Getauft und berufen!
Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich schaffe und mache dich zum Bund mit dem Volk, zum Licht der Nationen, um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.
Jesaja 42,6-7
„Taufe des Herrn“ – dieses Fest feiern wir an diesem Sonntag. Taufe – ein Sakrament, das für viele Familien als Segen für ihr geliebtes Kind meist am Anfang seines Lebens gefeiert wird. Ein Sakrament, das uns ins Leben begleitet, uns in die christliche Gemeinschaft mit hineinnimmt und uns zusagt, dass wir wertvoll, einmalig und geliebt sind. Doch spricht uns die Taufe nicht nur eine königliche Würde zu, sie beruft uns auch, dem Guten nachzufolgen und uns für die Welt einzusetzen.

Hier kommentieren jede Woche Menschen aus dem Bistum Osnabrück eine Bibelstelle aus einer der aktuellen Sonntagslesungen – pointiert, modern und vor allem ganz persönlich.
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Der Prophet Jesaja prophezeit uns heute mit seinen Worten, dass jemand kommen wird, der genau dies tun wird: Er wird zum Bund mit dem Volk, das Licht der Nationen. Er öffnet Augen, befreit Gefangene. Für mich eindeutig, dass er von Jesus, dem Licht der Welt spricht, dem König der Menschen, dem Wundertäter und Opferlamm.
Für mich gilt der Auftrag, den Jesaja formuliert, jedoch nicht nur für den kommenden Messias, sondern auch für alle Getauften. Ich bin auf „seinen Namen“ getauft und daher gilt seine Berufung auch für mich: Gott traut mir und uns allen zu, die Welt zu verändern, mitzugestalten, ein Stück zum Reich Gottes dazuzutun.
Diese Berufung zur Mitgestaltung und Veränderung gilt nicht nur für einige Auserwählte oder für die, die im kirchlichen Dienst stehen, sondern sie gilt für Jeden. Wir sind alle berufen, in der Welt zu wirken und sein Licht zu verbreiten, Licht für die Nationen zu sein. In der Taufe sind wir alle in die Gemeinschaft des Glaubens aufgenommen und berufen, als Könige, Priester und Propheten in der Welt zu wirken. Das bedeutet, dass wir nicht nur für uns selbst leben, sondern auch für andere da sind. Wir sind aufgerufen, Fürsprecher zu sein, Hoffnungsträger und Botschafter der Liebe Gottes. Jeder von uns hat die Möglichkeit, durch sein Leben und Handeln das Evangelium zu verkünden und seine Liebe weiterzugeben.
Die heutige Botschaft ist für mich klar: Gott sieht uns, er kennt uns, er liebt uns und: Er traut uns eine Menge zu! Und, was der Prophet Jesaja direkt zu Anfang klarstellt: „Ich [der Herr] fasse dich an der Hand“ – wir sind also nicht alleine unterwegs, sondern mit Gott an unserer Seite.
Ein großartiges Zeichen sind die vielen Sternsingerinnen und Sternsinger, die in diesen Wochen durch unsere Straßen ziehen: als Königinnen und Könige für andere unterwegs in seinem Namen. Und so möchte auch ich durch dieses Jahr gehen: als Getaufte, als Königin, als Prophetin und Priesterin, als Fragende und Suchende, als Gestalterin und Mitwirkende. Als Licht und Friedenszeichen. Als Segen.
Franziska Notzon