzt, um etwas Farbe in den Garten zu bekommen, hatte Zweige und vom Sturm herab gewehte Blätter zusammengesammelt, erstes Unkraut herausgezogen – und saß dann mit einem Becher Kaffee auf unserer Bank und genoss die Sonnenstrahlen.

Plötzlich bewegte sich etwas neben mir.

Aus einem Loch in der Türschwelle zum Abstellraum lugte eine kleine, braune Maus heraus – und genoss anscheinend genau wie ich diese ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Sie saß da einfach vor sich hin, mit ihren schwarzen Knopfaugen – und sog die Sonne in sich auf. Dann drehte sie sich um 180 Grad und hielt ihr Hinterteil der Sonne entgegen.

Schließlich inspizierte sie den Futterplatz für die Vögel und ob da etwas für sie übrig geblieben war – und flitzte in den Lichtschacht der Kellerfenster. Und dann irgendwann wieder zurück in dieses kleine Loch in der Türschwelle.

Über die Autorin

Andrea Schwarz ist Schriftstellerin und pastorale Mitarbeiterin im Bistum Osnabrück. Sie ist eine genaue und sensible Beobachterin ihrer Umwelt und der Menschen, denen sie begegnet. In ihren Texten versucht sie, Gott mitten im Alltag zu entdecken und Lust aufs Leben zu machen – nun erstmals auch in Form von Blogbeiträgen!

Wir haben sie Jerry genannt – und hoffen inständig, dass es eine „Er-Maus“ ist. Aber egal wie, sie darf hier mit wohnen.

Gottes Haus ist groß genug für alle Geschöpfe – und dann wird es dieser Pfarrgarten wohl auch sein.

4 Kommentare zu “Frühlingsmaus

  1. Liebe Andrea Schwarz,
    irgendwie sind Sie mir ein bisschen verlorengegangen. Heute habe ich Sie wiedergefunden. Und bin ganz glücklich darüber. Habe gegoogelt und Ihre Stimme gehört und habe mich an Ihre letzte Veranstaltung im Bistumshaus in Speyer erinnert. Es brennt in Ihnen immer noch!
    Von diesem Seminar damals habe ich schon oft Ihren Rat weitergegeben: bei Entscheidungen wähle das, was Dich lebendiger macht. Nach schweren Jahren mit dem Tod meines, meiner Krebserkrankung bin ich trotzdem, auf dem Weg geblieben. Anzunehmen was ist und versuchen das Beste daraus zu machen. Bei Pierre Stutz bin ich einmal im Jahr im Schweigeseminar im Kloster Oberzell. Durch Pierre hat sich glaubensmässig manches geändert. Und das ist nicht das was uns seit der Kindheit vermittelt wurde. Auch durch viele andere Autoren hat sich mein Glaubensbild verändert. Und wie Sie in einem Interview erklärten, ist Ihr Beten anders geworden. Das ist bei mir ähnlich. Es ist eigentlich ein „in Verbindung sein“ mit Gott. Ich habe den Kirchentagsgottesdienst gesehen heute und ich habe mich gefragt, ob Sie dort auch referieren und lesen. Seit 2 Jahren singe ich in einem kleinen Singkreis unserer kath. Gemeinde. Ich singe also „katholisch“ und wenn man eine 3. Religion angeben könnte, wäre es für mich ökumenisch. Und trotzallem, ich gehe zur Kommunion im Gottesdienst, habe extra Reinhard Körners Buch über das Abendmahl gelesen, ist jedes Mal ein bisschen ein ungutes Gefühl dabei, was die kath. Kirche angeht.
    Die Auseinandersetzungen in den Medien hat das vermutlich hervorgerufen. Aber vielleicht „muss ich da durch“, als Protstantin in der Pfalz.
    Auf die Botschaft der Wildgänse bin ich sehr gespannt.
    Liebe Andrea Schwarz, von Herzen alles Gute für Sie und für Ihr Tun! Bleiben Sie behütet!
    Mit lieben Grüßen aus der Pfalz

    Gertrud Thomas

    1. Liebe Gertrud Thomas,

      vielen Dank für Ihre Grüße aus der Pfalz – und fein, dass Sie so gute Erinnerungen an das Seminar haben! „Wähle das, was Dich lebendiger macht“ – das Motto trägt auch mich immer noch durch. Und ist wohl die moderne Fassung der Aufforderung aus dem Alten Testament „Wähle das Leben!“
      Ja, für einen Tag war ich auch beim Katholikentag, allerdings nicht mit einem Vortrag, sondern einem Bibliolog, einer neuen Form der Bibelarbeit. Und wenn Sie sich für „ökumenisch“ entschieden haben, dann sehen wir uns ja vielleicht 2020 beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt?
      Ihnen alles Gute, viel Mut zum Leben und herzliche Grüße aus dem Norden,
      Andrea Schwarz

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