Gesicht zeigen für Demokratie

Die Initiatoren des Bündnisses Artland wählt Demokratie
Der Pfarrbeauftragter der Pfarreiengemeinschaft Artland, Dominik Blum, der Arzt Matthias Drünert und Pastor i.R. Wolfgang Gerdes (v.l.) zeigen ihre Plakate. Bild: NOZ/Bersenbrücker Kreisblatt, Christian Geers

Das Engagement für Demokratie hat im Artland jetzt ein neues Gesicht – oder besser gesagt: viele Gesichter! Der pensionierte evangelische Pastor Wolfgang Gerdes, der Pfarrbeauftragte der Pfarreiengemeinschaft Artland, Dominik Blum, und der Arzt Matthias Drünert haben eine Plakataktion ins Leben gerufen, die nicht für Parteien oder Kandidaten wirbt, sondern für Vielfalt, Respekt und Zusammenhalt. Rund 30 Menschen aus Quakenbrück, Badbergen, Menslage und Nortrup haben sich mit einem Foto und einem Slogan beteiligt. Hier erklärt Pastor Wolfgang Gerdes, warum das Engagement der Zivilgesellschaft jetzt so wichtig ist:

„Im Laufe der letzten Jahre hat das Vertrauen in die demokratischen Strukturen in unserem Land stark abgenommen. Diese Einsicht ist nicht neu. Aber welche Möglichkeiten gibt es, um diesem Trend mit zivilgesellschaftlichen Mitteln entgegenzuwirken?

Mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen am 13. September haben wir zu dritt – der Quakenbrücker Arzt Mathias Drünert, Dominik Blum, Leiter der katholischen Pfarreiengemeinschaft, und ich – eine Plakataktion initiiert, die seit Mitte August im Artland, dem nördlichsten Teil des Landkreises Osnabrück, Aufmerksamkeit erreichen möchte. Unter dem Motto „Gesicht zeigen für Demokratie“ sind in Quakenbrück, Badbergen, Menslage und Nortrup Plakate zu sehen, auf denen sich knapp dreißig Bürgerinnen und Bürger aus unserer Region für Demokratie stark machen.

„Als wir in unseren Freundes- und Bekanntenkreisen von dieser Idee erzählten, haben wir gleich große Unterstützung bekommen“, erinnert sich Dominik Blum. Und wir sind ein bisschen stolz darauf, dass wir so einen bunten Kreis von Leuten dafür gewinnen konnten: Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Tätigkeit, politischer Verortung und auch Herkunft werben für Demokratie und begründen das jeweils mit einem individuellen Slogan. „Weil Vielfalt uns stärker macht“, ist dort zu lesen, „ … weil ich für Fremdenfreundlichkeit bin!“ und „… weil Würde, Respekt und Zusammenhalt in jedem Alter zählen“; auf Freiheit und Menschlichkeit wird hingewiesen, aber auch darauf, dass Demokratie ein Prozess ist, der Beteiligung braucht.

Plakat Artland wählt Demokratie
Auch die Katholikenratsvorsitzende Katharina Abeln wohnt in Quakenbrück und ist ein Gesicht der Kampagne. Für sie ist das Engagement für Demokratie alternativlos: „Die Demokratiekampange ist ein mutmachendes Zeichen und wichtiger denn je. Wir zeigen stellvertretend ein Gesicht für alle, die sich für Menschenwürde und Gleichberechtigung einsetzten.“

Die Plakataktion hat keine unmittelbare kirchliche Anbindung. Aber für viele der Teilnehmenden steht bei ihren persönlichen Slogans ihre eigene christliche Haltung im Hintergrund. Wir sind auch keine neue Partei, aber wir wollen uns einmischen und Farbe bekennen, weil es das jetzt braucht. Mathias Drünert hat im Blick auf das AwD-Logo, das auf jedem Plakat zusammen mit einem Artländer Drachen zu sehen ist, erklärt: „AwD steht für Artland wählt Demokratie. Wer darin eine kritisch-humorvolle Anspielung auf eine Partei erkennt, die uns besonders Sorgen bereitet, liegt nicht ganz falsch.“

Die Plakatserie ist in den Schaufenstern vieler Läden, aber auch in öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten, Gemeindehäusern und Vereinsheimen zu sehen. Wir wissen, dass wir nicht die ganze Welt verändern können, aber vielleicht trägt unsere Aktion dazu bei, der Wahlbeteiligung im Artland einen kleinen Push zu geben. Das wäre insbesondere in Quakenbrück, wo sich bei den letzten Wahlen nur etwa die Hälfte der Wahlberechtigten beteiligt haben, sicher schon ein wichtiger Beitrag für demokratische Teilhabe. Und wenn uns unsere Enkelkinder einmal fragen müssen, was wir denn in kritischen Zeiten getan haben, dann können wir in aller Bescheidenheit sagen, dass wir unsere Hände jedenfalls nicht einfach in den Schoß gelegt haben.

Weitere Infos

  • Auch in Twistringen engagiert sich die Kirche für Vielfalt und Menschenrechte – mehr dazu lesen Sie hier im Interview.
  • Weitere Beiträge zum Thema Demokratie im Bistum Osnabrück finden Sie hier.

Die Plakataktion „Gesicht zeigen für Demokratie“ kommt offenbar gut an. Bisher haben wir darauf jedenfalls durchweg ein positives Echo erhalten. Das freut uns natürlich. Und wir hoffen, dass wir bis zum 13. September auch andere Menschen dazu ermutigen können, für Demokratie einzustehen. Denn dazu kann und darf es keine Alternative geben.“

Niemals, so lange die Erde besteht, werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht aufhören.

1.Mose 8,22