Hoffnung auf ein Wiedersehen
Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr. Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
Johannes 14,1-6
Anfang 20 war ich, als mein Onkel Franz gestorben ist. Gemeinsam mit meiner Mutter – Franz war ihr Bruder – stand ich damals in der Leichenhalle, um mich von ihm am offenen Sarg zu verabschieden. Als wir wieder rausgingen, hat meine Mutter zu ihrem Bruder gesagt: „Auf Wiedersehen, Franz.“ Und das in einer Selbstverständlichkeit und Klarheit, als ob wir ihn morgen wieder treffen würden. In der Stimme meiner Mutter klang kein Vielleicht, kein Hoffentlich, sondern das klang nach fester Überzeugung.

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Dieser Besuch in der Leichenhalle hat mich damals tief beeindruckt. Nicht nur, wie selbstverständlich meine Mutter mit ihrem toten Bruder gesprochen hat und wie natürlich ihr Umgang mit dem Leichnam war, sondern vor allen Dingen ihre tiefe Hoffnung, dass sie ihren Bruder irgendwann wiedersehen wird.
Das oben stehende Evangelium nimmt uns mit in den Abendmahlssaal an dem Abend vor Jesu Tod. Und Jesus verspricht in seinen letzten Worten, die er seinen Freundinnen und Freunden mitgibt, was meine Mutter in ihrem „Auf Wiedersehen“ ausgedrückt hat: Nicht nur er, Jesus, wird auferstehen, sondern wir alle werden leben, wir alle dürfen am Ende unserer Tage in Gottes großer Wohngemeinschaft einziehen, wo wir all den Menschen begegnen, die vor uns gestorben sind.
Dieser christliche Glaube ist nicht bloß ein Verweis auf später, eine Vertröstung auf das Jenseits, sondern eine Hoffnung, die uns in unserem Leben trägt: Das Licht ist stärker als das Dunkel, das Leben stärker als der Tod und Gottes Liebe unendlich.
Diese Hoffnung nimmt uns nicht die Traurigkeit, wenn wir uns von lieben Menschen verabschieden müssen. Aber sie gibt uns die Zuversicht auf ein Wiedersehen.
Danke, Mama, dass dein fester Glaube an die Auferstehung mich heute begleitet und trägt.