Hoffnung kann wachsen

Als der Herr das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende. Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der Herr an ihnen gehandelt! Ja, groß hat der Herr an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude. Wende doch, Herr, unser Geschick wie die Bäche im Südland! Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Sie gehen, ja gehen und weinen und tragen zur Aussaat den Samen. Sie kommen, ja kommen mit Jubel und bringen ihre Garben.
Psalm 126
Dieser Psalm hat vielen Patient*innen in „meiner“ Magdalenen-Klinik aus der Seele oder in die Seele gesprochen. Historisch wird hier an die Befreiung des Volkes Israel aus der babylonischen Gefangenschaft erinnert. Allerdings warteten in der Heimat Dürre und Zerstörung. Sich an Gott wendend, fand das Volk zu einer Zuversicht, die sich aus der Heilserfahrung der Vergangenheit und aus den Mühen der Gegenwart speist. Und sie bauten ihr Land wieder auf.
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Man muss wohl nicht Patient*in sein, um diesen Psalm aus alter Zeit ins eigene Leben zu übersetzen und vielleicht etwas von der Hoffnung der letzten beiden Verse zu spüren:
Mein Leben fühlt sich öd und trostlos an. Ich sehe kein Land. Ich denke an vergangene Zeiten:
Was hab ich schon mal überwunden? Wann hab ich schon mal erlebt, wie es besser und gut wurde? Solche Erinnerungen können schmerzen, wenn es mir nicht gut geht. Zugleich können sie Mut machen: Denn warum kann nicht wieder Gutes passieren, wie schon einmal? Und vielleicht geschieht schon etwas in mir und mit mir, während ich leide und durchhalte. Vielleicht hab ich schon Lösungen in mir, die ich noch nicht sehe – aber ich gehe los, unter Tränen. Die Sehnsucht nach Lebendigkeit setzt mich in Bewegung. Ich gehe, ich komme an.
Betende gehen nie alleine; sie haben jemanden, an den/die sie sich wenden können. Trauen wir Gott zu, mit uns und für uns zu sein? Trauen wir uns zu, von seinem Geist etwas in uns zu haben – Samen, die keimen und aufgehen, die neues Leben in sich tragen? Wir gehen auf Ostern zu, vielleicht kommt ja Ostern auch auf uns zu – mit Kraft zum immer wieder Auf(er)stehen …
Eine gute Zeit auf Ostern zu wünscht Martin Splett